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Trends in der Zusammenarbeit 2020 Warum wir immer Teil von etwas Größerem sind

Autor / Redakteur: Ulrike Stahl / Julia Krause

Die Familie, das Kollegenteam oder der Branchenverband – Netzwerke stärken uns und wir erreichen mehr als alleine. Das Erfolgsprinzip der Zukunft lautet: Sinnvoll kooperieren statt sinnlos konkurrieren. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Trends sich in der Zusammenarbeit für das neue Jahr 2020 ab zeichnen.

Sinnvoll kooperieren statt sinnlos konkurrieren - so lautet das Motto für 2020.
Sinnvoll kooperieren statt sinnlos konkurrieren - so lautet das Motto für 2020.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

„Niemand ist eine Insel!“ Auch wenn viele diese Aussage Johann Mario Simmel zuordnen, der eines seiner bekannten Bücher danach benannt hat, stammt sie ursprünglich aus einem Gedicht des englischen Schriftstellers John Donne. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts hatte dieser sehr bildhaft geschrieben: „Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. …“ Ob „Niemand ist eine Insel“ oder die Abwandlungen davon „Keiner ist eine Insel“ und „Kein Mensch ist eine Insel“ – wir verwenden sie gerne, wenn wir davon sprechen, dass wir alleine nicht so viel schaffen wie zusammen, dass wir andere brauchen, dass es neben dem ICH unbedingt auch ein WIR geben muss. Stimmt und trifft auch auf das 21. Jahrhundert zu: Niemand ist eine Insel! Kein Mensch, kein Unternehmen, keine Nation ist in sich ganz, sondern immer ein Teil von etwas Größerem.

Kein Mensch ist ein Ich-Land!

Spannend ist in diesem Zusammenhang ein Artikel auf ZEIT Online aus dem Jahr 1975, in dem der Autor Dieter Hildebrandt schreibt: „(…) allen drei deutschen Versionen geht, notwendigerweise, das geniale Wortspiel ab, mit dem das Thema des Gedichts pointiert wird: Denn im Englisch des John Donne schreibt sich das Wort "Island" – das unserem "Eiland" entspricht – noch nicht mit "s", sondern "iland". Und damit bekommt das alte Wort und Bild, das es bezeichnet, einen aufregenden Doppelsinn: "No man is an Iland" heißt dann nämlich auch: „Kein Mensch ist ein Ich-Land.“ Die Frage ist: Sind wir überhaupt in der Lage, unsere Insel, unser Ich-Land zu verlassen? Folgende Trends weisen uns den Weg zum WIR-Erfolg in 2020 und darüber hinaus:

1. Warum wir mehr (Selbst-)Verantwortung brauchen

In Unternehmen wird die hierarchische Zusammenarbeit immer mehr durch projektbezogene Strukturen ersetzt. IT-Unternehmen sind hier führend, trotzdem gibt es auch Beispiele in anderen Branchen, vor allem dem produzierenden Gewerbe. In einigen Unternehmen wird komplett umgestellt, in anderen abteilungsbezogen. Das erlaubt schneller und flexibler auf Veränderungen am Markt reagieren zu können und das Kooperationspotenzial im Unternehmen zu heben.

Mobiles Arbeiten gibt mehr Freiheit hinsichtlich des Ortes und der Zeit des individuellen Arbeitsbeitrags, was wiederum die Zusammenarbeit beeinflusst. Hier kommt dem Einzelnen mehr Verantwortung zu, den reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Wichtig ist, die mobilen Arbeiter mit den entsprechenden Tools auszustatten, die Zusammenarbeit auf Distanz ermöglichen.

Wenn es um Meetings geht, setzen Unternehmen auf mehr Selbstverantwortung. Statt verpflichtender Teilnahme, wird die Entscheidung dem Mitarbeiter überlassen. Das heißt, wenn der eingeladene Teilnehmer für sich keinen erkennbaren Mehrwert in dem Meeting sieht oder er nicht glaubt, einen sinnvollen Beitrag leisten zu können, kann er sich dagegen entscheiden. Zum Teil wird auch gar nicht mehr zu Meetings eingeladen, sondern nur noch Termin und Inhalte veröffentlicht und die Kollegen, die etwas beitragen können, kommen spontan dazu. Aus Pflicht wird Freiwilligkeit, auch wenn sich in diesem Zusammenhang die Diskussion über den Umgang mit Kontrolle und Vertrauen intensivieren wird.

2. Warum wir speziell bei Meetings neue Methoden brauchen

Die Art und Weise, wie wir uns treffen, verändert sich zunehmend. Wir erleben mehr spontane Zusammenarbeit, das heißt ohne vorherige Terminierung. Neue Open-Office-Konzepte unterstützen das durch Begegnungszonen. Soll es dann doch fokussierter werden, stehen sogenannte Huddle-Rooms zur Verfügung. Als Huddle bezeichnet man, wenn die Spieler einer Football-Mannschaft vor dem nächsten Spielzug die Köpfe zusammenstecken und das weitere Vorgehen besprechen. Entsprechend handelt es sich um kleinere Besprechungsräume, die es Mitarbeitern ermöglichen, sich schnell und einfach zu treffen. Sie sind mit einem zentralen Tisch ausgestattet – ein Stehtisch erspart die Stühle und meist auch Zeit, weil das Meeting so schneller zum Ende kommt.

Zum Einsatz kommen immer mehr Kollaborationstools, die es den verteilt sitzenden Teammitgliedern erlauben, sich nahtlos auszutauschen. Anstatt vorzugeben, welches Tool benutzt werden muss, geht der Trend zur selbstbestimmten Auswahl aus einem größeren Angebot durch jedes Team selbst. Dem Einsatz von Video-Technik bei Meetings kommt mehr Bedeutung zu, da die Mitarbeiter von mehr Standorten aus arbeiten. Persönliche Treffen werden noch seltener; Geschäftsreisen weiter abgebaut. Gleichwohl ist der visuelle Aspekt der Kommunikation für den Vertrauensaufbau – gerade zum Beginn einer Zusammenarbeit – und zur Reduzierung von Missverständnissen – in der laufenden Zusammenarbeit – äußerst wichtig.

Meetings werden interaktiver, das gilt für Präsenz- und Online-Zusammenkünfte. Eine komplett neue Gestaltungsmöglichkeit bietet das interaktive Umfrage-Tool Mentimeter. Eine Stichwortabfrage wird in einer sogenannten Wortwolke ausgewertet. Die Teilnehmer antworten dabei über ihre mobilen Endgeräte. Die von Keith McCandless und Henri Lipmanowicz entwickelten Liberating Structures sind ein Methodenset für die gemeinsame Arbeit an Produkten und Organisation. Jede einzelne Methode befähigt tiefgreifend, kollaborativ und effektiv zusammenzuarbeiten.

3. Warum wir in größeren Dimensionen denken müssen

Während der erste Gedanke meist der Eins-zu-eins-Interaktion innerhalb eines Teams gilt, erstreckt sich Zusammenarbeit immer öfter über Teams, Abteilungen und Standorte hinweg. Doch es geht noch weiter: Unternehmen machen ihre Kunden und sogar andere Unternehmen, zum Teil sogar Wettbewerber, zu Kooperationspartnern. Das führt zur Suche nach Tools, die koordinierte, sichere Interaktionen außerhalb der Firewall erlauben. Die Popularität von Technologien wie Slack, WhatsApp oder WeChat unterstreicht das.

Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter aktiv dabei, Netzwerke über die Unternehmensgrenzen hinaus aufzubauen. Einige große deutsche Unternehmen, darunter auch Wettbewerber wie AUDI, BMW, Bosch und Continental, haben ihre Mitarbeiter motiviert, sich unternehmensübergreifend in sogenannten WOL-Circles zu organisieren und gemeinsam ein 12-Wochen-Programm zu durchlaufen. Dabei geht es darum, Beziehungen aufzubauen, die einem dabei helfen können, eine Fähigkeit zu entwickeln und ein neues Thema zu entdecken – und im besten Fall das gesteckte Ziel umzusetzen. Die jeweils vier bis fünf Mitglieder eines solchen Circles unterstützen sich dabei gegenseitig. Auch das wird zunehmen.

Machen wir also öfter einmal etwas gemeinsam. Teilen wir unser Wissen. Nutzen wir unterschiedliche Perspektiven. Dann sind wir in der Lage, gemeinsam zum großen Ganzen beizutragen. Auf eine kooperative Zukunft!

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Über den Autor

 Ulrike Stahl

Ulrike Stahl

Professional Speaker, Beraterin und Kooperationsbotschafterin