Rückblick auf den Mobile Media Day 2013 Welche Rolle spielt Mobile für Medien und Marketing?

Redakteur: Dr. Gesine Herzberger

„Touchscreen wird zum alten Hut.“ Mit dieser Headline titelte die FAZ bereits im Januar dieses Jahres. Die Erkenntnis, die Reporter Roland Lindner von der International Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mitbrachte, bestätigte auch der Mobile Media Day 2013 in Würzburg.

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(Bildquelle: marconomy)

Wie viele Menschen kennen Sie, die nicht mindestens ein Gerät mit berührungsempfindlichem Bildschirm besitzen? Die meisten von uns hantieren mit ihren mobilen, touchgesteuerten Tablets und Telefonen so routiniert, als hätten sie nie etwas anderes getan. Maus und Tastatur? Das ist bestenfalls noch etwas für den Schreibtisch. Und der Trend setzt sich fort.

Trends und Chancen der mobilen Medien

Welche Chancen und Möglichkeiten diese Entwicklungen für die Medien bietet, das diskutierten rund 300 Teilnehmer, darunter Vertreter der IT-Branche, der Medienwelt und Studentinnen und Studenten der Würzburger Hochschulen, beim ersten Mobile Media Day in Würzburg. Der Fachkongress rund um die mobile Mediennutzung wurde von der Bayerischen Medien-Servicegesellschaft mbH (BayMS), einem Tochterunternehmen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) ausgerichtet. Die Themen, Referenten und Aussteller kamen aus den verschiedensten Bereichen und machten deutlich, wo überall „Media“ und „Mobile“ zu finden sind. Für einen Nachmittag war das Vogel Convention Center in Würzburg die Spielwiese der mobilen Möglichkeiten.

Siegfried Schneider, Präsident der BLM, eröffnete den Fachkongress und betonte die große Bedeutung, die die mobile Webnutzung mittlerweile hat. Auf den Nutzungswandel vom stationären zum mobilen Web müssten Medienunternehmen reagieren, so Schneider: „Die Aufbereitung der Informationen für die mobile Nutzung ist unverzichtbar. Bereits heute geben 21 Prozent der mobilen Internetnutzer an, dass aktuelle Nachrichten, News und Online-Zeitungen für sie zu den wichtigsten fünf Internetanwendungen unterwegs gehören“.

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Mobile Gegenwart

In die gleiche Richtung gingen die Daten und Fakten, die Heike Scholz, Gründerin des Mobile-Blogs mobile-zeitgeist.com, für ihre Keynote zusammengetragen hatte: Demnach besitzen 40 Prozent aller Bundesbürger über 40 Jahren ein Smartphone, im Jahr 2013 werden 26 Millionen Geräte in Deutschland verkauft. In 2015 werden dann bereits mehr Menschen das Internet mit Smartphones und Tablets nutzen als mit PCs. Angesichts dessen, dass also bereits Touchscreens für die meisten Nutzer eine Banalität sind, ist die Ära der PCs wohl längst vorbei. Mobile regiert die Welt und Touchscreens werden wohl in nicht allzu ferner Zeit immer mehr durch stimm- und gestengesteuerte Geräte abgelöst.

Einen spannenden Ausblick darauf, wie das aussehen könnte, gab Prof. Frank Steinicke, Leiter am Institut Mensch-Computer-Medien von der Universität Würzburg. Angesichts der Future Trends, die der Wissenschaftler präsentierte, konnten dem Zuschauer die fragilen Datenbrillen, wie zum Beispiel Google Glasses, überholt vorkommen. Dass die Technologie in Sachen Augmented Reality schon wieder einen Schritt weiter ist, machen die Meta Glasses deutlich. Wenn Sie wissen möchten, was diese Spacebrille alles kann – das folgende Video vermittelt einen Eindruck:

Marketing und Spiele

Auch Mobile Games sind in gewisser Weise Medien und bieten für Marketers die eine oder andere Möglichkeit, Werbebotschaften zu platzieren. Das lernten die Teilnehmer im Vortrag von Christopher Kassulke, CEO bei Spielehersteller Handygames, der dabei zunächst mit dem Stereotyp „Spieleentwickler“ aufräumte („...haben lange Haare, sitzen im Keller, essen Pizza und rauchen.“), und dann konkret erklärte, wie man in Spielen Werbung macht – oder auch nicht. Denn bei Handygames können die Spieler Werbung gegen Geld ganz einfach ausschalten.

Dass spielerische Elemente in Kombination mit Printprodukten sinnvoll und möglich sind, zeigte Tobias Ullersperger, Produktmanager bei „Die Welt“. Hier kann der Leser zum Beispiel einen Zeppelin auf der vor ihm liegenden Zeitung einscannen, mithilfe einer App vor sich fliegen lassen und in all seinen Details plastisch „erleben“ – für den nicht-mobilen Leser bleibt der Zeppelin dagegen nur eindimensional auf dem Papier sichtbar.

Mode, Musik, Sport – mobile ist überall

Wie Medienunternehmen richtig auf die Herausforderungen der veränderten Mediennutzung reagieren können, wurde anhand von verschiedenen Best Practice Cases belegt. Lars Steffen präsentierte eine App, die der Internet Dienstleister iWelt für das Modeunternehmen s.Oliver herstellt. „s.Oliver in your Pocket“ nennt sich das kluge, mobile Helferlein, das der geneigte Kunde sich auf sein Smartphone laden kann, um dann nicht nur über einen Storefinder und die aktuellsten Fashiontrends verfügen zu können, sondern auch über diverse Vorteile beim Einkauf.

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Einblicke in die mobile Welt des Musikstreamings gab Julia Schmitt, AMPYA.com, Werner Wittmann berichtete speziell für Fußballfreunde über die Kicker-App. Daniel Meixner, Technical Evangelist von Microsoft Deutschland, sprach in seinem Impulsvortrag über die Veränderung des Begriffs Mobile: „Die gesellschaftliche Veränderung grenzt an eine Revolution. Früher galt schon der Laptop als mobil.“

Dr. Eva Flecken von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg stellte das Public WIFI Medienportal aus Berlin vor, in dessen Rahmen seit Oktober 2012 hundert Hotspots in Berlin und Potsdam aufgebaut werden, die Nutzern täglich einen 30-minütigen, kostenfreien Internetzugang ermöglichen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Vertreter regionaler Medienhäuser die Chancen und Risiken der mobilen Welt für ihre Unternehmen. Dabei wurde deutlich, dass alle in und um Würzburg ansässigen Medienhäuser bereits erfolgreich auf Mobile setzen. Sei es in Form von Apps, digitalen Angeboten oder der Einbindung von Social Media. Im Fokus stehen dabei immer die Zielgruppen – und natürlich die eigene Authentizität sowie die Verlässlichkeit der vermittelten Information.

Begleitausstellung

Parallel zu den Vorträgen bot der Mobile Media Day seinen Besuchern auch eine Begleitausstellung, in der insgesamt 18 Unternehmen und Institute, darunter die Julius-Maximilians-Universität Würzburg und die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, innovative Anwendungen und Projekte aus dem Bereich Mobile Web vorstellten.

Fazit: Gegenwart und Zukunft sind mobil und bieten auch und gerade für Medien viele Möglichkeiten. Wichtig ist es, hier die richtigen Business Modelle zu finden und auf bidirektionale Kommunikation zu setzen. Nicht vergessen: Im Mittelpunkt steht immer die Zielgruppe!

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