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Expertenbeitrag

 Sereina Schmidt

Sereina Schmidt

Beraterin, Rednerin

Online-Bewertungen Wenn 30 Jahre Unternehmertum in Frage gestellt werden

| Autor / Redakteur: Sereina Schmidt / Annika Lutz

Auch wenn Online-Bewertungen manchmal ungerechtfertigt und ohne vorhandenen Grund erstellt wurden – Fakt ist: Sie sind erst einmal da und jeder kann sie lesen. Viele Unternehmer und CEOs kennen diese Gefahr nicht – oder wollen sie vielleicht gar nicht kennen.

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Eine einzige schlechte Kundenbewertung kann zu vielen schlaflosen Nächten führen.
Eine einzige schlechte Kundenbewertung kann zu vielen schlaflosen Nächten führen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Sie leben nach dem Motto: „Bis jetzt ist es ja gut gegangen…“ Doch diese Einstellung ist kurzsichtig und gefährlich, denn der Einsatz ist hoch: Wir spielen dabei mit unserer Reputation. Wie nachfolgende Geschichte beweist: Ein Arzt, der dreißig Jahre lang engagiert und im Dienste seiner Arbeit stand, der sich während seines gesamten Arbeitslebens nichts hat zu Schulden kommen lassen, hat seit einiger Zeit schlaflose Nächte. Und das nur wegen einer einzigen Kundenbewertung auf Google.

Ein (negativer) Kommentar reicht

Viele denken jetzt vielleicht: Wegen einer einzigen Online-Beurteilung irgendeiner Person so eine Reaktion? Nehmen wir an, ein Unternehmer wird gegoogelt. Und unter dem Suchtreffer seiner Website steht „ein Kommentar“. Da werden doch sehr viele Menschen neugierig lesen wollen, was dort steht. So eine Beurteilung kann nicht nur das Leben eines Menschen, wie bei meinem Kunden, dem Arzt, gewaltig auf den Kopf stellen, sondern auch die jahrelang aufgebaute Reputation gefährden.

Menschen lassen sich beeinflussen…

… auch von nur einer ungerechten Bewertung. Wie sollen sie auch wissen, was Wahrheit und was Fake, was ehrliche Beurteilung ist und was nur aus niederen Beweggründen geschieht – vielleicht sogar um von der eigenen Unzulänglichkeit abzulenken. Ob man Arzt, Schreiner, Industrieller oder Versicherungsberater ist – wenn es sich um eine sehr negative Beurteilung handelt, deren Inhalt die Arbeitsqualität, die Werte und Einstellung einer Person kritisiert und den betroffenen Menschen direkt angreift, dann ist der Schaden vorprogrammiert. Und oftmals verheerend, sowohl persönlich als auch unternehmerisch.

Weil ein Urteil schnell gefällt ist – vor allem online

Jeder kann uns heute online bewerten, beurteilen und sogar verurteilen. Solange der Kommentar uns nicht beleidigt, ist er –wenn überhaupt – nur sehr schwer zu löschen. Wir sind auf Google aber auch auf speziellen Plattformen wie zum Beispiel „kununu.com“ bewertbar. Jeder kann hier nicht nur Kommentare hinterlassen, sondern auch die Führung, die Gleichstellung, die Kommunikation und vieles mehr in einem Unternehmen beurteilen. Aber stimmen alle diese Bewertungen überhaupt? Nein, sicher nicht. Ist das ungerecht? Bestimmt. Aber einmal Hand aufs Herz: Hat uns das bis jetzt interessiert? Wahrscheinlich nicht! Wie reagieren wir, wenn wir im Internet auf Hotelvergleichsseiten die Kommentare von Hotelgästen lesen? Finden wir bei einem Wunschhotel nur einen Kommentar, der niederschmetternd schlecht ist, wählen wir wahrscheinlich einfach das nächste Hotel. Obwohl wir uns hätten denken können, dass dieser eine Kommentar allenfalls nicht stimmen kann. Aber wer geht hier schon gerne ein Risiko ein?

Reputation lieber rechtzeitig aufbauen

Es gibt zwei Strategien: Strategie eins, die von Unternehmen heute immer noch am häufigsten eingesetzt wird, ist die „Bis jetzt ging ja alles gut“-Strategie. Augen zu und … – eben nicht – durch. Aber schließlich schläft man noch gut, weil man ja nicht sieht, wo in Social-Media gerade jemand über einen selbst, die Produkte oder die Dienstleistung schreibt. Lustigerweise versichern wir in anderen Bereichen unseres Daseins alles was irgendwie möglich – und unmöglich – ist. Da leben wir selten nach der „Bis jetzt ging ja alles gut“-Strategie. Lebt man jedoch bei der eigenen Reputation danach, kann irgendwann das bitterböse Erwachen kommen. Strategie zwei bedeutet etwas mehr Aufwand: Bei dieser Strategie kümmert man sich aktiv um die eigene Reputation. Ob es noch andere Strategien gibt? Nein. Wenn man jetzt noch nicht weiß, welche Strategie zu einem passt, sollte man vielleicht eine Nacht darüber schlafen. Aber nicht länger. Schließlich hat man nur einen (guten) Ruf … zu verlieren – und damit vielleicht auch eine Existenz. Gute Nacht!

(ID:45524210)

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