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LinkedIn Arbeitsmarktradar Werden deutsche Arbeitnehmer digital fitter?

| Redakteur: Clara Hartmann

Ist Corona eine digitale Chance für Deutschland? Wird die Krise und die dadurch entstandene Zunahme des mobilen Arbeitens tatsächlich genutzt, um sich im Digitalbereich fortzubilden? Das Arbeitsmarktradar gibt Antworten.

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Der zunehmende Wunsch nach mobilem Arbeiten stieg in der Krise enorm an.
Der zunehmende Wunsch nach mobilem Arbeiten stieg in der Krise enorm an.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Digitalisierung verändert unser Leben und unsere Arbeitswelt elementar und ist aus den meisten Bereichen nicht mehr wegzudenken. Und dennoch hat sich Deutschland von Anfang an damit schwergetan. Seit Jahren hängen wir im internationalen und europäischen Vergleich irgendwo im Mittelfeld fest, wie zum Beispiel der Digital Economy and Society Index der EU feststellt, der Deutschland dieses Jahr auf Platz 12 eingestuft hat.

Die Corona-Krise hat die Bedeutung der Digitalisierung noch einmal verstärkt ‒ ein erhöhtes Tempo in der Digitalisierung wird als eine der wenigen möglichen positiven Folgen von Corona gesehen.

Die Digitalisierung voranzutreiben, erfordert ein hohes Level an Digitalkompetenzen. Es wurde deshalb untersucht, ob die Corona-Krise und die Zunahme des mobilen Arbeitens tatsächlich genutzt wird, um sich im Digitalbereich fortzubilden. Dafür wurde zum einen das Level der Digitalkompetenzen international verglichen, zum anderen untersucht, wie sich der Anteil der digitalen Kompetenzen bei den von den Mitgliedern angegebenen Kompetenzen entwickelt hat.

Level der Digitalkompetenzen im internationalen Vergleich
Level der Digitalkompetenzen im internationalen Vergleich
(Bild: LinkedIn)

Deutschlands Digitalkompetenz im internationalen Vergleich

Das Level der Digitalkompetenzen ist in Deutschland in den letzten Jahren etwas gestiegen, was sich auch im Ranking widerspiegelt: 2016 war Deutschland noch auf Platz 8 von 11 untersuchten Ländern, 2019 verbesserte sich Deutschland auf Platz 6.

Um die relative Durchdringung von Digitalkompetenzen nach Ländern vergleichbar zu machen, wurde eine Liste der digital-affinen Jobtitel erstellt und mit den Digitalkompetenzen der LinkedIn-Mitglieder abgeglichen, die diese Jobs ausüben nach Land. Dies reduziert die Verzerrungen in den Daten, die z.B. durch Mitgliederwachstum entstehen können.

Um zu verstehen, ob die Corona-Krise bislang wirklich einen Schub für die Digitalisierung bringt, müssen die Trends aus den ersten acht Monaten betrachtet werden und man kann erkennen, dass dies leider nicht der Fall ist ‒ das Level der Digitalkompetenzen hat sich im Vergleich zu 2019 (bis jetzt) nicht verbessert, weder in Deutschland noch in den anderen 10 Ländern.

Die Entwicklung der Digitalkompetenzen in Deutschland
Die Entwicklung der Digitalkompetenzen in Deutschland
(Bild: LinkedIn)

Digitalkompetenz in Deutschland

Um zu verstehen, ob digitale Kompetenzen in Deutschland im Vergleich zu anderen Kompetenzen wichtiger werden, wurde der Anteil, der von allen LinkedIn Mitgliedern angegebenen Fähigkeiten untersucht. Dazu wurde als Basisjahr (=100) das Jahr 2015 genommen und anschließend die Folgejahre mit dem Anteil der Digitalkompetenzen des Basisjahres verglichen. Dabei kann festgestellt werden, dass der Anteil der Digitalkompetenzen in den letzten Jahren recht stabil war. Disruptive Digitalkompetenzen, also Fähigkeiten in den neuen Technologien, wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz, Big Data oder Cloud Computing, haben in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Das ist als ein sehr positives Zeichen zu werten, da diese Art der Skills ein wichtiger Treiber für die Tech-Entwicklung und Innovation ist.

Magdalena Rogl | Head of Digital Channels bei Microsoft

“In meiner Funktion als Head of Digital Channels bei Microsoft, habe ich heute das Glück auf vielen Podien oder Konferenzen eingeladen zu sein und dort über Digitalisierung, New Work und vieles mehr sprechen zu dürfen. Das war nicht immer so. Als ehemalige Kinderpflegerin habe ich eigentlich einen ganz anderen beruflichen Hintergrund. Vor ungefähr 10 Jahren hat sich meine private Situation so verändert, dass ich mich beruflich umorientieren musste ‒ und wollte.

Kommunikation hat mich schon immer begeistert, das Verständnis für die digitale Welt musste ich mir aber erst erarbeiten. Anders als viele Menschen der Generation Y bin ich kein Digital Native und habe deshalb erst mit 25 angefangen, mich digital weiterzubilden. Dabei hat mir ganz viel "Learning by Doing", digitaler Austausch und Video-Kurse geholfen, genauso wie ein Online-Studium in "Social Media und Community Management".

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Arbeitnehmer heute auf dem Arbeitsmarkt besser positionieren können, wenn sie digitale Kompetenzen mitbringen. Aber es ist auch Aufgabe der Arbeitgeber, den Mitarbeitenden Möglichkeiten zur Weiterbildung zu geben, um sie langfristig zu halten und vor allem um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu sein.”

Kristin Keveloh | Senior Manager, Public Policy und Economic Graph bei LinkedIn

“Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Deutschland auf einem guten Weg ist, es aber noch deutlichen Aufholbedarf gibt. Mit der Qualifizierungsinitiative, die LinkedIn gemeinsam mit Microsoft und GitHub ins Leben gerufen hat, soll ein Beitrag geleistet und Arbeitnehmern geholfen werden, den digitalen Wandel zu meistern und die dafür nötigen Fähigkeiten zu erlernen. Die Initiative bietet Lernpfade für stark nachgefragte Berufe an, viele davon aus dem Digitalbereich, wie zum Beispiel als Softwareentwickler, Datenanalyst oder Spezialist für digitales Marketing.”

*Quelle: LinkedIn Arbeitsmarktradar

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