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Experten-Talk Wie Augmented und Virtual Reality das Business verändern

Redakteur: Georgina Bott

Im letzten Beitrag der Serie „Gestern Trend – heute State of the Art“ sprechen Marcus Kühne, Strategy Lead Immersive Technologies der AUDI AG, und Michael Robert Biber, Mitglied der ByteConsult-Geschäftsführung, über den Nutzen von AR und VR für Firmen sowie den Entwicklungsstand beider Technologien.

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Augmented Reality und Virtual Reality eröffnen Marketing und Vertrieb zahlreiche neue Möglichkeiten der Kommunikation.
Augmented Reality und Virtual Reality eröffnen Marketing und Vertrieb zahlreiche neue Möglichkeiten der Kommunikation.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Marcus Kühne und Michael Robert Biber kennen sich bereits seit längerem. Sie gehörten einem Projektteam an, das einen Virtual-Reality-Fahrzeugkonfigurator für den Audi Vertrieb entwickelte. Ein Austausch über die Zukunft von Augmented Reality (AR) sowie Virtual Reality (VR) und Chancen, die sich für Unternehmen ergeben:

Michael Robert Biber: Augmented Reality-Anwendungen für Endkunden sind praktisch für Unternehmen – sie helfen Dinge besser zu verstehen oder leiten bestenfalls an, sie gleich selbst zu erledigen…

Marcus Kühne: Menschen sind es gewohnt, etwas Greifbares in den Händen zu halten. Bei einer Autopanne schätzen die meisten vermutlich eher eine analoge Anleitung mit Reparatur-Tipps. Aber es gibt zahlreiche Anwendungsfälle für AR, zum Beispiel die Erstbeschäftigung mit einem Fahrzeug.

Was charakterisiert gute AR-Anwendungen für dich?

Sie müssen unterhalten und Spaß machen, also genau das ermöglichen, was in einer Notsituation niemand sucht. Augmentiert werden sollte nur, was tatsächlich einen Mehrwert bietet. Die entscheidende Frage lautet: In welcher Situation macht die Anwendung Sinn? Ein Avatar, der Fahrzeug und Funktionen erklärt, hat zum Beispiel eine menschliche Komponente. Seinen Erläuterungen zu folgen ist sehr viel angenehmer, als in umfangreichen Handbüchern zu blättern.

AR-Anwendungen werden Handbücher vorerst nicht verdrängen können, sind aber auch keine Spielereien...

Tablet- und screenbasiertes AR haben bereits einen gewissen Stellenwert erreicht. Noch größeres Potenzial sehe ich allerdings für AR-Brillen, mit denen sich unter anderem Premiumprodukte unterhaltsam erläutern lassen. Damit sie ihr Potenzial vollständig ausschöpfen können, müssen AR-Brillen allerdings erst zur selbstverständlichen privaten Kommunikationsinfrastruktur zählen. Es gibt durchaus Anzeichen dafür, dass es so kommt.

Würdest du AR-Anwendungen eher Branchengrößen im Premium-Segment oder auch kleineren Unternehmen empfehlen?

Das hängt von den Rahmenbedingungen ab. Die industrielle Infrastruktur für AR entsteht gerade erst. Wenn ein gewisser Reifegrad erreicht ist, werden sich auch kleinere Unternehmen eine Umsetzung von AR-Anwendungen wie Bedienungsanleitungen oder Marketing-Applikationen leisten können. Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, sich von Mitbewerbern zu differenzieren. Langfristig betrachtet ist dies eine Notwendigkeit, um im Wettbewerb zu bestehen.

Wir haben bisher über Anwendungen vor Kunde gesprochen. Welche Vorteile bieten nach innen gerichtete Lösungen?

Augmentierte Technologie und auch VR werden richtig interessant, wenn sie werthaltig in die Entwicklungs- und Geschäftsprozesse eingreifen – also in Entwicklung, Logistik, Kommunikation und CRM. Ich meine damit den direkten Austausch, der face-to-face stattfindet. Wenn ich auf diese Art zum Beispiel ein Produktgespräch führen kann, entsteht ein großer Mehrwert.

VR-Anwendungen werden auch Marketing und Vertrieb neue Chancen eröffnen…

Ich bin kein Prophet, aber das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden. Wenn die Bedeutung von VR weiter steigen sollte – und es gibt große Unternehmen, die viel Geld investieren – ist es ein immenser Vorteil, sich ebenfalls früh mit der Technologie und ihrer Entwicklung zu beschäftigen. So lassen sich unternehmensinterne Prozesse und Strukturen vorbereitend gestalten, um Anwendungen zum richtigen Zeitpunkt einsetzen zu können. Bei Audi haben wir es ähnlich gemacht: Einblicke gewinnen und notwendige Netzwerke in einer frühen Phase aufbauen, in der die Branche noch sehr familiär und übersichtlich war.

Entwicklungen sind meist mit hohen Kosten verbunden, zumal es derzeit kaum Frameworks gibt – also Programmiergerüste, mit denen sich Anwendungen erstellen lassen…

Das ist ein wichtiger Aspekt: Im Moment ist es zwar teuer, aber dank der gesammelten Erfahrungen werden Folgekosten geringer ausfallen. Auch Soft-Benefits sollte man nicht außer Acht lassen: zum Beispiel die Überraschung. Wann gelingt es schon, digital saturierte Menschen zu begeistern? Beim Einsatz von VR habe ich gestandene Managerinnen und Manager erlebt, die mit kindlicher Freude alles um sich herum vergessen haben. Das passiert nur, wenn Content und Technologie stimmen – es muss immer beides sein. So kann man Menschen erreichen, ihnen Momente schenken, an die sie sich erinnern und hoffentlich auch mit der Firma verbinden, die ihnen dieses Erlebnis ermöglicht hat.

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