Interview Digitalisierung

Wie das richtige Mindset B2B-Unternehmen zum digitalen Erfolg verhilft

| Redakteur: Georgina Bott

Wie Unternehmen die Digitalisierung mit dem richtigen Mindset erfolgreich meistern können, erklärt Helmut Scherer im Interview.
Wie Unternehmen die Digitalisierung mit dem richtigen Mindset erfolgreich meistern können, erklärt Helmut Scherer im Interview. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Die Digitale Transformation stellt viele B2B-Unternehmen vor eine große Herausforderung. Wie sie sich mit dem richtigen Mindset dennoch erfolgreich bewältigen lässt, verrät uns Helmut Scherer, Managing Director der Futurice GmbH im Interview.

Nicht nur Startups oder Consumer-Brands profitieren von einer digitalen Agenda, auch für B2B-Unternehmen ist eine starke Digitalstrategie von zentraler Bedeutung. Will man erfolgreich sein, gilt es jedoch, sich nicht unüberlegt auf die Digitalisierung zu stürzen. Helmut Scherer von der Futurice GmbH berät Unternehmen aus den verschiedensten Branchen dabei, die Herausforderungen des Wandels strategisch anzugehen. Konkrete Ziele und erreichbare Zwischenschritte helfen, Unsicherheiten und Unmut von vornherein auszuschließen. Dabei geht es nicht nur darum, neueste Technologie einzusetzen. Vielmehr verlangt die Digitale Transformation nach einer Veränderung im Mindset. Was dafür nötig ist und warum das Entwickeln einer Kultur, die Innovation erst zulässt dabei so wichtig ist, haben wir mit Helmut Scherer besprochen.

Herr Scherer, Sie unterstützen Unternehmen aus den verschiedensten Branchen dabei, die Digitale Transformation mit Erfolg zu bewältigen. Dabei ist Ihnen der Wandel im Mindset oft wichtiger, als der Einsatz neuer Technologien. Wie erklären Sie diesen Ansatz?

Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir ihr digitales Geschäft, setzen innovative technische Lösungen um und helfen ihnen, die dafür notwendigen Arbeitsweisen zu etablieren. Unsere Methodik ist dabei Lean Service Creation. Diese ermöglicht es Entscheidern aus dem Business-Bereich zusammen mit Entwicklern und Designern Produkte zügig und erfolgreich auf den Markt zu bringen. Unser Ansatz basiert hier darauf, digitale Services zu kreieren, die zugeschnitten auf die Anforderungen der Nutzer, tatsächlichen Mehrwert bieten. Das funktioniert aber nicht, wenn man sich nur auf die Entwicklung oder den Einsatz der neuesten Technologie konzentriert. Aus unserer Sicht nutzt die beste Technik nichts, wenn der Kunde sie am Ende nicht anwenden möchte oder sich letztendlich alle Produkte ähneln.

“Caring” ist dabei eines unserer wichtigsten Prinzipien und wir vermeiden es deshalb auch, Projekte anzunehmen, die wenig Sinn machen. Nur so kann ein vertrauensvolles Verhältnis mit dem Kunden entstehen.

Ein erfolgreiches Projekt ist für uns somit nicht nur technologisch auf dem neuesten Stand, sondern immer auch in ein Ökosystem eingebettet. Nur wenn das Mindset hinter der digitalen Agenda stimmt und man ein klares Ziel vor Augen hat, kann das Projekt aus unserer Sicht langfristig erfolgreich sein. Ein Beispiel hierfür ist die Automobilindustrie: In Zukunft wird nur derjenige Erfolg haben, der nicht nur die Autos, sondern die gesamte Infrastruktur miteinander vernetzt und dem Kunden die Möglichkeit bietet, sein eigenes Ökosystem effizient und optimal aufeinander abzustimmen.

Wenn wir bei der Automobilbranche bleiben: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen in Sachen Digitalisierung?

Die Autoindustrie steht vor derselben Herausforderung, die die Computerbranche vor einigen Jahren zu meistern hatte. Damals kämpfte man im Silicon Valley mit einem so genannten ‘Race to Zero’. Aus technologischer Sicht waren im Endeffekt irgendwann alle Geräte gleich. Einziges Unterscheidungsmerkmal war der Preis. Der Kundennutzen wurde außer Acht gelassen.

Für die Automobilhersteller sieht es mittlerweile ähnlich aus. Daher wird es jetzt darum gehen, wer den besten Nutzen für den Kunden bieten und diesen schnell auf den Markt bringen kann. Noch sind die Product-Lifecycles in der Mobility-Branche sehr lang, Entscheidungen behäbig und technologielastig. Hier muss der Kunde deutlich mehr in den Vordergrund gestellt werden, um sich wirklich vom Wettbewerb abzuheben. Nur, wer es schaffen wird, den Autofahrer auch im täglichen Umfeld zu begeistern und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden, wird am Ende herausstechen. Genau bei diesem Mindshift unterstützen wir Unternehmen.

Worauf können Unternehmen bei ihrer Entwicklung, Kommunikation und in der Art wie sie intern zusammenarbeiten selbst achten? Und wie sehen Sie die Rolle von externen Beratern in diesem Wandel?

Gerade bei großen Konzernen ist es wichtig, zunächst eine Kultur zu schaffen, die Innovation und eine Veränderung des Mindsets überhaupt ermöglicht. Schlüsselelemente hierfür sind Transparenz und Vertrauen. Solche Veränderungen passieren natürlich nicht über Nacht. Darum ist es essentiell, dass man sich überschaubare Ziele setzt, die dann in kurzen Zyklen erreicht werden können. So lassen sich Unzufriedenheiten oder falsche Erwartungen von vornherein vermeiden.

Da sich Strukturen in großen Organisationen meist dennoch nicht ganz einfach aufbrechen lassen, können Unternehmen stark von der Erfahrung externer Berater profitieren. Wir fragen beispielsweise immer zuerst nach dem Warum. Weshalb möchte man überhaupt etwas verändern? Wir erarbeiten, welche konkreten Ziele man sich stecken kann und helfen dabei, diese anzugehen. Basierend auf diesen Fragen, helfen wir den Firmen dabei, die Übersicht zu behalten und nicht voreilig, sondern strukturiert an die neuen digitalen Projekte und die notwendigen Veränderungen heranzugehen. Hierfür ist der neutrale Blick von außen sehr hilfreich.

Wie stark müssen Unternehmen aus Ihrer Sicht umdenken oder ganz aktiv Neues wagen? Ist ein großer Change-Prozess immer notwendig wenn sich Firmen digitalisieren?

Wie stark umgedacht werden muss, ist nie pauschal zu beantworten. Es gibt Unternehmen, die bereits sehr weit fortgeschritten sind. Bei diesen geht es mehr darum, zu strukturieren, zu begleiten und Hilfestellungen zu geben. Viele sind aber noch deutlich unsicherer. Dort muss zunächst der Weg geebnet werden, sodass Innovation überhaupt möglich werden kann. Es gilt zu hinterfragen, was eine digitale Agenda für die Firma leisten kann, ob sich bestehende Produkte weiterentwickeln lassen oder neue geschaffen werden müssen. Zudem stehen die personellen Ressourcen im Fokus. Wie kann man das eigene Team motivieren oder weiterbilden, um sie für das neue Mindset zu begeistern.

Der Knackpunkt ist für uns immer, dass die Digitale Transformation von den Entscheidungsträgern im Unternehmen getragen wird. Nur, wenn auch der Chef hinter dem Projekt steht, kann das Team mitziehen. Ein wirklich neuer Weg kann immer nur gemeinsam gegangen werden. Gerade bei diesem wichtigen Schritt, der zum Ziel hat, vertrauensvoll und transparent miteinander umzugehen, unterstützen wir unsere Kunden.

Und noch ein kurzer Blick in die Zukunft. Was denken Sie, erwartet uns in 2018?

Wir befinden uns in einer spannenden Zeit. Der technologische Wandel wird immer rasanter, unser Alltag und unser Arbeitsleben werden enorm davon beeinflusst. Machine Learning, Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität - alles Schlagworte, die in aller Munde sind. Doch kaum einer kann aktuell sagen, was das genau für uns alle bedeuten wird.

Um in dieser schnelllebigen, immer unübersichtlichen Welt den Überblick zu behalten, müssen wir genau hier ansetzen: In der Zusammenarbeit mit unseren Kunden möchten wir den Menschen und seine Bedürfnisse noch weiter in den Fokus stellen. Nur wenn es Unternehmen schaffen, ihre Kunden wirklich zu verstehen und zu erkennen, was sie brauchen, werden sie weiterhin relevant sein und optimale technologische Lösungen entwickeln können. Wir freuen uns, unsere Kunden auf diesem spannenden Weg zu begleiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Helmut Scherer hat über 20 Jahre Erfahrung in großen und auch kleineren Unternehmen.
Helmut Scherer hat über 20 Jahre Erfahrung in großen und auch kleineren Unternehmen. (Bild: Gruhn PR)

Über Helmut Scherer

Helmut Scherer hat über 20 Jahre Erfahrung in großen und auch kleineren Unternehmen. Als einer der Direktoren führte er ein europaweit agierendes Start-Up, das nach Japan und in die USA expandierte und baute eine digitale Business Unit eines globalen Konzerns auf. Seit 2015 treibt er als Managing Director das deutschlandweite Geschäft der Futurice GmbH voran und berät DAX 30-Unternehmen beim Wandel Ihrer Organisationskultur und der Digitalen Transformation.

Über Futurice
Das 2000 in Finnland gegründete Unternehmen hat heute über 450 Mitarbeiter in Helsinki, Tampere, Stockholm, London, Berlin und München. Futurice entwickelt im Auftrag von Kunden innovative digitale Lösungen und unterstützt Unternehmen und Organisationen dabei, die Digitale Transformation mit Erfolg zu bewältigen.

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