Recruiting-Maßnahmen über LinkedIn Wie können Unternehmen von Business-Netzwerken profitieren?

Redakteur: Dr. Gesine Herzberger

Der Einsatz sozialer Netzwerke in der B2B-Kommunikation ist nichts Neues. Mittlerweile gewinnen Facebook, Xing & Co. für Unternehmen allerdings auch zu anderen Zwecken immer mehr an Bedeutung.

Firmen zum Thema

Till A. Kaestner
Till A. Kaestner
(Bildquelle: LinkedIn)

So können – und sollten – Firmen nicht nur bei der Personalsuche oder im Vertrieb auf Online-Communities zurückgreifen. Warum das so ist und welche Gründe für eine Unternehmenspräsenz in Social Networks sprechen, haben wir Till A. Kaestner gefragt. Der Geschäftsleiter DACH bei LinkedIn erklärt im Interview, welche Funktionen das seit 2011 börsennotierte Karrierenetzwerk bietet und wie Unternehmen davon konkret profitieren können.

Wie sehen Sie die Rolle sozialer Netzwerke im War for Talents?

Soziale Netzwerke spielen zunehmend eine wichtige Rolle. Das hat auch unsere im Juli veröffentlichte Studie ‚Global Recruiting Trends‘ gezeigt: Für 37 Prozent der Recruiting-Beauftragten in Unternehmen zählen Online Business-Netzwerke zu den wichtigsten Quellen für hochqualifizierte Mitarbeiter. Allerdings muss man zwischen den Plattformen unterscheiden, denn nicht alle erfüllen für die Nutzer den gleichen Zweck. LinkedIn bietet beispielsweise umfassende Möglichkeiten, um die professionelle Online-Identität darzustellen. Wir ermöglichen den Austausch von Ideen, Kontakten und Wissen vor einem beruflichen Hintergrund. Das wiederum ist für Personaler interessant, denn über die sogenannte Talent Solutions-Funktion können sie ganz gezielt nach potenziellen Angestellten suchen und die Leute dann direkt ansprechen. Außerdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die eigene Arbeitgebermarke darzustellen.

Zudem kann nach passiven Kandidaten gesucht werden. Das heißt, nicht jeder Beschäftigte, der offen für eine neue Stelle wäre, ist aktiv auf Jobsuche. Der Lebenslauf ist aber verfügbar. So können Personaler und potenzielle Mitarbeiter einfach, effektiv und kostensparend zusammengebracht werden. Das ist im War for Talents ein großer Vorteil.

Nehmen wir das mittelständische B2B-Unternehmen Meier aus Hintertupfingen. Es hat 100 Mitarbeiter, einen Jahresumsatz von 15 Millionen Euro und ist international in den USA, China und Deutschland tätig. Welche konkreten Ansätze bietet LinkedIn für diese Firma, beispielsweise um sich selbst zu präsentieren, Verkäufe anzukurbeln oder Marketing zu betreiben?

Zunächst einmal kann Firma Meier auf LinkedIn eine eigene Unternehmensseite einrichten, und zwar völlig kostenlos. Im Anschluss können Mitarbeiter ihre eigenen Profile mit dieser Unternehmensseite verknüpfen und jedes Mitglied kann die Nachrichten und Updates der Seite abonnieren. Die Firma Meier bietet Interessenten so eine Anlaufstelle und kann Unternehmensinformationen einer breiten Zielgruppe zur Verfügung stellen. Weltweit gibt es mittlerweile mehr als drei Millionen solcher Unternehmensseiten.

Zudem können über die Option „Marketing Solutions“ Anzeigen geschaltet werden, die auch Mitglieder erreichen, die die Unternehmensseite noch nicht abonniert haben. Die Stärke hinter diesen Maßnahmen ist das eingesetzte Targeting: LinkedIn hat weltweit mehr als 238 Millionen Mitglieder – dort findet auch ein mittelständischer Betrieb die richtige Zielgruppe. So könnte die Firma Meier beispielsweise Einkäufer aus relevanten Branchen in den USA, China oder Deutschland gezielt ansprechen

Im deutschsprachigen Raum spielt LinkedIn noch eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Warum sollten gerade deutsche Unternehmen dennoch auf LinkedIn aktiv werden?

Durch gezielte Produktinvestitionen wachsen wir kontinuierlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es gibt deutschsprachge Apps für Android-, Apple, BlackBerry- und Windows-Phone-Geräte. Die Recruiting-Lösung „Talent Solutions“ ist seit Januar 2013 auf Deutsch verfügbar. Diese Strategie hat sich für uns ausgezahlt: Seit November 2012 haben wir mehr als drei Millionen Mitglieder in der DACH-Region, von 2011 auf 2012 haben wir ein Wachstum von 47 Prozent erreicht. Weltweit kommen pro Sekunde zwei neue Mitglieder hinzu. 2012 haben LinkedIn-Mitglieder 5,7 Milliarden Mal unsere Suchfunktionen genutzt, um Kollegen, Arbeitgeber, Kunden, Jobkandidaten und andere berufliche Informationen zu finden.

Hinzu kommt: Deutschland ist eine Exportnation. Für viele Nutzer ist es daher wichtig, sich international mit Kollegen, Zulieferern oder Kunden zu vernetzen. Unsere internationale Aufstellung ermöglicht somit den Aufbau des Netzwerkes über die Grenzen Deutschlands hinaus. Viele haben das bereits erkannt, jedes DAX-Unternehmen ist bei uns vertreten. Wenn man so will, sind die Kunden und Wettbewerber von Firma Meier aus Hintertupfingen also bereits da und nutzen unsere Marketing- und Recruiting-Lösungen, um das Potenzial der Plattform auszuschöpfen. Ein guter Grund, da auch selbst aktiv zu werden.

Durch welche Marketing-Maßnahmen will LinkedIn den deutschen Markt erobern? Wohin geht die Reise?

Wir setzen bewusst nicht auf Marketing-Maßnahmen, sondern auf nachhaltiges, organisches Wachstum unserer Mitgliederbasis. Daher konzentrieren wir uns auf Innovation und Investition in unsere Produkte, auch und insbesondere in der DACH-Region. Für die meisten unserer Nutzer ist der Aufbau einer professionellen Online-Identität am wichtigsten. Für den Erfolg von LinkedIn müssen wir daher gewährleisten, dass die Plattform weiterhin entsprechende Funktionen zur Verfügung stellt und zudem übersichtlich und leicht zu bedienen ist. Das treibt uns täglich an.

Unsere Vision reicht aber weiter: Bereits heute ist LinkedIn der weltweit größte „Professional Graph“, eine Karte der beruflichen Beziehungen zwischen Berufstätigen untereinander und Unternehmen. Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat den Begriff des „Social Graph“ geprägt, der das soziale Geflecht der Weltbevölkerung abbilden soll. LinkedIn kann sich zu einem „Economic Graph“ entwickeln, einer Abbildung des Wirtschaftsgeflechts. In vielleicht zehn Jahren könnten wir so den Fluss von spezialisierten Arbeitskräften und Kreativpotenzial dorthin erleichtern, wo der größte Bedarf besteht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ergänzendes zum Thema
Persönlich:

Till A. Kaestner
Till A. Kaestner
( Bildquelle: LinkedIn )
Till A. Kaestner ist seit Januar 2013 als Geschäftsleiter für LinkedIn Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH) tätig. Kaestner ist Experte darin, Unternehmen im deutschsprachigen Raum voranzubringen: So reorganisierte und baute er für die Online-Jobbörse Monster Abteilungen in der DACH-Region auf und integrierte diese in die globale Marketing-Organisation.

* Auf der Zukunft Personal in Köln können Sie Till A. Kaestner übrigens auch live erleben. Hier hält er einen Vortrag über erfolgreiches Recruiting via Social Media.

(ID:42259106)