Vom Marketing Manager zum Marketingleiter Wie wichtig sind Gespräche über Persönliches am Arbeitsplatz?

Ein Gastbeitrag von Petra Menzel*

Lange Zeit galten persönliche Gespräche in der Arbeit als fehl am Platz. Doch das hat sich grundlegend geändert. Jedoch kommt das ganz auf das Unternehmen an. Welche Inhalte angebracht sind, erfahren Sie hier.

Gespräche am Arbeitsplatz sind schon lange kein Tabu mehr. Jedoch ist nicht jedes Gesprächsthema angebracht.
Gespräche am Arbeitsplatz sind schon lange kein Tabu mehr. Jedoch ist nicht jedes Gesprächsthema angebracht.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Menschen haben als soziale Wesen stets den Wunsch, in harmonischer Interaktion mit anderen zu stehen. Deshalb wächst auch das Bedürfnis nach Gesprächen über Persönliches am Arbeitsplatz, denn Geschichten aus dem Privatleben machen uns menschlich und ermöglichen es uns, eine engere Beziehung zu unseren Kolleginnen und Kollegen aufzubauen. Kommunikation gilt als einer der grundlegenden Bausteine für ein angenehmes und produktives Betriebsklima. Dazu zählen auch Unterhaltungen über persönliche Ereignisse und Gefühle. Das ist gerade in der heutigen Arbeitswelt, in der Berufliches und Privates vermehrt zusammenrücken, vollkommen in Ordnung. Oft ergeben sich dadurch auch verschiedene Vorteile für Angestellte und Unternehmen.

Professionalität und Emotionalität schließen sich nicht aus

Vor ungefähr zehn Jahren wurde in Management-Schulungen noch immer gelehrt, dass Emotionen nichts in der Firma zu suchen haben – vor allem nicht aus dem persönlichen Bereich. Strenge Sachlichkeit und Professionalität galten als notwendig für produktive und erfolgreiche Unternehmen. Auf keinen Fall sollten persönliche Gefühle, Sorgen und Angelegenheiten besprochen oder thematisiert werden – nicht von den Angestellten und erst recht nicht vom Führungspersonal.

Doch besonders im Rahmen des New-Work-Ansatzes hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken in Führungsebenen eingesetzt. Hierbei setzen Projektmanager und Unternehmensverantwortliche vermehrt darauf, Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber stets ganzheitlich zu betrachten. Das beinhaltet somit auch das persönliche Befinden. Wer sich gut mit Kollegen versteht und sich auf der Arbeit wohlfühlt, geht dort gern hin, kann eine bessere Leistung abliefern und hat somit mehr Erfolg.

Aus diesem Grund ist es wichtig, hin und wieder während der Arbeitszeit auch über Privates zu plaudern. Natürlich sind Kommunikationsart und -inhalte auch immer von Branche, Tätigkeit und Arbeitgeber abhängig, allerdings bieten die meisten Arbeitsbereiche Gelegenheiten für eine kurze private Unterhaltung.

Private und emotionale Einblicke erhöhen Verständnis

Vor allem in Unternehmen, in denen moderne, agile Arbeitsweisen gefördert und gelebt werden, erlaubt die tägliche Abstimmung der Teams nicht nur die Besprechung von Aufgaben und Prozessen, sondern auch von persönlichen oder emotionalen Angelegenheiten. Ein kurzer Austausch zu Beginn des Arbeitstages kann wertvolle Erkenntnisse und Einblicke bieten.

Hier ein kurzes anschauliches Beispiel: Im Morning-Briefing erfahren die Angestellten, dass es einer Führungskraft aus einem bestimmten persönlichen Grund nicht besonders gut geht. Sie bekommen mit, dass die Person deshalb niedergeschlagen oder angespannt ist. Kennen Angestellte den Grund und wissen davon, entsteht ein besseres Verständnis von dem Menschen hinter der Führungspersönlichkeit in der entsprechenden Situation. So besteht die Möglichkeit, Aufgaben abzunehmen, zu unterstützen, zu helfen und auch bestimmte Reaktionen der Person besser verstehen und einordnen zu können. Das stärkt die Gemeinschaft, schafft Vertrauen und sichert letztendlich den Erfolg des Projektes.

Besonders wichtig ist hierbei eine offene, aber vor allem auch respektvolle Einstellung aller gegenüber den Teammitgliedern und dem Unternehmen. Gerade hierfür sind auch Unterhaltungen über persönliche Aspekte in kleineren Kollegenkreisen wichtig und förderlich. Zwar müssen am Arbeitsplatz keine besten Freundschaften entstehen, aber gute persönliche Beziehungen verbessern die Atmosphäre ungemein.

Vorsicht: Nicht zu offen plaudern

Trotz vieler positiver Effekte dürfen Privatgespräche bei der Arbeit nicht den Arbeitsfluss lahmlegen oder behindern. Während ein kurzes Gespräch zwischendurch auf dem Flur meist in Ordnung ist, bieten sich vor allem Pausenzeiten an, um sich mit Kolleginnen und Kollegen auch über andere Themen als die Arbeit auszutauschen.

Allerdings ist hierbei auch Vorsicht geboten. Wer schlecht über andere Kollegen spricht, zu viel oder das Falsche von sich preisgibt, sägt sich womöglich selbst die Karriereleiter an. So sind beispielsweise Lästereien über das Unternehmen oder Angestellte ein absolutes No-Go. Aber auch einige andere Themen sollten am Arbeitsplatz lieber unausgesprochen bleiben. Dazu gehören etwa religiöse und politische Ansichten. Wenn es um die eigene Krankengeschichte geht, sollten auch hier besser nicht zu viele Details dargelegt werden. Hier kann es zu Nachteilen kommen, wenn etwa Entscheidungen zu Beförderungen oder Gehaltserhöhungen anstehen und ein Mitarbeiter aufgrund seiner Krankengeschichte vielleicht als weniger belastungsfähig und somit weniger geeignet im Vergleich zu anderen Kollegen erscheint.

Natürlich kommt es aber auch hier immer auf den jeweiligen Betrieb und die Beziehung zu den Kollegen an. Insgesamt ist es dennoch üblicher geworden, sich auch über die Familie oder persönliche Herausforderungen zu unterhalten – das macht uns menschlich. Wer das Gespräch sucht, um Beziehungen aufzubauen, aber thematisch lieber auf der sicheren Seite bleiben möchte, kann hingegen über Sport, Hobbys, Reisen, Essen, Unterhaltung oder auch das Wetter reden. Ein gemeinsamer Nenner lässt sich hier meist schnell finden.

*Petra Menzel ist Geschäftsführerin der Gordion Projects GmbH.

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