Agiles Arbeiten

Zauberwort auch für den Mittelstand

| Autor / Redakteur: Oliver Zils & Isabell Hoeffner* / Julia Krause

New Work und agiles Arbeiten werden inzwischen auch von Unternehmen, die lange eher skeptisch waren, ernstgenommen. Ein Zauberwort – auch für den Mittelstand.
New Work und agiles Arbeiten werden inzwischen auch von Unternehmen, die lange eher skeptisch waren, ernstgenommen. Ein Zauberwort – auch für den Mittelstand. (Bild: gemeinfrei / Pexels)

New Work ist in aller Munde. Eine Komponente der neuen Arbeit, die Türen öffnet und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglicht sind flexible Arbeitsprozesse – auch bekannt als agiles Arbeiten. Was das heißen kann und welche Möglichkeiten sich daraus eröffnen – vor allem für den eher traditionell und oft stark hierarchisch organisierten Mittelstand – erfahren Sie hier.

New Work und agiles Arbeiten werden inzwischen auch von Unternehmen, die lange eher skeptisch waren, ernstgenommen. Und das ist gut so, denn wie sonst will man in Zeiten des Fachkräftemangels als Arbeitgeber attraktiv sein und Talente auf sich aufmerksam machen? Gerade für junge Menschen, die mit digitaler Technologie groß geworden sind und klare Erwartungen hinsichtlich ihrer Aufgaben haben: dynamisch soll es zugehen, Flexibilität bieten und diese nicht nur abfordern. In vielen Wirtschaftsbereichen ist diese Entwicklung auch schon in großem Maße angekommen. Doch gibt es immer noch Segmente, in denen beständig in alten, stark hierarchisch geprägten Prozessen gearbeitet wird. Das liegt oft noch nicht Mal an den Unternehmen selbst, sondern kann seine Ursache auch darin haben, dass man in der eigenen Produktion an die Logik und Abläufe seiner Kundschaft gebunden ist – etwa im Bereich Automobilzulieferer, die sich entsprechend der Zyklen und Prozesse der großen Hersteller aufgestellt haben.

Doch gerade hier können agile Prozesse, die etwa durch einen externen Partner ins Unternehmen gebracht werden, wahre Wunder vollbringen. Und das sogar, wenn diese Projektmethodik der eigenen Organisationsform in Teilen komplett entgegensteht. Doch zunächst mal zur Klärung, was heißt agiles Arbeiten eigentlich genau? Und was unterscheidet es von klassischen Arbeitsweisen?

Der augenscheinlichste Unterschied in Projekten: Es gibt kein vorab exakt definiertes Resultat. Das klingt eher ungewöhnlich, denn nach alter Wertvorstellung weiß jemand, der das Ziel nicht kennt, auch nicht den Weg dorthin. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich in agilen Prozessen die Erwartungen an das Ergebnis und die konkreten Vorstellung dazu im Laufe der Zeit ohnehin verändern. Und anders als früher wird das Projekt in kleine, in sich abgeschlossene Zyklen zerlegt, sog. Sprints. In diesen entscheiden die Verantwortlichen nach klaren und transparenten Regeln gemeinsam, welche Aufgabenpakete in dieser Zeit umgesetzt werden. Diese Pakete werden am Ende eines jeden Zyklus präsentiert. Kunden sehen diese Teilergebnisse sofort und können ggf. steuernd eingreifen. Klare Voraussetzung: Die Kunden müssen eine aktive Rolle im Projekt spielen. Denn vor jedem Sprint wird gemeinsam neu priorisiert und definiert, was als nächstes zu machen ist und was evtl. noch warten kann.

Die größte Herausforderung bei dieser Form der Zusammenarbeit ist, dass Kunden ein großes Maß an Vertrauen in ihren Partner bzw. Dienstleister mitbringen müssen. Auch wenn sie – wie durch alle Punkte des voranstehenden Absatzes ersichtlich ist – stets involviert sind und kontrollierend und steuernd eingreifen können. Die Vision, das gemeinsame Verständnis des anzustrebenden Projektziels wird auch gemeinsam erarbeitet und ist die Voraussetzung für jede agile Projektumsetzung. Doch was fehlt – beziehungsweise erst im Lauf der Zeit entsteht – ist das exakt definierte Projektergebnis. Das Ziel ist klar, lediglich der dorthin einzulegende Weg inkl. aller Kurskorrekturen sowie ggf. einzelne Aspekte in der Ausführung des Projektergebnisses, werden im Projektverlauf ständig neu eruiert, permanent gegengeprüft und nachjustiert. Darauf muss man sich einlassen wollen. Und wenn die Bereitschaft dazu vorhanden ist, können Resultate aus agilen Prozessen sehr viel schneller entstehen und erfolgreicher verlaufen, wie die beiden Beispiele (s. Kasten) zeigen.

Die ersten 10 Schritte in die Agile Transformation

Transformationsprozess

Die ersten 10 Schritte in die Agile Transformation

25.10.19 - Die Verwendung agiler Vorgehensweisen in der Softwareentwicklung verspricht eine schnellere Time-to-Market, einen früheren Return-on-Invest und eine hohe Produktqualität. Doch bereits bei der initialen Einführung agiler Methoden stoßen Organisationen oft auf kulturelle Herausforderungen. Die folgenden Schritte ebnen einen Erfolg versprechenden Weg in die Agile Transformation. lesen

Aus dem sogenannten Backlog, der Sammlung vorab definierter Anforderungen, ergibt sich erst in einer vorab definierten Zeit das sog. MVP (Minimum Viable Product). Eine schwierige Vokabel, denn natürlich möchte ja niemand, der einen Veränderungsprozess in seinem Unternehmen anstößt, nur ein Minimum erreichen. Was das jedoch meint: Was braucht es für ein erstes marktfähiges Produkt? Welche Ziele sind im Rahmen der gegebenen Zeit und des gegebenen Budgets realistisch umsetzbar? Welche Bausteine sind zwingend erforderlich, um marktfähig zu sein und welche können im späteren Prozess einfach dazukommen? Das sind in den meisten Tech Start-Ups heutzutage die üblichen Prozesse – der deutsche Mittelstand jedoch beginnt erst, sich mit diesem Denkansatz vertraut zu machen und die Vorteile agiler Arbeitsweisen für sich zu entdecken.

Es geht also nicht um Technologie und eigentlich auch nicht um digitale Transformation. Es geht um eine ganz neue Art der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Agentur bzw. Dienstleister, die partnerschaftlicher ist und zielorientierter und damit erfolgsversprechender. Ausgangsimpuls ist dabei die agile Projektmethodik wie zum Beispiel Scrum, deren Funktionsweise eine solch partnerschaftliche Methodik und auch Kommunikation miteinander notwendig macht.

Grundsätzlich können traditionell und hierarchisch organisierte Mittelständler mit agilen Methoden schnell und erfolgreich (digitale) Projekte umsetzen, die sonst mehr Zeit und Aufwand kosten. Gerade im Zeitalter der digitalen Transformation sind Geschwindigkeit und Flexibilität oberstes Gebot und schnelle Zyklen entscheiden häufig über Zukunftsfähigkeit und Erfolg. Und nicht zuletzt ist entscheidend, sich für die Umsetzung solcher Projekte einen Partner zu suchen, der einem ein gutes Gefühl gibt und mit dem man sich voller Vertrauen in das Abenteuer agiles Arbeiten stürzen kann. Dann wird das Projekt am Ende für alle Seiten ein Erfolg.

Buzzword Agilität – Woher kommt es und was kann Agilität im Unternehmen leisten?

New Work

Buzzword Agilität – Woher kommt es und was kann Agilität im Unternehmen leisten?

29.07.19 - Agilität macht wendig im Wandel. Sie umfasst das Anwenden agiler Methoden ebenso wie eine nachhaltig veränderte Ansichts- und Denkweise sowohl der Mitarbeiter- als auch der Führungsriege. Was steckt hinter diesem häufigen Buzzword, wo kommt es her und wem nutzt Agilität? lesen

Beispiel-Projekt Witzenmann

Projekt: Erstellen einer neue Corporate Website für Witzenmann, Hersteller flexibler, metallischer Elemente mit Einführung eines weltweit leicht zu pflegenden Content Management Systems.

Warum war es für einen traditionellen Maschinenbauer mit klassischer Organisationstruktur von Vorteil, sich hierzu auf ein agiles Projekt einzulassen?

  • Durch die gemeinsam erarbeitete Vision war das Verständnis für das Gesamtziel klar, bei flexiblem MVP.
  • Das Witzenmann-Team wurde von Logic Joe durch die Projektmethodik geführt, war aber auch stets aktiv steuernd mit im Boot, die Rollen waren klar kommuniziert
  • Der Projektfortschritt war permanent und maximal transparent ersichtlich (14-Tage Sprints)
  • Durch Sprintstruktur: Hohe Planungssicherheit für das gesamte Projektteam, kontinuierliches Entscheiden und Priorisieren, d.h. nicht alle Entscheidungen müssen am Anfang gefällt werden; enge Betreuung durch Scrum Master. Das hat den Aufwand erheblich reduziert, zum Beispiel im Bereich der Produktdarstellung auf der Website
  • Schneller Projektstart: Nicht alle Anforderungen mussten zu Beginn des Projekts definiert sein. Beispielsweise wurde die Entscheidung für ein Cloud-Hosting oder die Anbindung von Systemen wie CRM und Ergänzung durch eine Mediendatenbank erst im Projektfortschritt getroffen

Die Herausforderung:

  • Projektteam auf Kundenseite, meist im Marketing angesiedelt, stellt sich agil auf, braucht aber auch immer wieder Unterstützung, Information, Support aus dem häufig nicht agilen Teilen des Unternehmens
  • Sprinten ist anstrengend und erfordert Disziplin! Der 14-Tage Rhythmus macht Termin- und Projekt-Planung einfach. Alle Termine sind langfristig gesetzt und planbar. Aber konsequent Feedback, Bewertung und evtl. Neupriorisierung zu liefern, strengt an. Denn die anderen Teammitglieder im unternehmensübergreifenden Scrum-Team sind abhängig von Feedback.
  • Wichtig: der oder die Verantwortliche auf Unternehmensseite muss in der Lage sein, die fortlaufenden Entscheidungen über Abnahme und Priorisierung zu treffen. Denn die Gesamtabnahme im klassischen Sinne gibt es am Ende nicht mehr.

Wenn die gemeinsame Vision steht, entwickelt sich das MVP (Minimum Viable Product) im Prozess. Das Spannende: das Endprodukt wird fortlaufend angepasst und entwickelt sich quasi „unterwegs“; anhand des Formgrads können Entscheidungen getroffen werden, die auf das Gesamtziel einzahlen.

Letztendlich konnte so ein deutlich besseres Endergebnis erzielt werden und die aus sogenannten „Wasserfallprojekten“ bekannte und gefürchtete Abnahmerunde, in der dann häufig noch Fehler auftauchen, konnte vollständig vermieden werden. Das Projekt wurde abschließend vom Softwarehersteller e-Sprit als „Quality Approved Project - QAP“ zertifiziert und eine Review mit allen Beteiligten bildet eine solide Basis für die weitere Zusammenarbeit.

Vier erstaunliche Erfolgsfaktoren für die agile Zusammenarbeit

Teamwork

Vier erstaunliche Erfolgsfaktoren für die agile Zusammenarbeit

26.08.19 - Weil Aufgaben heute oft sehr komplex sind, werden mehr hochspezialisierte Experten benötigt. Dies führt zu höherer Diversität, virtuellen Teams sowie einer agilen Vorgehensweise. Was aber braucht es wirklich, damit diese neue Teamarbeit funktioniert? lesen

* Oliver Zils von Logic Joe und Isabell Hoeffner von 21TORR.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46251729 / New Work)