Flirt-Falle im Arbeitsalltag

Falsch verstandene Freundlichkeit im Geschäft

| Redakteur: Dr. Gesine Herzberger

Hübsches Lächeln und eine sympathische Ausstrahlung: Immer wieder kommt es auf der Arbeit vor, dass die Freundlichkeit einer hübschen Mitarbeiterin falsch ausgelegt wird. Doch nicht nur Frauen geraten in diese Flirt-Falle – auch Männer müssen sich ab und zu aus ihr befreien.
Hübsches Lächeln und eine sympathische Ausstrahlung: Immer wieder kommt es auf der Arbeit vor, dass die Freundlichkeit einer hübschen Mitarbeiterin falsch ausgelegt wird. Doch nicht nur Frauen geraten in diese Flirt-Falle – auch Männer müssen sich ab und zu aus ihr befreien. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Servicemitarbeiterin Sophie F. wollte nur nett zum Kunden sein – jetzt spürt sie seine Hand auf dem Schenkel. Ihre professionell gemeinte Zuwendung hat er als erotisches Interesse ausgelegt. Wege aus dieser Flirt-Falle kennt Karriere-Coach Suzana Janosevic.

Immer noch sind es eher die Frauen, die im Geschäftsleben bewusst mit ihrer körperlichen Wirkung umgehen müssen, wie Janosevic aus Gesprächen mit einigen ihrer Klientinnen weiß. „Sie möchten besonders nett und höflich sein. Manchmal senden sie dadurch Signale, die männliche Gesprächspartner dann fehlinterpretieren.“ Sie betont, dies hänge keineswegs von der Kleidung ab. „Das passiert Frauen im Hosenanzug genau so wie im Kostümchen oder im flotten Minirock.“ Sie fügt hinzu: „Auch auf höchster Ebene kommt es durch Fehlinterpretationen von Verhalten zu Übergriffen. Spitzen-Managerinnen verschweigen diese Probleme aber lieber, weil das Aufdecken sehr negative Konsequenzen haben könnte.“ Dazu gehöre beispielsweise die Gefahr, dass der Geschäftskontakt durch eine zu brüske Zurückweisung gefährdet werde – oder auch ein der Laufbahn wenig förderliches „Zicken-Image“.

Schon seit 20 Jahren selbstständig, unterstützt Suzana Janosevic ihre Klienten als Business-Coach dabei, die eigenen Talente zu erkennen und auszubauen.
Schon seit 20 Jahren selbstständig, unterstützt Suzana Janosevic ihre Klienten als Business-Coach dabei, die eigenen Talente zu erkennen und auszubauen. (Bild: Guido Karp Photography, Los Angeles)

Janosevic unterstreicht, es gebe keine Patentlösung, jedoch verschiedene Strategien. „Es ist von der Situation und von den Beteiligten abhängig.“ Je stärker das Machtgefälle sei, desto schwieriger wäre die Lösung für die rangniedere Person. „Wenn der wichtigste Kunde der Firma oder der eigene Chef plötzlich mehr wollen, stehen die Betroffenen vor einer großen Herausforderung – insbesondere dann, wenn sie ihren Job unbedingt behalten möchten. Und das wollen ja die meisten von uns – auch Männer.“ Sie nennt das Beispiel eines Auszubildenden, der von seiner Vorgesetzten sexuell unter Druck gesetzt wurde. „Er war kreuzunglücklich, denn als Mann bekam er überhaupt kein Verständnis. Im Gegenteil: Es hagelte dumme Sprüche im Bekanntenkreis nach dem Motto: Sei doch froh über die tolle Gelegenheit!´“

Die Beraterin empfiehlt, zunächst das eigene Verhalten zu überprüfen. Wichtig sei dabei insbesondere die Körpersprache. Janosevic: „Manche Personen senden unbewusst Flirtsignale, um Sympathie beim Gegenüber zu wecken. Sie streichen sich vermehrt langsam durch die Haare, lächeln mit schräg geneigtem Kopf oder auch – ganz gefährlich in einer bereits aufgeladenen Situation – spielen mit einem Stift herum.“ Sie weist darauf hin, ein Übergriff komme „niemals aus dem Nichts.“ Meist künde es sich vorher an, dass der Gesprächspartner andere Interessen habe als die Zusammenarbeit. Typische Signale von Männern, weil dies die häufigste Konstellation ist:

Er ...

  • lenkt die Unterhaltung immer wieder auf privat-intime Themen
  • fragt nach dem Beziehungs-Status
  • blickt auffällig auf Brust oder Beine seiner Gesprächspartnerin
  • setzt sich in Macker-Pose hin und blickt auffordernd
  • versucht, Gesprächstermine auf eine späte Uhrzeit oder in privates Umfeld zu legen.

Tipp: Auf der Sachebene bleiben

Janosevic hat für diese Fälle eine Empfehlung: „Um peinliche Situationen zu vermeiden, ist geschickt, bei Gesprächen mit derartig Interessierten konsequent auf der Sachebene zu bleiben und immer wieder zum eigentlichen Anlass des Beisammenseins zurückzukommen.“ Janosevic rät von häufigen Unterhaltungen über vertrauliche private Inhalte in geschäftlichen Zusammenhängen ab. Um beim Umlenken des Themas den richtigen Ton zu treffen, sei Einfühlungvermögen gefragt: „Erzählt jemand plötzlich familiäre Probleme oder Details aus seiner Lebensgeschichte, muss der Themenwechsel behutsam vorgenommen werden.“ Ein komplettes Abblocken könne als harsche und verletzende Zurückweisung ausgelegt werden. Um ihren Ansatz zu verdeutlichen, beschreibt sie einen möglichen Gesprächsverlauf zwischen einem Kunden und der Mitarbeiterin eines Dienstleistungsunternehmens:

Kunde: Und dann sagt sie: „…“

Mitarbeiterin: Dass Sie über … verärgert sind, kann ich nachvollziehen. Das würde mir in Ihrer Situation genau so gehen. Ich für meinen Teil möchte dafür sorgen, dass es Ihnen hier in unserem Business-Center gut geht. Welchen Servicewunsch kann ich Ihnen denn erfüllen?

Kunde: Ich wollte eigentlich ein Fax durch Sie versenden lassen. Aber eins möchte ich Ihnen noch erzählen: …

Mitarbeiterin: Sie sind sehr offen zu mir, und für dieses Vertrauen danke ich Ihnen. Gerade weil Sie im Augenblick diese Sorgen haben, möchte ich Ihre Servicewünsche schnell und gut erfüllen. Welches Fax darf ich für Sie versenden?

Janosevic: „Dieses Gespräch dient nur als Anregung. Erzählt jemand sichtlich bewegt von einem schweren Schicksalsschlag, wirkt es kalt, ihn nach zwei Sätzen abwimmeln.“ Es sei besser, eine Weile zuzuhören, um dann einen geeigneten Zeitpunkt für die Gesprächsumlenkung zu finden.

Business-Essen zu vorgerückter Stunde in Mann-Frau-Paarkonstellation bergen Janosevic zufolge ebenfalls die Gefahr von Missverständnissen. „Es ist besser, den Termin auf den Mittag zu verlegen oder dafür zu sorgen, dass weitere Personen dabei sind.“ Auch das vorherige Abstecken eines zeitlichen Rahmens kann helfen, dass der andere mit realistischen Erwartungen zum Treffen kommt.“

Eine weitere Flirt-Falle lautert in angeheiterten Runden. „Leider ist es auch heute immer noch so, dass eine Frau, die höflich über frivole Herrenwitze lacht oder eigene beisteuert, von vielen Männern als sexuell interessiert angesehen wird, und zwar an ihnen“, warnt Janosevic. Eine postive Art und selbtbewusste Art, mit Anzüglichkeiten umzugehen, sei der Humor. Dazu erzählt die Fachfrau für berufliche Weiterentwicklung eine kleine Anekdote: „Eine Verkäuferin stellte bei der Beratung fest, dass der Kunde immer nur auf ihren Busen schaute, statt Blickkontakt zu halten.“ Sie habe trocken zu ihm gesagt: „Können Sie bitte etwas lauter sprechen – die linke hört schlecht!“ *

Ergänzendes zum Thema
 
Über Suzana Janosevic:

* Dieser Beitrag erschien zuerst auf WorkScout.biz, dem Business-Blog von Dr. Birgit Lutzer. Hier erfahren Sie mehr zu Beruf und Karriere ….

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