Lieferengpässe, geopolitische Spannungen, Kostenexplosion – der Mittelstand steckt in einer Dauerkrise. Doch statt zu resignieren, zeigen viele Firmen Resilienz. Langfristig braucht es jedoch die Hilfe anderer.
Um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, haben deutsche Mittelständler bereits viele Maßnahmen umgesetzt. Zum Beispiel wurden mehr digitale Prozesse eingeführt.
Um gefestigt aus der angespannten Wirtschaftslage hervorzugehen, setzt der deutsche Mittelstand bewusst auf Maßnahmen gegen den Abwärtstrend. Das zeigt die aktuelle Studie „Resilienz und Risikomanagement im Mittelstand“, die das Marktforschungsinstitut Innofact Ende April 2025 im Auftrag von Allgeier inovar durchgeführt hat.
In der Untersuchung wurden 373 Entscheider befragt, darunter Geschäftsführer und CEOs mittelständischer Unternehmen mit 30 bis 750 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz zwischen 30 und 200 Millionen Euro. 38 Prozent dieser Unternehmen sind ausschließlich im B2B tätig, 45 Prozent sowohl im B2B als auch im B2C Geschäft. Die befragten Führungskräfte verantworten unter anderem die Bereiche Vertrieb, Logistik, Einkauf, IT sowie Finanzen und Controlling.
Die Resilienz wächst
Drei Viertel der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten spürbar bis sehr stark gegensteuern zu müssen, um Umsatzeinbrüche oder Liquiditätsengpässe zu vermeiden.
Gleichzeitig beweist der deutsche Mittelstand eine hohe Anpassungsfähigkeit: Trotz der anhaltenden Krisenlage gelingt es vielen Unternehmen, ihre Widerstandsfähigkeit auszubauen. So sahen sich in den letzten drei Monaten nur noch 61 Prozent, im letzten Monat sogar lediglich 56 Prozent zu weitreichenden Maßnahmen gezwungen, um ihre wirtschaftliche Stabilität zu sichern.
Ein weiteres Indiz für die wachsende Resilienz, die aus den Ergebnissen hervorgeht: Der Anteil der Unternehmen, die bislang keine Gegenmaßnahmen ergreifen mussten, da sie von den wirtschaftlichen Turbulenzen nicht betroffen sind, steigt kontinuierlich: von 4 Prozent in den letzten zwölf Monaten auf zuletzt 7 Prozent (in den letzten drei Monaten) und 12 Prozent (im letzten Monat).
Krisenmanagement ist Chefsache
Im vergangenen Jahr lag die Verantwortung für das wirtschaftliche Gegensteuern klar in der obersten Führungsebene: 88 Prozent der Geschäftsführer und CEOs griffen aktiv ein, um ihr Unternehmen durch die Krise zu führen. Im mittleren Management lag dieser Wert mit 70 Prozent deutlich niedriger – ein Hinweis darauf, dass viele Unternehmen Entscheidungskompetenz gezielt auf Top-Level bündeln, um in unsicheren Zeiten schneller handeln zu können.
Um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, haben viele deutschen Mittelständler bereits folgende Maßnahmen umgesetzt:
43 Prozent der Unternehmen haben ihre Kosten reduziert.
41 Prozent haben ihre Prozesse und Lieferketten optimiert.
40 Prozent der befragten Firmen haben Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz vorgenommen.
Darüber hinaus sind weitere Initiativen geplant, die kurz- bis mittelfristig Wirkung entfalten sollen:
65 Prozent planen den Aufbau redundanter Strukturen, etwa durch alternative Lieferanten.
59 Prozent wollen ihre Absatzmärkte und Kundenbasis breiter aufstellen.
58 Prozent arbeiten am Aufbau interner Risiko- und Frühwarnsysteme, um künftig schneller reagieren zu können.
Die Ergebnisse zeigen eindrücklich: Der Mittelstand lässt sich von der Dauerkrise nicht lähmen.
(Bild: Allgeier inovar)
Viele Unternehmen nutzen die Situation, um in Effizienz, Digitalisierung und Widerstandskraft zu investieren. Das zeigt nicht nur Weitblick, sondern auch echten Gestaltungswillen.
Appell an das Digitalministerium: Bürokratieabbau hat Vorrang
Auch die Politik ist gefragt, wenn es darum geht, die Resilienz des Mittelstands zu stärken und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Entsprechend hoch sind laut Studie die Erwartungen an das neue Digitalministerium.
Die am häufigsten genannten Prioritäten (Zusammenfassung der Ränge 1 bis 3):
61 Prozent fordern an erster Stelle den Abbau von Bürokratie.
50 Prozent wünschen sich mehr Tempo bei der Digitalisierung, etwa in Behörden, Schulen oder im Gesundheitswesen.
47 Prozent sehen den Ausbau der digitalen Infrastruktur (Breitband, 5G) als besonders dringlich an.
(Bild: Allgeier inovar)
Deutlich wird: Der Wunsch nach pragmatischer und zügiger Umsetzung ist deutlich stärker ausgeprägt als der nach einem verbesserten Zugang zu Förderprogrammen – nur 31 Prozent der Befragten nennen diesen als konkrete Erwartung.
In guten wie in schlechten Zeiten: Dienstleister und Partner in der Verantwortung
Nicht nur die Politik, auch externe Dienstleister und Partner stehen in der Pflicht, gemeinsam mit dem Mittelstand Wege aus der Krise zu finden. Die Anforderungen, die mittelständische Unternehmen an ihre externen Partner stellen, sind hoch (Top-2-Box der Studienergebnisse):
62 Prozent fordern in erster Linie Zuverlässigkeit und Kontinuität in der Leistungserbringung.
58 Prozent wünschen sich eine gemeinsame Zieldefinition – ein Aspekt, den sogar 80 Prozent der Geschäftsführer:innen und CEOs als besonders wichtig erachten.
Ebenfalls 58 Prozent erwarten Verständnis für die aktuellen Herausforderungen.
Mit 51 Prozent am seltensten genannt, aber immer noch auf hohem Niveau: flexible Konditionen und Zahlungsziele.
Der Mittelstand kann viel leisten, aber nicht alles allein. Jetzt braucht es politische Impulse, schlanke Prozesse, eine leistungsfähige digitale Infrastruktur und verlässliche Partner, die mitziehen und Verantwortung übernehmen. Resilienz entsteht durch Zusammenarbeit, Verlässlichkeit und ein gemeinsames Verständnis für die Herausforderungen unserer Zeit.
*Ulrich Zahner ist Geschäftsführer der Allgeier inovar GmbH. Das Unternehmen spezialisiert sich auf die Digitalisierung mittelständischer Unternehmen.
Stand: 08.12.2025
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