Angesichts riesiger Müllberge wächst der Druck auf Hersteller. Deshalb haben zwei mittelständische Unternehmen in einem gemeinsamen Projekt eine Verpackung für Farbkosmetik entwickelt, die funktional, ästhetisch und recyclebar ist. Ein Praxisbeispiel.
Nachhaltige Lösungen sind in der Kosmetik- und Verpackungsindustrie gefragter denn je.
Die Kosmetikbranche ist auf Wachstumskurs: In den vergangenen drei Jahren erreichte sie McKinsey zufolge Wachstumsraten von sieben Prozent, bis 2030 prognostiziert die Unternehmensberatung weltweit ein Wachstum von drei bis fünf Prozent. Mit zunehmendem Produktangebot steigt aber auch der Verpackungsmüll. In den letzten 20 Jahren ist die Pro-Kopf-Menge an Verpackungsmüll in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um 26 Prozent gestiegen und liegt aktuell bei 237 Kilogramm. Das Thema Nachhaltigkeit rückt deshalb mehr in den Fokus, gerade Unternehmen aus der Kosmetik-Branche haben sich mit Blick auf die Verpackungen für ihre Produkte diesem Thema verschrieben: 75 Prozent der Unternehmen wollen laut Statista bei ihren Verpackungen vermehrt auf Kunststoff-Rezyklat und recycelten Karton setzen. Zwei mittelständische Unternehmen aus Bayern setzen dieses Vorhaben gemeinsam in die Tat um.
Wissen teilen und bündeln, so lässt sich das Credo des Projekts beschreiben. Im Ergebnis sollte ein Produkt – in diesem Fall eine nachhaltige Verpackungslösung für Farbkosmetikartikel wie Lippenpflege, Lippenstifte, Blush, Highlighter-Sticks, Jelly-Make-up und Sunsticks – entstehen, das den Anforderungen der Kundschaft entspricht und dem eigenen Anspruch Genüge leistet: eine nachhaltige Verpackung, die vollständig recycelbar ist, dabei aber in Sachen Ästhetik und Funktionalität nichts einbüßt.
Sticks sind als Packmittel in der Kosmetik zwar längst verbreitet und etabliert, nachhaltige Produkte aber sind bislang Mangelware. Auch, weil die Schwierigkeit bei der Entwicklung neuer Verpackungen für Farbkosmetika darin liegt, dass die Materialien nicht einfach gegen Rezyklate oder recycelbare Kunststoffe ausgetauscht werden können – die Verpackung und der Kosmetikartikel als solches reagieren nämlich miteinander. Aus diesem Grund machte es eben wenig Sinn, dass der Verpackungshersteller allein einen nachhaltigen Stick entwickelt; er war zwingend auf das Knowhow des Farbkosmetikproduzenten angewiesen, damit das Gesamtprodukt aus Verpackung und Kosmetikartikel am Ende nicht unbrauchbar wird.
6 wichtige Erkenntnisse aus der Kooperation
1. Wachstumsmarkt Kosmetik: Die Branche wächst kontinuierlich, in Deutschland erreichte der Umsatz dekorativer Kosmetik zuletzt 2,2 Milliarden Euro. 2. Verpackungsmüll als Herausforderung: Mit steigendem Produktangebot nimmt auch der Verpackungsmüll zu, Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. 3. Erfolgsfaktor Kooperation: Die enge Zusammenarbeit von Nele Kosmetik und HK Cosmetic Packaging zeigt, wie Know-how-Bündelung und kurze Entscheidungswege Innovationen beschleunigen. 4. Technische und gestalterische Hürden: Rezeptur und Verpackung müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, und zwar funktional und ästhetisch zugleich. 5. Nachhaltigkeit zahlt sich aus: Verbraucherinnen und Verbraucher fordern zunehmend umweltfreundliche Verpackungen und sind bereit, dafür mehr zu zahlen, aber ohne auf Design und Qualität zu verzichten. 6. Praxis-Tipp für Unternehmen: Offene Kommunikation, flexible Teams und der Mut zum Ausprobieren sind essenziell, um nachhaltige Lösungen effizient zu entwickeln.
Es ist ein Marathon, kein Sprint
Knapp zwei Jahre tüftelten die beiden bayerischen Unternehmen Nele Kosmetik und HK Cosmetic Packaging im kreativen Austausch an einem nachhaltigen Stick, der im Einklang zu der kosmetischen Rezeptur steht. Sie testeten viel spielerisch aus und passten Rezeptur und Verpackung aneinander an. So hat zum Beispiel die Dichtigkeit der Verpackung großen Einfluss auf die Rezeptur. „Bei durchlässigen Materialien entweicht Feuchtigkeit, dichte Stoffe schließen sie ein“, erklärt Miriam Hempel, Teil der Geschäftsleitung von Nele Kosmetik. Entsprechend müssen Rezeptur und Verpackung aufeinander abgestimmt sein. Herausgekommen ist bei dem Projekt eine Verpackungslösung aus PP als Monomaterial, die vollständig in den Recyclingkreislauf zurückgeführt werden kann und so einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks leistet. Und die gleichzeitig die Qualität des Kosmetikprodukts gewährleistet.
Kurze Entscheidungswege führen zum Erfolg
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor waren die kurzen Wege, sowohl räumlich – die Unternehmen trennen nicht mal 100 Kilometer – als auch im übertragenen Sinne die Absprachen betreffend. „Das Entscheidende bei so einer Kooperation ist, die wichtigsten Köpfe direkt miteinander zu verknüpfen und ihnen Entscheidungsgewalt zu geben“, so Hempel. Gerade mittelständische und inhabergeführte Unternehmen spielen hier ihren Trumpf aus, weil die Geschäftsleitung nicht rein strategisch, sondern auch operativ handeln kann und die Entscheidungswege oftmals kurz und unkompliziert sind. „Wichtig ist auch, nichts von Vorneherein als unmöglich auszuschließen“, rät Christian Abicht, Geschäftsführer der HK Cosmetik Packaging GmbH.
Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit waren vor allem das Design und das Handling weitere wichtige Anforderung an das Produkt.
(Bild: NELE Kosmetik GmbH)
Transferdenken und die Kombination aus Experten- und Laienwissen tragen bei Projekten wie diesem ebenfalls zum schnellen Erfolg bei. Designer, Chemiker, Verfahrenstechniker waren ebenso beteiligt wie Mitarbeitende, die zwar wenig Fachwissen, aber viel Erfahrung haben. „Die bringen einen anderen Blick auf die Dinge mit und sorgen so dafür, dass eine Neuentwicklung nicht von vorneherein in eine bestimmte Richtung gedacht wird“, erklärt Hempel. Gegenseitige Kritikfähigkeit und der beidseitige Wille, immer besser werden zu wollen, sind weitere Faktoren. Abicht: „Es gibt auch immer mal Rückschläge, über die man offenen reden sollte, um daraus zu lernen.“
Nachhaltigkeit und Design wichtig für Kaufentscheidung
Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit waren vor allem das Design und das Handling weitere wichtige Anforderung an das Produkt. Schmal und chic sollte der Stick sein, die Kappe bündig abschließen. Denn die Mehrheit der Verbraucher fordert laut der Studie „Sustainable Packaging 2024“ der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zwar, dass Verpackungen umweltfreundlicher produziert werden und sind sogar bereit, mehr für ein Produkt zu bezahlen, wenn es nachhaltig verpackt ist. Sie stellen aber auch hohe Ansprüche an die Optik, gerade bei Kosmetikartikeln: Bei einer Umfrage des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW) gaben 49 Prozent der Befragten an, dass sie sich freuen, wenn die Verpackung im Badezimmer schön aussieht, und dass es mit einer schönen Verpackung einfach mehr Spaß macht, das Produkt zu nutzen. Diese Ansprüche sollte der nachhaltige Stick erfüllen.
Stand: 08.12.2025
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Nicht zuletzt galt es auch verfahrenstechnische Aspekte zu beachten: Für eine neue Verpackung müssen in der Regel auch neue Werkzeuge in der Produktion angeschafft werden – sowohl beim Hersteller der Verpackung als auch beim Kosmetikhersteller, der seine Rezeptur abfüllt. Damit sich die Investitionen lohnen, muss die Abfüllung so effizient wie möglich erfolgen, woraus sich wiederum Anforderungen an die Gestaltung der Verpackung und die Zusammensetzung der Rezeptur ergaben.
Fazit: Erfolg durch Zusammenarbeit
Nachhaltige Lösungen sind in der Kosmetik- und Verpackungsindustrie gefragter denn je. Ein gelungenes Beispiel liefert die Kooperation der bayerischen Unternehmen Nele Kosmetik und HK Cosmetic Packaging, die gemeinsam eine recycelbare Verpackung für Farbkosmetikprodukte entwickelt haben. Der Schlüssel zum Erfolg lag in der engen Zusammenarbeit, kurzen Entscheidungswegen und dem gegenseitigen Austausch von Knowhow.
*Julia Kowal arbeitet als freie Redakteurin für Wordfinder PR. NELE Kosmetik produziert und entwickelt Kosmetikprodukte für B2B Partner in der Farbkosmetik. Die HK COSMETIC PACKAGING mit Sitz in Creidlitz, ist spezialisiert auf innovative Kunststoffverpackungen für internationale Kunden hauptsächlich aus der Kosmetikbranche.