Expertenbeitrag

 Yannick Fasters

Yannick Fasters

Agiler Projektmanager, thyssenkrupp Materials Services GmbH

Expertenbeitrag: KI im Content Marketing Raus aus dem „Uncanny Valley“ – 3 Regeln zu KI im Content Marketing

Von Yannick Fasters 4 min Lesedauer

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Immer mehr Unternehmen setzen bei der Erstellung von Inhalten auf Künstliche Intelligenz (KI). Aktuelle Studien prognostizieren hier hohe Produktivitätssteigerungen. Ist KI im Content Marketing für Sie noch ein „Uncanny Valley“? In diesem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Welt der KI.

Für viele noch ein „unheimliches Tal“ – hier finden Sie Regeln für KI-gestützte Content Erstellung.(Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
Für viele noch ein „unheimliches Tal“ – hier finden Sie Regeln für KI-gestützte Content Erstellung.
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

Seit dem Durchbruch von ChatGPT vor einem Jahr beschäftigt das Thema künstliche Intelligenz die Welt. Marketer haben schnell die Potenziale erkannt und viele von uns nutzen ChatGPT und Co. bereits im privaten und beruflichen Alltag. Der Produktivitätszuwachs wird dabei in verschiedenen Studien von neun Prozent (McKinsey) bis hin zu ganzen 35 Prozent (MIT) eingeschätzt. Damit ist sicher: Der Output steigt aktuell und es ist keine Trendwende in Sicht.

Produktivität versus Qualität

Gleichzeitig sinkt die Reichweite vieler LinkedIn Profile mindestens ebenso stark – ein Zufall? Hier kommt eine entscheidende Frage ins Spiel: Was würden Sie tun, wenn Sie erkennen, dass ein Text offensichtlich von einer KI geschrieben wurde? Einfach nicht weiterlesen?

Dann beruht die Antwort wahrscheinlich auf einer simplen Gleichung: Wenn Sie mir Ihre Zeit schenken und meinen Beitrag lesen, dann wollen Sie im Gegenzug auch meine ehrliche Mühe im Text wiedererkennen. Eine Überschrift, die zum Beispiel durch zwei Emojis am Anfang und am Ende leicht als Produkt von ChatGPT zu erkennen ist, zeigt genau das Gegenteil.

Textleichen und „Content-Zombies“: Das „Uncanny Valley“ oder die Zone der Ablehnung

Das „Uncanny Valley“ ist ein Konzept aus der Robotik-Forschung. Im Jahr 1970 bemerkte der japanische Forscher Masahiro Mori ein Phänomen bei der Entwicklung menschenähnlicher Roboter: Bis zu einem bestimmten Ausmaß der Ähnlichkeit zu echten Menschen stießen die entwickelten Roboter auf positive Resonanz. Ab einem gewissen Grad der Realitätsnähe begannen die Menschen jedoch, humanoide Roboter und menschliche Nachbildungen wie Prothesen abzulehnen.

Ein unangenehmes Gefühl der Unsicherheit breitete sich aus. Der Grund dafür war, dass die Menschen die Nachbildungen nur schwer von echten Dingen unterscheiden konnten, sie aber dennoch als Fälschungen erkannten. Erst wenn die Nachbildungen nicht mehr vom echten Menschen zu unterscheiden sind, löst sich dieses Gefühl des Unbehagens wieder auf.

Ähnlich ist es auch beim Verhältnis zwischen echtem und KI-generiertem Content. Während das „Uncanny Valley“ eher bei KI generierten Bildern oder noch wesentlich stärker bei Chatbots und virtuellen Influencern entsteht, kann man bei Texten von einer „Zone der Ablehnung“ sprechen.

Grafisch veranschaulicht: Das „Uncanny Valley“ Phänomen in Bezug auf KI-basiertes Content Marketing.(Bild:  Yannick Fasters)
Grafisch veranschaulicht: Das „Uncanny Valley“ Phänomen in Bezug auf KI-basiertes Content Marketing.
(Bild: Yannick Fasters)

Die Grafik zeigt das gleiche Muster: KI-generierte Texte sind zwar fehlerfrei, oft sachlich richtig und in einem konsistenten Stil geschrieben, aber wir erkennen sie trotzdem und lehnen sie deshalb ab. Diese Texte fallen in ein ähnlich tiefes Tal, weil dem Leser klar ist, dass sie von einer KI und nicht von einem Menschen stammen, obwohl alles vollkommen richtig ist.

Erst wenn künstliche Intelligenz in der Lage ist, Texte zu schreiben, die von menschlichen Ergebnissen nicht mehr zu unterscheiden sind, werden wir sie wieder mit Interesse lesen. Daher heißt es vorerst:

Menschen bleiben unersetzbar

GPT-Modelle (Generative Pre-Trained Transformer) handeln genau ihrem Namen entsprechend. Sie transformieren bereits vorhandene Texte und ordnen dabei die Wörter nach Wahrscheinlichkeiten. Das Ergebnis ist, dass alles, was enthalten ist, schon einmal gesagt wurde und daher meist unspektakulär bleibt. Das ist manchmal ganz in Ordnung – wenn es gewollt ist, zum Beispiel bei Zusammenfassungen von Fachliteratur.

Aus dem Vergleich mit dem „Uncanny Valley“ können wir aber noch etwas anderes lernen: Solange KI nicht in der Lage ist, den Menschen vollständig zu imitieren, wird kreatives Handeln immer eine einzigartige Fähigkeit des Menschen bleiben und es ist unsere Aufgabe als Marketer, unsere Inhalte menschlich aussehen zu lassen.

Doch wie können wir in der Zwischenzeit die Vorteile von KI nutzen, ohne redundante Inhalte zu produzieren, die schlecht performen werden?

Die folgenden 3 Grundregeln zum erfolgreichen Einsatz von KI geben Aufschluss darüber:

Regel 1:Nehmen Sie die Sache ernst und wählen Sie die passenden Werkzeuge

ChatGPT in der frei verfügbaren Basisversion kann für einfache Aufgaben wie Zusammenfassungen und Listenerstellung gute Ergebnisse liefern. Der mittlerweile zwei Jahre alte Datensatz ist jedoch veraltet und liefert daher vor allem bei neueren Publikationen keine gute Ergebnisqualität mehr. Nehmen Sie die Sache also ernst und investieren Sie in die kostenpflichtige Version oder setzen Sie gleich auf spezialisierte KI-Tools wie copy.ai (für das Schreiben von Texten). Das Gleiche gilt für Ihren Zeitaufwand – Content Produktion mit KI geht nicht zwischen Tür und Angel. Daraus ergibt sich folgerichtig Regel 2.

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Regel 2: Betreiben Sie Prompt Engineering

Prompt Engineering beschreibt das systematische Testen und Evaluieren verschiedener Anweisungen für das KI-Tool Ihrer Wahl. Benutzen Sie verschiedene Formulierungen bezüglich des Sprachstils, der Tonalität oder bestimmter Persönlichkeiten, welche die KI verwenden soll, und vergleichen Sie die Ergebnisse. Klar ist: Das kostet Zeit! Als Marketer haben Sie hier einen Vorteil gegenüber anderen Berufsgruppen. Sie verfügen bereits über Methodenkompetenz aus A/B-Tests und können daher Ihre Skills und Learnings übertragen.

Regel 3: Denken Sie in Prozessen

Strukturelle Ansätze sind wichtig, um Skalierbarkeit zu erreichen. Investieren Sie daher auch Zeit und Ressourcen in den Aufbau stringenter Prozesse. Fangen Sie simpel an: „Research. Review. Rewrite.“. Durch diesen Ansatz können Sie die Stärken von KI nutzen, um in der Recherche-Phase Zeit zu sparen und mit dem Review Prozess durch eine fachkundige Person stellen Sie die Richtigkeit der Inhalte sicher. Nun können Sie den Text stilistisch umschreiben, um die Zone der Ablehnung zu vermeiden – ob mit oder ohne künstliche Intelligenz, das bleibt Ihnen überlassen.

Keine Macht den Content-Zombies

Wenn Sie diese drei Grundregeln anwenden, können Sie sicher sein, dass sie die Vorteile von künstlicher Intelligenz im Content Marketing nutzen, ohne dabei einen Haufen “Content Zombies“ herzustellen. Probieren Sie es aus!

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