Barrierefreies E-Mail-Marketing Weshalb auch B2B Unternehmen jetzt handeln sollten

Ein Gastbeitrag von Sven Kummer* 4 min Lesedauer

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Seit dem 28. Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) zahlreiche B2C Unternehmen in Deutschland, ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten. Für B2B ist es vor allem eines: die große Chance sich vom Wettbewerb abzuheben.

Barrierefreies E-Mail-Marketing ist nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern erschließt aktiv neue Zielgruppen (Bild:  Canva / KI-generiert)
Barrierefreies E-Mail-Marketing ist nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern erschließt aktiv neue Zielgruppen
(Bild: Canva / KI-generiert)

Für viele B2C-orientierte Firmen und auch für den Mittelstand ist das BFSG mehr als nur ein rechtliches Thema – es wird zu einem Modell, das künftig über den entscheidenden Erfolg gegenüber dem Wettbewerb entscheiden könnte. Wer im B2B frühzeitig auf digitale Barrierefreiheit setzt, verbessert nicht nur die eigene Reichweite und Kundenzufriedenheit, sondern positioniert sich auch als zukunftsorientiertes Unternehmen.

Ein Internet für alle

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, kurz BFSG, legt in Deutschland die Barrierefreiheitsanforderungen für einige Produkte und Dienstleistungen fest, sodass diese auch für Menschen mit Behinderungen uneingeschränkt nutzbar sind.

Zu denken ist dabei an blinde, seh- oder hörbeeinträchtigte Menschen sowie Menschen mit kognitiven oder feinmotorischen Einschränkungen. Mit Inkrafttreten des BFSG am 28. Juni 2025 sind viele Unternehmen dazu verpflichtet, bestimmte digitale Angebote, die ab diesem Zeitpunkt auf den Markt kommen, barrierefrei zu gestalten. Besonders Websites, mobile Apps, digitale Benutzeroberflächen oder E-Commerce-Plattformen stehen im Fokus des Gesetzgebers.

Für folgende Unternehmen ist die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben verpflichtend:

  • Private B2C Unternehmen ab zehn Mitarbeitenden oder einem Jahresumsatz von über 2 Mio. Euro (hier gibt es auch Ausnahmen)
  • Unternehmen, die Produkte wie Terminals oder Geldautomaten bereitstellen
  • und/oder digitale Dienstleistungen wie Online-Shops, Apps, Bankanwendungen oder E-Book-Reader anbieten.

Drei Vorteile von barrierefreien Newslettern.(Bild:  rapidmail)
Drei Vorteile von barrierefreien Newslettern.
(Bild: rapidmail)

E-Mail-Marketing und das BFSG

Obwohl E-Mail-Marketing zum Zeitpunkt der Einführung des BFSG im Juni 2025 nicht explizit vom BFSG erfasst wird, sollten Marketingverantwortliche diesen Kanal in ihre Barrierefreiheitsstrategie integrieren. Denn barrierefreies E-Mail-Marketing ist nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern erschließt aktiv neue Zielgruppen – ein Wettbewerbsvorteil, den viele Unternehmen aktuell noch nicht nutzen.

In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt über 10 Millionen Menschen mit anerkannten Beeinträchtigungen. Zählt man Personen mit altersbedingten oder vorübergehenden Einschränkungen hinzu, wird deutlich: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung kann durch nicht-barrierefreie digitale Kommunikation ausgeschlossen werden. Gerade im E-Mail-Marketing führt das zu Streuverlusten und verpassten Kundenpotenzialen.

Barrierefreies Mailing – auch für Entscheider

Barrierefreie Newsletter kommen zudem allen Empfängern zugute. Klare Sprache, gute Lesbarkeit und eine intuitive Struktur erleichtern es z. B. auch vielbeschäftigten Entscheidern, Informationen schnell zu erfassen.

Ein weiteres Argument: Die regulatorische Entwicklung rund um das BFSG ist dynamisch. Unternehmen, die heute schon barrierefreie Standards im E-Mail-Marketing umsetzen, sind auf mögliche zukünftige Anpassungen bestens vorbereitet.

Die gute Nachricht: Barrierefreie Newsletter lassen sich mit überschaubarem Aufwand realisieren – auch für mittelständische Unternehmen ohne große Marketingabteilungen.

In der Praxis umgesetzt:

Entscheidend für die Umsetzung ist eine geeignete Newsletter-Software, die Barrierefreiheitsanforderungen unterstützt und sich intuitiv bedienen lässt. Vergleichsportale wie OMR Reviews können bei der Suche nach dem passenden Newsletter-Tool helfen.

Diese Best Practices helfen Marketingteams:

  • Vermeiden Sie Fachjargon und komplexe Satzstrukturen. Das erhöht die Verständlichkeit für alle Empfänger – insbesondere für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder geringerer Lesekompetenz.
    Kompliziert: „Unser innovatives SaaS-Tool ermöglicht eine synergetische Prozessoptimierung in der Supply Chain.“
    Besser: „Unsere Software hilft Ihnen, Lieferketten schneller und einfacher zu steuern.“
    Auch Abkürzungen können für viele Menschen ein Hindernis darstellen und sollten ebenso wie komplizierte Fachbegriffe vermieden werden.

Aussagekräftige Betreffzeilen formulieren:

  • Der Betreff entscheidet maßgeblich über die Öffnungsrate. Barrierefreie Betreffzeilen sind konkret, leicht verständlich und vermeiden generische Angaben wie „Newsletter Oktober 2025“.
    Unklar:„Newsletter Oktober 2025“
    Besser: „So automatisieren Sie Ihren Vertriebsprozess in 3 Schritten“
    So wird bereits auf den ersten Blick deutlich, worum es geht. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Newsletter-Öffnungsrate aus.

Bilder immer mit Alternativtexten versehen

Menschen, die Bildschirmleseprogramme, sogenannte „Screenreader“ nutzen, können Bilder nicht sehen. Deshalb ist es wichtig, jedem Bild einen Alternativtext (auch „Alt-Tag” genannt) zuzuweisen. Dieser beschreibt in wenigen Worten, was auf dem Bild zu sehen ist. Auch grafische Buttons oder Icons sollten Alternativtexte erhalten, die ihre Funktion erklären.

Lesbarkeit und Kontraste optimieren

Barrierefreie Newsletter müssen gut lesbar sein. Vermeiden Sie also Farbkombinationen, die nur schwer zu erkennen sind, zum Beispiel hellgraue Schrift auf weißem Hintergrund. Solche Kontraste wirken zwar oft modern, sind aber schwer lesbar. Besser ist ein hoher Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund, z. B. schwarzer oder dunkelgrauer Text auf weißem Untergrund. Außerdem sollte die Schriftgröße sämtlicher Newsletter-Texte mindestens 14 Pixel betragen. Das macht das Lesen vor allem für Menschen mit Sehschwäche oder auf kleinen Bildschirmen deutlich angenehmer.

Diese Maßnahmen helfen Menschen mit Sehbehinderungen oder Farbenfehlsichtigkeit und sorgen auch bei mobiler Nutzung für bessere Lesbarkeit.

Klare Struktur und übersichtliche Gestaltung

Ein klar gegliederter Aufbau mit Zwischenüberschriften, Absätzen und Listen hilft Menschen, die Screenreader nutzen, den Inhalt besser zu erfassen. Tabellen sollten nur dann genutzt werden, wenn sie für die inhaltliche Struktur notwendig sind.

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So geht barrierefreies E-Mail-Marketing.(Bild:  rapidmail)
So geht barrierefreies E-Mail-Marketing.
(Bild: rapidmail)

Fazit: Barrierefreiheit ist ein Must-have

Auch wenn das BFSG E-Mail-Marketing derzeit nicht explizit regelt, sollten auch B2B Unternehmen die Chance nutzen, ihre Newsletter barrierefrei zu gestalten. Die Investition ist gering, der Nutzen groß: Eine größere Reichweite, höhere Kundenbindung, bessere Nutzererlebnisse und eine zukunftssichere Positionierung im Markt. Gerade für B2B Marketingverantwortliche im Mittelstand ergibt sich hier die Möglichkeit, sich proaktiv mit den Anforderungen der digitalen Barrierefreiheit auseinanderzusetzen – bevor der Gesetzgeber diese eines Tages auch für E-Mail-Marketing verbindlich vorschreibt.

*Sven Kummer ist Gründer und Geschäftsführer des 2008 in Freiburg gegründeten SaaS-Unternehmens rapidmail. Seine Vision ist es, Unternehmen jeder Größe in einer schnelllebigen digitalen Welt dabei zu helfen, erfolgreich zu sein.

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