Barrierefreiheit wird für viele B2C Unternehmen bald gesetzlich vorgeschrieben sein – aber auch B2B Marketer können von einer barrierefreien Website profitieren. Klare Navigation, zugängliche Inhalte und optimierte Strukturen verbessern nicht nur das Nutzererlebnis, sondern auch Ihr Google-Ranking. Was dabei zu beachten ist und praktische Tipps zur Umsetzung!
Ein barrierefreies Webdesign bietet B2B Unternehmen die Chance, sich als innovativer und zugänglicher Partner zu positionieren.
(Bild: Unsplash)
Barrierefreiheit beginnt nicht bei Rollstuhlrampen – und hört dort auch nicht auf. Digitale Barrierefreiheit wird oft übersehen, doch sie betrifft uns alle. Vielleicht scheitert gerade jetzt jemand daran, Ihre Website oder Ihren Online-Shop zu nutzen – und Sie merken es nicht einmal. Wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, zeigt eine aktuelle Studie der Contentsquare Foundation.
In einer Analyse der 100 meistbesuchten Websites in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, dem Vereinigten Königreich und den USA offenbarte die Studie deutliche Schwächen in der digitalen Barrierefreiheit. Besonders überraschend: E-Commerce-Seiten schnitten mit durchschnittlich nur 5,4 von 10 Punkten am schlechtesten ab – hinter Banken, Medien und öffentlichen Einrichtungen. Das ist alarmierend, denn gerade im E-Commerce ist Barrierefreiheit ein nachweislicher Umsatztreiber und ein Hebel für Kundenbindung.
Die Botschaft für Marketer – auch im B2B Bereich – ist klar: Digitale Barrierefreiheit ist kein Nischenthema, sondern ein Wettbewerbsvorteil.
Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: Verpflichtung mit Potenzial
Zusätzlich wird ab dem 28. Juni 2025 Barrierefreiheit in Deutschland nicht nur für viele B2C Unternehmen gesetzlich verpflichtend, sondern auch für B2B Akteure eine klare Chance, sich frühzeitig zu positionieren. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt verbindliche Standards, um Produkte und Dienstleistungen für alle Menschen – insbesondere für Personen mit Beeinträchtigungen – zugänglich zu machen.
Zwar richtet sich das Gesetz vorrangig an den B2C Bereich, doch auch B2B Unternehmen profitieren von der Integration barrierefreier Lösungen: Eine barrierefreie Website ist besser auffindbar, bietet eine herausragende Nutzererfahrung und stärkt das Markenimage.
Was bedeutet das BFSG konkret?
• Verpflichtung: Produkte und Dienstleistungen müssen barrierefrei gestaltet sein, soweit sie in den Anwendungsbereich fallen.
• Rechtsgrundlage: Das Gesetz basiert auf der EU-Richtlinie 2019/882 (European Accessibility Act) und wurde 2021 verabschiedet.
• Start: Ab dem 28. Juni 2025 gelten die Regelungen verbindlich.
• Ergänzend: Detaillierte Vorgaben wurden 2022 durch eine Rechtsverordnung konkretisiert.
Wer profitiert von digitaler Barrierefreiheit?
Barrierefreiheit mag auf den ersten Blick für viele Marketer wie eine Pflichtaufgabe erscheinen, doch sie bringt weitreichende Vorteile mit sich – für Nutzer ebenso wie für Unternehmen. Sie eröffnet den digitalen Raum für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Das ist auch für B2B Unternehmen nicht uninteressant.
Menschen mit eingeschränkter Mobilität: Barrierefreie Navigation und Tastaturbedienbarkeit verbessern die Zugänglichkeit.
Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen: Alt-Texte, Transkripte und screenreader-freundliche Strukturen helfen Blinden, Sehbehinderten und Gehörlosen.
Menschen mit kognitiven Einschränkungen: Einfache Sprache und klare Strukturen erleichtern die Nutzung.
Menschen mit temporären Einschränkungen: Auch Verletzungen oder Krankheiten machen alternative Navigation und Zugänglichkeit essenziell.
Unternehmen, die Barrierefreiheit ernst nehmen, schaffen nicht nur bessere Erlebnisse für Nutzer. Sie stärken ihr Markenimage, erschließen neue Zielgruppen und gewinnen dabei messbare Vorteile – etwa durch bessere Rankings in Suchmaschinen. Denn Barrierefreiheit und SEO gehen Hand in Hand.
Warum Barrierefreiheit und SEO untrennbar verbunden sind
Aber warum ist das so? Barrierefreiheit ist nicht nur gut für Ihre Nutzer, sondern auch für Ihr Ranking. Denn dadurch kann der Google-Bot Ihre Seite besser und einfacher crawlen, also bewerten.
Warum die Barrierefreiheit gut für Ihr Ranking ist:
1. Erreichbarkeit für alle Barrierefreie Inhalte sind zugänglich für Menschen mit Einschränkungen – und Suchmaschinen. So wird etwa durch die Nutzung von Alt-Attributen bei Bildern oder Link-Titles die Erreichbarkeit Ihrer Inhalte verbessert. Diese Maßnahmen helfen Suchmaschinen, Ihre Seiten besser zu verstehen und relevanter einzuordnen.
2. Technische Grundlagen für besseres Ranking Suchmaschinen bewerten Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal. Maßnahmen wie die Nutzung strukturierter Inhalte, korrekte HTML-Semantik oder optimierte Ladezeiten zahlen direkt auf Ihre SEO-Performance ein.
3. Verbesserte Nutzererfahrung Barrierefreie Seiten sind oft übersichtlicher, intuitiver und schneller. Das führt zu einer höheren Verweildauer und geringeren Absprungraten – beides wichtige Faktoren für ein besseres Google-Ranking.
Kurz gesagt: Barrierefreiheit ist nicht nur ein Gewinn für die Nutzerfreundlichkeit, sondern auch für Ihre Online-Sichtbarkeit.
Tipps zur Optimierung von Barrierefreiheit für SEO
Aber wie lässt sich digitale Barrierefreiheit gezielt umsetzen – insbesondere im B2B Bereich, wo die Anforderungen oft von internationalen Zielgruppen oder komplexen Geschäftsmodellen geprägt sind? Die folgenden Maßnahmen helfen Ihnen, Ihre Website oder Online-Shop barrierefrei und gleichzeitig suchmaschinenfreundlich zu gestalten. So profitieren nicht nur Ihre Nutzer, sondern auch Ihr Unternehmen.
1. Alt-Attribute und Bildbeschreibungen: Produktdetails für alle sichtbar machen
Bilder spielen auch im B2B Bereich, beispielsweise bei der Darstellung komplexer Maschinen oder Dienstleistungen, eine große Rolle. Sie schmücken nicht nur die Website aus, sondern liefern häufig wertvolle Informationen zu den Produkten. Genau da kommen Alt-Attribute ins Spiel.
Warum Alt-Texte wichtig sind:
Alt-Attribute werden von Screenreadern vorgelesen und ermöglichen es auch sehbehinderten Nutzern, die Bedeutung eines Bildes zu erfassen. Suchmaschinen indexieren Alt-Texte ebenfalls, was Ihre Produkte und Dienstleistungen in der Google Bildersuche, der zweitgrößten Suchmaschine der Welt, sichtbarer macht.
Best Practices für Alt-Texte:
Beschreiben Sie präzise die Funktion des abgebildeten Produkts oder die Aussage des Bildes.
Beispiel: Statt „Industriedrucker X350“ könnte der Alt-Text lauten: „Industrie-3D-Drucker der Modellreihe X350 für Metallverarbeitung.“
Vermeiden Sie zu generische Beschreibungen wie „Produktbild“.
Fügen Sie bei technischen Produkten relevante Details wie Modellnummern oder Anwendungen hinzu.
2. Link-Titles: Präzise und ansprechend
Weiterführende Links sind unverzichtbar, um Nutzern Orientierung und Zugang zu zusätzlichen Inhalten zu bieten. Dabei spielen präzise und ansprechende Link-Titles eine zentrale Rolle – sowohl für eine optimale Nutzerführung als auch für die Barrierefreiheit.
Stand: 08.12.2025
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Was bringen Link-Titles?
Sie geben Nutzern und Suchmaschinen eine klare Vorstellung davon, wohin ein Link führt. Dies ist besonders nützlich bei umfangreichen Websites mit vielen Produkt- oder Kategorieseiten. Wenn Sie mit der Maus über einen Link fahren, erscheint ein Text. Dies ist der Link-Title.
Tipps zur Umsetzung:
Verwenden Sie sprechende Linktexte. Statt „Mehr erfahren“ könnte der Text lauten: „Mehr Infos zum Industrie-3D-Drucker der Modellreihe X350 für Metallverarbeitung“.
Am besten inkludieren Sie in den Link-Title gleich das Fokuskeyword der jeweils verlinkten Seite.
Call-to-Actions (CTAs) sind auch für Barrierefreiheit wichtig. Denn Buttons sollten nicht nur über eine aussagekräftige Farbe verfügen, sondern auch der Text darauf deutlich erkennbar sein.
Warum sind CTAs wichtig?
User müssen zu einer bestimmten Handlung geführt beziehungsweise geleitet werden. Da kommen CTAs ins Spiel. Sie sind ein probates Mittel, um die Conversions auf einer Seite zu steigern.
Tipps zur barrierefreien Umsetzung:
Ein Button mit der Aufschrift „Demo anfragen“ ist besser als nur ein Symbol oder farbiger Button ohne Text.
Gleichzeitig darf der Link-Title des Buttons aber nicht vergessen werden. Wählen Sie hierfür eine prägnante Aussage, wie zum Beispiel: „Zum Kontaktformular”.
4. Struktur und Lesbarkeit: Technische Inhalte verständlich machen
Gut strukturierte Inhalte sind im B2B-, wie auch im B2C Bereich wichtig, da sie Ihren Nutzern helfen sich auf der Seite zurecht zu finden. Zentral sind dabei die Verwendung einer Überschriftenhierarchie, sowie auch von Listen.
Überschriften richtig nutzen:
Gliedern Sie Inhalte klar mit H1 bis H6, um Ihren Seiten Struktur zu geben. Eine H1 sollte den Hauptzweck der Seite beschreiben, während H2 und H3 tiefer in die Details gehen.
Beispiel: H1: „Lösungen für die Logistikbranche“ → H2: „Automatisierte Lagerverwaltung“ → H3: „Vorteile für KMU.“
Listen für mehr Übersicht: Verwenden Sie nummerierte oder unnummerierte Listen, um Prozessschritte oder Vorteile darzustellen.
Mobile Accessibility: Achten Sie darauf, dass komplexe Tabellen oder Diagramme auch auf mobilen Geräten nutzbar sind, zum Beispiel durch Scroll-Optionen oder Zoom-Funktionen.
5. Farbkontraste und visuelle Zugänglichkeit: Informationsvermittlung optimieren
Besonders in technischen Umfeldern sind Grafiken, Diagramme und visuelle Darstellungen oft mit vielen Details versehen. Damit diese Inhalte für alle Nutzer zugänglich sind, sollten Farbkontraste sorgfältig optimiert werden. Ein ausreichender Kontrast sorgt dafür, dass Informationen auch bei eingeschränkter Sehfähigkeit oder auf weniger hochwertigen Displays klar erkennbar bleiben.
Warum Kontraste wichtig sind:
Texte und Diagramme mit zu geringem Kontrast sind schwer zu erfassen, besonders bei Präsentationen komplexer Daten. Ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 ist ideal.
Tools und Tipps:
Verwenden Sie Tools wie Color Contrast Checker, um Farben, Diagramme und Inhalte zu optimieren.
Fügen Sie Beschriftungen in Diagrammen hinzu, die farbcodierte Daten zusätzlich erklären.
Beispiel: Statt nur grüne Balken für „Umsatzsteigerung“ anzuzeigen, ergänzen Sie eine Beschriftung wie „+15 % Umsatz in Q3 2024.“
6. Audiovisuelle Inhalte und Transkripte: Barrierefreie Präsentationstechnologie
Videos und andere audiovisuelle Formate spielen eine zentrale Rolle im digitalen Marketing – sei es für Produktvorstellungen, Tutorials oder Schulungen. Doch auch hier ist Barrierefreiheit essenziell, um alle Zielgruppen zu erreichen.
Untertitel für Videos:
Stellen Sie Untertitel in der Sprache des Videos bereit. Sie unterstützen nicht nur Gehörlose, sondern auch Nutzer, die Inhalte in lauten Büroumgebungen ansehen.
Ergänzen Sie Videos bei Bedarf mit einer schriftlichen Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte.
Beispiel: Bei einem Video über eine neue Software-Lösung könnten die Key Features stichpunktartig zusammengefasst werden.
Sollten Sie Schulungsvideos haben, so erweitern Sie diese auch um strukturierte Daten. Netter Nebeneffekt: User können dann direkt in wichtige Kapitel springen.
Transkripte für Audioinhalte:
Podcasts oder Webinare sollten mit Transkripten ergänzt werden, die wichtige Fachbegriffe und Details enthalten. Diese Texte werden von Suchmaschinen indexiert und erhöhen wiederum die Auffindbarkeit.
Fazit: Win-Win-Situation für Mensch und Marketing
Barrierefreies Webdesign und Inhalte sind weit mehr als eine gesetzliche Pflicht – sie sind eine Chance, sich als innovativer und zugänglicher Partner im B2B Umfeld zu positionieren. Eine barrierefreie Website erfüllt nicht nur die Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes, sondern bildet die Basis für bessere Rankings in Suchmaschinen und optimiert die Nutzererfahrung.
Für B2B Marketer bedeutet das: Sie erschließen neue Zielgruppen, stärken die Kundenbindung und zeigen, dass Ihr Unternehmen nicht nur an Compliance denkt, sondern auch an echte Mehrwerte für alle Nutzer. Eine zugängliche Website signalisiert Professionalität und Weitsicht – Eigenschaften, die in der Geschäftswelt entscheidend sind.
Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Website barrierefrei und suchmaschinenfreundlich zu gestalten. Werden Sie sichtbar für alle und profitieren Sie von den Vorteilen, die Barrierefreiheit für Reichweite, Kundenzufriedenheit und Markenwahrnehmung im B2B Bereich bietet.