E-Mail-Zustellbarkeit Wie B2B Unternehmen den unsichtbaren Kontrollverlust abwenden

Ein Gastbeitrag von Matthias Mehner* 3 min Lesedauer

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Die E-Mail ist nicht nur ein Kommunikationsmittel – sie ist Teil der geschäftskritischen Infrastruktur. Täglich werden Milliarden E-Mails versendet. Dabei billigen europäische Unternehmen, besonders in Deutschland, Zustellfehler, regulatorische Fallstricke und Reputationsrisiken. Das muss sich ändern.

Täglich werden Milliarden E-Mails versendet. Dabei passieren allzu häufig Zustellfehler, regulatorische Fallstricke und Reputationsrisiken.(Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
Täglich werden Milliarden E-Mails versendet. Dabei passieren allzu häufig Zustellfehler, regulatorische Fallstricke und Reputationsrisiken.
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

Ein aktueller Bericht von Sinch Mailjet zeigt das Dilemma deutlich: Über 30 Prozent der Unternehmen im DACH-Raum kennen die aktualisierten Bulk-Mail-Richtlinien von Google, Yahoo und Microsoft nicht. In Europa gilt das sogar für über 41 Prozent der Befragten.

Und es geht nicht nur ums Marketing. In Branchen, in denen Vertrauen das A und O ist, können solche Aussetzer den gesamten Betrieb beeinträchtigen. Wenn eine Nachricht nicht ankommt, weil ein Algorithmus sie aussortiert, ist der Schaden oft unsichtbar – aber real.

System-Chaos statt Strategie

Ein Dauerbrenner bei größeren Unternehmen: Fragmentierung. Teams arbeiten mit Tools, die lokal gut funktionieren, aber nicht mit zentralen Prozessen abgestimmt sind. Das Ergebnis? Ein Flickenteppich aus Systemen ohne einheitliche Standards für Steuerung, Datensicherheit oder Reporting.

Wenn nun die „Gatekeeper“ strengere Regeln durchsetzen – wie verifizierte Absender-Domains, Spam-Grenzen oder klare Opt-out-Prozesse – wird das zum echten Problem. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus organisatorischem Chaos.

Unsere Umfrage hat gezeigt, dass mehr als 60 Prozent der europäischen Unternehmen, darunter 45 Prozent der deutschen Firmen, nicht wissen, warum ihre Mails bouncen – oder keine Werkzeuge nutzen, um die Ursachen zu analysieren.

Warum B2B Marketer jetzt aufwachen sollten - ein Beispiel

Besonders relevant ist das für B2B Unternehmen: Industrie, Logistik, Engineering, Infrastruktur. Hier ist E-Mail kein „Nice-to-have“, sondern ein kritischer Bestandteil von Kundenkommunikation, Partneraustausch und Compliance. Fehler? Nicht drin.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Sinch-Kunde, eine internationale Kommunikationsagentur, hat seine E-Mail-Strategie in über 40 Märkten umgekrempelt. Vorher: dezentrale Tools, inkonsistente Zustellung, wildes Reporting, keine einheitlichen Standards. Nachher: Eine gemeinsame Infrastruktur, zentrale Steuerung, eigene Subdomains pro Land. Ergebnis: Verdopplung des Versandvolumens, Zustellrate auf 90 Prozent, überdurchschnittliche Engagement-Raten.

Der Clou? Nicht nur die richtigen Werkzeuge, sondern eine Struktur, die globale Kontrolle mit lokaler Flexibilität vereint. Und ein Verständnis für regionale Regularien. Subdomain-Splitting erlaubt lokalen Teams, ihren eigenen Ruf als Versender aufzubauen – ohne das Vertrauen in die Hauptdomain zu riskieren.

Compliance = Performance

Zustellbarkeit hat sich weiterentwickelt. Heute geht es nicht mehr nur um Content oder Timing, sondern um Regelkonformität. Moderne Spamfilter schauen aufs Verhalten. Hohe Bounce-Raten, schlechte Pflege von Kontaktlisten, fehlende SPF/DKIM-Einträge? Alarmstufe Rot.

Sprich: Ohne saubere Infrastruktur und professionelles Kontaktlisten-Management hilft der schönste Content nichts. Trotzdem wenden knapp 70 Prozent der befragten europäischen Unternehmen – in Deutschland sogar 74 Prozent – keine sogenannten „Sunset Policies“ an. Also Regeln, um inaktive Kontakte auszusortieren.

Und: Die meisten kennen ihren Sender Score nicht. Dabei geben Tools wie Google Postmaster glasklare Einblicke, ob man als vertrauenswürdiger Absender gilt oder als Nervensäge. Wer das nicht trackt, fliegt blind – in einem Luftraum voller Vorschriften.

Was jetzt zu tun ist

E-Mail ist für B2B Unternehmen kein Marketing-Add-on. Sie ist ein strategischer Hebel. Mit zunehmender Regulierung und algorithmischer Kontrolle gewinnen die, die E-Mail-Zustellbarkeit als unternehmerische Pflicht begreifen.

Die Zeit zu handeln ist jetzt. Wer zögert, verliert: Engagement, Umsatz, Vertrauen. Wer dagegen seine Strategie systematisiert, in Infrastruktur investiert und auf Datenhygiene achtet, kann skalieren, mithalten – und vorneweg gehen.

Denn in einer Welt, in der Aufmerksamkeit knapp und Vertrauen fragil ist, reicht es nicht, im Posteingang zu landen. Man muss auch drin bleiben.

*Matthias Mehner ist Vice President Marketing bei Sinch Mailjet und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in Markenführung und digitalem Marketing.

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