„Digitale Dividende im Mittelstand“

Wie digital ist der deutsche Mittelstand?

| Autor / Redakteur: Stefan Meyer-Spickenagel / Georgina Bott

Wie digital ist der Mittelstand? Die Studie „Digitale Dividende im Mittelstand“ gibt die Antwort.
Wie digital ist der Mittelstand? Die Studie „Digitale Dividende im Mittelstand“ gibt die Antwort. (Bild: Rawpixel Ltd.)

Es ist zu einem Buzzword unserer Zeit geworden: Digitalisierung. Egal ob kleiner Familienbetrieb oder Großkonzern, möglichst digital sollen Unternehmen von heute sein. Wie digital der Mittelstand tatsächlich ist, zeigt die Studie „Digitale Dividende im Mittelstand“.

Digitale Prozesse und Technologien bieten verschiedenste Vorteile. Sie versprechen, die Produktion effizienter zu machen und die Möglichkeit zu schaffen, auf Kundenwünsche schnell zu reagieren sowie Marketingmaßnahmen individuell anzupassen. Besonders den kleinen und mittelständischen Unternehmen wird oft vorgeworfen, sie würden die digitale Transformation nicht ernst genug nehmen, würden die großen Potenziale dahinter verkennen und ließen sich dadurch vom internationalen Wettbewerb abhängen. Eine Studie, die als Gemeinschaftsprojekt von Iskander Business Partner, der Deutschen Telekom und weiteren Beteiligten durchgeführt wurde, gibt jetzt Antworten auf die Frage, wie weit der deutsche Mittelstand beim Thema Digitalisierung im Jahr 2018 ist.

Digitalisierung macht erfolgreicher

Im Rahmen der Studie „Digitale Dividende im Mittelstand“ wurden Entscheider aus insgesamt 54 mittelständischen deutschen Unternehmen befragt, unter anderem aus den Sektoren Industrie, Handel, Konsumgüter und Dienstleistungen. In einstündigen Tiefeninterviews haben sie Fragen zum Digitalisierungsgrad in ihren Unternehmen beantwortet. Basierend auf diesen Aussagen wurde anschließend die sogenannte Digitale Dividende errechnet, der Zusammenhang zwischen Digitalisierungsgrad und Business Performance. Die Ergebnisse machen deutlich: Es besteht eine positive Korrelation zwischen den beiden Parametern. Mit einer durchdachten Digitalisierungsstrategie lassen sich also nachweislich die Profite steigern und Unternehmen insgesamt erfolgreicher machen.

„Digital Leader“ braucht das Land

Entgegen der oft zu hörenden und zu lesenden Meinung, der deutsche Mittelstand hätte in Sachen Digitalisierung den Anschluss an internationale Wettbewerber aus China und den USA verloren, geben die aktuellen Studienergebnisse ein anderes Bild ab. Demnach konnte bereits jedes vierte der befragten Unternehmen in die Kategorie der „Digital Leader“ eingestuft werden. Diese Betriebe weisen einen sehr hohen digitalen Reifegrad auf und haben erkannt, was es unternehmensintern zu ändern gilt, um den Digitalisierungsprozess voran zu treiben – beispielsweise der Einsatz von digitalen Managementmethoden oder der Aufbau einer bereichsübergreifenden Digitalkompetenz im Unternehmen, um neue Betriebsmodelle und Kundenerlebnisse zu gestalten.

Wenn allerdings etwa ein Viertel der Studienteilnehmer als „Digital Leader“ bewertet wurde, bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass es noch einen großen Teil gibt, der noch nicht so weit fortgeschritten ist, was die Digitalisierung in ihren Unternehmen angeht. Rund 30 Prozent der befragten Betriebe gelten demnach noch als „Digital Starters“. Ihnen fehlt oft sowohl ein genaues Ziel, das sie mit Digitalisierungsmaßnahmen verfolgen möchten als auch eine Vorstellung davon, welche Möglichkeiten es für sie gäbe, von der digitalen Transformation zu profitieren.

Kundenzufriedenheit im Mittelpunkt

Egal wie, wichtig ist, dass sich Unternehmen unabhängig von Größe und Branche, mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Viele denken immer noch, es handele sich dabei lediglich um ein Projekt zur Steigerung von Produktivität und Kosteneffizienz. Allerdings geht es um viel mehr. Künftig wird vor allem die Kundenzufriedenheit sowie die Umsatz- und Gewinnsteigerung im Mittelpunkt von Digitalisierungsstrategien stehen müssen.

Neben Fragen wie: „Wie schaffe ist es, bei meinen Mitarbeitern aller Ebenen eine gewisse Dringlichkeit für das Thema Digitalisierung zu schaffen?“, „Wie kann ich Innovationen im Unternehmen am schnellsten etablieren und vorantreiben?“ und „Wie kann ich meinen Umsatz steigern und meine Produktion effizienter gestalten?“, ist besonders die Frage nach den Kunden wichtig: „Wie denken meine Kunden und was muss ich ändern, damit sie sich bei mir wohlfühlen und mich im besten Fall weiterempfehlen?“

Eine Möglichkeit, Kunden auf digitale Weise an sich zu binden, ist etwa die digitale Customer Experience zu optimieren. Neben Digital-Advertising-Maßnahmen gehören dazu auch eine ausgefeilte Pull-Marketing-Strategie, Online-Beratungsangebote, personalisierte Produktvorschläge und standortbezogene Empfehlungen sowie gegebenenfalls ein intuitiver Online-Shop. Und auch After-Sales-Angebote sind Teil einer positiv erlebten Customer-Experience – beispielsweise mit Online-Kundenportalen, personalisieren E-Mails für passende Up- und Cross-Selling-Angebote oder ein digitaler Kundenservice als (Video-) Chat.

Optimieren, erweitern und neugestalten

Auch wenn „Digital Starters“ oftmals nicht wissen, wo sie anfangen sollen und sich überfordert fühlen, wenn es an das Thema Digitalisierung geht, die Studie zeigt mehr als deutlich: Digitalisierung ist überlebenswichtig, um langfristig mit Wettbewerbern mithalten zu können. Das gilt in jeglicher Hinsicht. Ob es die Unternehmensbekanntheit, der gute Ruf, die Kundenbindung oder die Produktionsgeschwindigkeit ist, langfristig werden digitale Geschäftsprozesse dabei helfen, am Markt bestehen zu können. Wichtig dabei: Mit einer einmal aufgesetzten Digitalisierungsstrategie ist es nicht getan. Sie ist der Anfang, den jedes Unternehmen zunächst braucht, um einen digitalen Change Prozess in Gang zu bringen. Allerdings lebt die Digitalisierung vom Wandel. Wir wissen heute nicht, welche Technologien es morgen geben wird, weshalb auch Unternehmen, die heute vielleicht schon ein „Digital Leader“ sind, sich nicht auf ihrem derzeit hohen digitalen Status ausruhen sollten. Digitalisierung ist ein stetiges Optimieren, Erweitern und Neugestalten.

Stefan Meyer-Spickenagel ist Partner bei der Unternehmensberatung Iskander Business Partner.
Stefan Meyer-Spickenagel ist Partner bei der Unternehmensberatung Iskander Business Partner. (Bild: Iskander Business Partner GmbH)

Über den Autor

Stefan Meyer-Spickenagel ist Partner bei der Unternehmensberatung Iskander Business Partner GmbH. Mit mehr als 18 Jahren Expertise in der TIMES-Branche gehört er zu den führenden Business Development Experten in den Bereichen CRM, Digital Products und Business Transformation. Er startete seine Karriere bei Roland Berger Strategy Consultants, wo er primär in Markteintrittsprojekten für die Telekommunikations- und New Media-Branche arbeitete. Als COO der MindMatics AG (heute Boku Inc) war er anschließend einer der Pioniere im Bereich Mobile Marketing und verantwortete dies dann später innerhalb der WPP-Gruppe. Heute zeichnet Stefan Meyer-Spickenagel für das Düsseldorfer Office bei Iskander Business Partner sowie die internen Prozesse verantwortlich.

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