Mit der europäischen ESRS-Richtlinie wird Diversität zur unternehmerischen Norm – aus gutem Grund. Im Interview mit Barbara Lutz, Gründerin von FKi Diversity, einem Kooperationspartner unserer Agentur HRtbeat, habe ich im Interview über Vorteile und Perspektiven gesprochen.
Diversity for success – Wie steht es in Ihrem Unternehmen um das Thema Diversität?
Ein bisschen hat sich die Vorbereitung auf dieses Interview nach einem Flashback angefühlt, denn bereits während meines Studiums kam ich oft mit dem Konzept und dem Begriff von Diversität in Berührung. Deshalb habe ich mich besonders gefreut, mit einer Expertin zum Thema zu sprechen. Auch wenn die Ebene eine andere war als vor ein paar Jahren im Hörsaal, wurde unser Gespräch es nicht minder spannend.
Das Thema ist sensibel, vielschichtig und keines für kurze Antworten. Ich freue mich, wenn Sie sich gerade deshalb darauf einlassen und herausfinden, warum Diversity kein lästiges Anhängsel ist, sondern sich mit etwas Strategie und Mut sogar zum unternehmerischen Vorteil ausbauen lässt.
Diversität in der Praxis
Barbara Lutz ist Gründerin und Geschäftsführerin von FKi Diversity for Success. Neben ihrer Arbeit für die Managementberatung in Sachen Change & Diversity ist Barbara ein begehrter Gast für Podcasts, schreibt Bücher und ist auf den Bühnen der Kommunikationswelt zu Hause.
Moritz: Barbara, welche gesellschaftlichen und politischen Strömungen beeinflussen aktuell das Thema Diversität im wirtschaftlichen Kontext am stärksten?
Barbara Lutz:Wenn du mich fragst, sind es ganz klar die Herausforderungen im Umfeld von ESG (kurz für Environmental, Social and Governance). Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, wie das Reporting, welches auch für Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden bald zum Tragen kommt, die Beschäftigung mit diesem Thema noch einmal pusht. Für die Großkonzerne sind es die FüPoG - Gesetze, also die um die Frage von Frauen in den Aufsichtsräten und Vorständen der Unternehmen. Ich persönlich glaube aber, dass es das Thema insgesamt noch einmal ganz anders treiben wird.
Moritz: Dann gehen wir doch mal Hands on. Wie können Unternehmen über ihre eigene Kommunikation und ihr Marketing aktiv und vor allem nachhaltig zum Thema Diversität beitragen?
Barbara: Es ist wirklich wichtig, dass wir nur über Dinge sprechen, die wir auch wirklich tun! Das ist mein erster Rat. Und es kann auf jeden Fall sinnvoll sein, sich ein Zertifikat zu holen, so wie wir es anbieten. Aber klar ist auch: Das ist nur möglich, wenn man tatsächlich in den eigenen Maßnahmen tätig ist und auch umsetzt, was man dort erfährt – nach bestem Wissen und Gewissen. Wenn man so weit ist, kann man darüber nachdenken sich als Vorbild oder Thought Leader zu positionieren.
Moritz: Neben den moralischen und gesetzlichen Verpflichtungen kann Diversität durchaus auch als unternehmerische Ambition gesehen werden. Wie siehst du das? Wie wird Diversity zum Wettbewerbsvorteil?
Barbara: Das Gegenteil von Diversität ist Monotonie. Das ist das Bild, welches ich an dieser Stelle immer gerne bringe. Und monotone Strukturen beschäftigen sich sehr, sehr stark mit sich selbst. Gerade wenn Geschäftsmodelle unter Druck geraten, also schnell Veränderungen notwendig sind, dann ist es wichtig, weiteren Input zu haben.
Man muss sich mit verschiedenen Sichtweisen beschäftigen, damit man potenzielle Ansatzpunkte ganz schnell und Hands on tatsächlich diskutieren kann. Naja, und dann ist da noch das, was uns täglich begegnet: Der Fachkräftemangel. Was daran spannend ist, mache ich mal an einem Beispiel deutlich. Schauen wir mal auf das produzierende Gewerbe, oder auch das Geschlechter- und Nationalitätengefälle in MINT-Berufen. Über eines muss man sich im Klaren sein: Frauen in Osteuropa oder auch im arabischen Raum sind es durchaus gewohnt, MINT-Ausbildungen zu machen, bis hin zu Maschinenbau.
Wenn ich also dieses Spektrum hier aufmache, im Sinne von: „Wo finde ich eigentlich Menschen, die für mein Unternehmen wichtig sein könnten?“, dann finde ich hier einen guten Ansatzpunkt. Ich erweitere mein Suchfeld bei der Stellenbesetzung so signifikant, dass es nur ein unternehmerischer Vorteil sein kann, seine Parameter hier zu überdenken. Dann muss ich mir aber auch Gedanken dazu machen, wie ich mit diesen Menschen innerhalb meiner Organisationsstruktur gut integrativ umgehe. Die Möglichkeiten sind endlos – und das Business Potenzial noch nicht annähernd erreicht.
Moritz: Speaking of unternehmerisches Potenzial – welche Rolle spielt Diversität in der digitalen Transformation von Unternehmen?
Barbara: Das ist ganz spannend. Wir haben im Index seit 2016 die Frage, in diesem Fall auch auf Frauen bezogen, welche Rolle Digitalisierung für Frauen im Business Kontext hat und wir hören immer wieder dieselbe Antwort: Vereinbarkeit.
Seit zwei bis drei Jahren beobachten wir auch verstärkt, dass diverse Teams und insbesondere die Frauen in diesen unabdingbar wichtig sind für den Erfolg einer digitalen Transformation. Warum ist das so? Man stellt fest, dass in Unternehmen besonders Teams, die eben nicht klassisch monoton unterwegs sind, besser in der Lage sind, mit der gesamten Organisation zu kommunizieren. Sie verstehen besser, welche Art von Fragestellungen dann auftauchen und wie mit diesen Themen umgegangen werden muss. Auf Kundenbasis hören wir persönlich stark den Ruf danach, dass eben nicht nur die üblichen Verdächtigen (nämlich die IT), sich mit diesem Projekt beschäftigen und einen guten Zugang finden.
Stand: 08.12.2025
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Wichtig ist aber, dass man sich gemeinsam mit den Unternehmen der Sache annimmt. Zu diesem Zweck haben wir 2024 AYAN - Attention is all you need gegründet. Die Aussage des Namens bezieht sich auf ein Research Paper zum Thema KI Development. Wir wollen hier einfach Menschen die Möglichkeit geben, sich mit dem Thema Diversität zu beschäftigen. Hier liegt unser wirtschaftliches Wohl in den nächsten fünf Jahren.
Moritz: Aus dieser Arbeit heraus bekommst du sicherlich auch Einblicke in das, was nicht so gut läuft. Welche Fehler sollten Unternehmen im Umgang mit Diversität um jeden Preis vermeiden?
Barbara: Also, was ich oft sehe, ist, dass Unternehmen überbordend damit umgehen in der Kommunikation. Ich meine jetzt hier nicht, dass man sprachlich gendert, sondern ich meine wirklich so plakativen Slogans wie: Frauenpower oder Konsorten – you name it. Und auf einmal hat man dann einen Slang drinnen, der eigentlich gar nicht zum Kern des Themas Diversität gehört. Sowas wieder einzufangen ist schwierig bis unmöglich.
Kritisch sehe ich auch, dass Unternehmen einfach „gebrauchsfertige“ Dienstleistungen einkaufen. Diese durchlaufen dann die Organisation und die Chefetage folgert: „Das brauchen wir nicht.“ Warum passiert das? Weil standardisierte Verfahren und Methoden eben oftmals nicht zu den Unternehmen passen, die sie beauftragen. Wir haben dann allgemeingültige Maßnahmen, in denen sich kein Entscheider dieser Welt wiederfindet.
Denn sie passen einfach nicht zur DNA, zur Kultur des Unternehmens. Standard ist also schon mal raus. Es braucht viel mehr als ein Standardverfahren, um die Maßnahmen zu finden, die eben passen. Ich muss die Sprache des Unternehmens sprechen, muss wissen, in welcher Branche ich mich bewege und ich muss lernen, eben nicht an der Oberfläche zu schwimmen. Das ist ein typischer Fehler.
Wir sagen gerne, dass wir oft Scherben zusammenkehren, die es gar nicht gebraucht hätte. Deshalb: In Sachen Diversität gilt es frühzeitig, nachhaltig und tiefgreifend handeln. Das erfordert Zeit, hat aber eine hohe Aussicht auf Erfolg.
Diversity – ein missverstandenes Feld?
Was mir nach dem Gespräch mit Barbara im Gedächtnis geblieben ist, kann ich in zwei Punkten zusammenfassen: Lassen wir uns ganzheitlich auf das Thema Diversität ein, so muss es viel mehr sein als nur eine einzelne Employer Branding Kampagne voller Buzzwords oder eine Arbeitsgruppe. Diversität ist eine Philosophie auf vielen Ebenen, die sich durch alle wichtigen Stakeholder in Unternehmen zieht. Dabei geht sie über klassische Bereiche wie Human Resources und die Geschäftsführung ganz klar hinaus – egal ob Marketing, Produktentwicklung, IT oder Services, jede Abteilung profitiert.
Diversität ist ein wichtiges und vor allem komplexes Thema, das in diesem Interview nur angerissen werden kann. Deshalb versorgen wir Sie in den nächsten Wochen weiter mit Informationen zum Thema. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann hören Sie unbedingt in die neue Folge des B2B Hero Podcasts hinein, der in zwei Wochen erscheint. Hier habe ich mit Barbara und Nikolas Fleschhut von HRtbeat das Thema Diversity für die Welt der B2B Dokumentation diskutiert. Oder aber, Sie sichern sich gleich Ihren Deep Dive Platz im Webinar.