Affiliate-Erlöse gefährdet Apples Datenschutzoffensive trifft die Falschen

Ein Gastbeitrag von Alexander Kube* 4 min Lesedauer

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Apples App Tracking Transparency (ATT) soll Privatsphäre schützen. Doch ihre aktuellen Regeln treffen vor allem Publisher, Marken und Konsumenten. Warum Affiliate-Marketing zu Unrecht unter Verdacht steht und wie Apple mit klaren Leitlinien den digitalen Werbemarkt fairer machen könnte.

Wenn Nutzer die Tracking-Abfrage sehen, lehnen 54 Prozent das Tracking ab. Damit steht mehr als die Hälfte der Affiliate-Umsätze über iOS auf dem Spiel.(Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
Wenn Nutzer die Tracking-Abfrage sehen, lehnen 54 Prozent das Tracking ab. Damit steht mehr als die Hälfte der Affiliate-Umsätze über iOS auf dem Spiel.
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

Seit der Einführung von Apples App Tracking Transparency ist nichts mehr wie zuvor im mobilen Marketing. Was als Meilenstein für den Datenschutz gedacht war, entpuppt sich in der Praxis zunehmend als Stolperfalle für eine ganze Branche. Während invasive Werbesysteme kreative Umgehungsstrategien finden, leiden ausgerechnet jene, die seit Jahren auf Transparenz und Datensparsamkeit setzen: die Affiliate-Marketer.

Wenn Datenschutz zum Wettbewerbsnachteil wird

Die Zahlen sprechen für sich: Laut internen Awin-Daten haben 86 Prozent der App-Betreiber auf iOS weltweit ATT implementiert. Wenn Nutzerinnen und Nutzer die Tracking-Abfrage sehen, lehnen 54 Prozent das Tracking ab. Damit steht mehr als die Hälfte der Affiliate-Umsätze über iOS auf dem Spiel.

Lohnt sich Affiliate Marketing im B2B?

Affiliate Marketing hat sich im B2B Markt noch nicht vollständig etabliert, während es im B2C Bereich längst floriert. Der B2B Verkaufsprozess ist oft komplex und beratungsintensiv, was die sofortige Wirkung von Online-Werbung einschränkt. Dennoch bietet die Lead-Generierung interessante Möglichkeiten, potenzielle Kunden zu erreichen. Dies erfordert die sorgfältige Auswahl passender Publisher, deren Reichweite und Zielgruppe zum Produkt passen. Ein Risiko besteht in der Imagepflege; unerwünschte Umfelder könnten dem Unternehmensruf schaden. Auch der Missbrauch von Daten stellt eine Herausforderung dar. Der Erfolg hängt zudem von der Qualität der bereitgestellten Inhalte ab, die Glaubwürdigkeit und Expertenwissen vermitteln sollten. B2B Affiliate Marketing bietet somit Potenzial, erfordert aber kontinuierliche Anpassung und sorgfältige Partnerwahl.

In Deutschland und der DACH-Region liegt der iOS-Marktanteil bei rund 40 bis 45 Prozent. Das bedeutet, dass auch hier bis zu einem Fünftel der potenziellen Affiliate-Erlöse gefährdet ist, eine kritische Größe für Marken, die teils mehr als die Hälfte ihres Affiliate-Umsatzes über mobile Kanäle generieren.

Im Gegensatz zu datenhungrigen Plattformen, die Nutzerprofile monetarisieren, Zielgruppen retargeten und komplexe Tracking-Systeme aufbauen, ist Affiliate-Marketing ein datensparsames, fair vergütendes Modell, das sicherstellt, dass Publisher für ihren Beitrag zum Verkauf belohnt werden.

Affiliate-Marketing-Netzwerke wie Awin erstellt keine Profile, es verfolgt keine Nutzerinnen und Nutzer über Websites hinweg. Speziell wenn es um Cashback oder Rabatt Angebote geht, wird lediglich registriert, dass jemand freiwillig auf ein Cashback-Angebot oder einen Rabatt-Link geklickt und anschließend gekauft hat. Kundinnen und Kunden erwarten, dass dieser Klick anerkannt wird. Sie erwarten ihr Cashback oder ihren Rabatt. Doch ATT verhindert das in vielen Fällen.

Kollateralschäden für Publisher und Konsumenten

Das Ergebnis: Fehlattribution und Unsicherheit. Publisher verlieren Einnahmen, Händler zögern, selbst minimale Daten weiterzugeben, etwa eine anonyme Bestellnummer zur Kaufbestätigung, aus Angst, gegen ATT-Regeln zu verstoßen. Damit bleiben Konsumentinnen und Konsumenten enttäuscht zurück, wenn die erwartete Belohnung ausbleibt. Die Realität ist, dass sich viele dieser enttäuschten Kunden direkt an den Kundenservice wenden. Das führt nicht nur zu zusätzlicher Frustration, sondern auch zu erheblichen internen Kosten, da Support-Ressourcen gebunden werden, obwohl dieser meist keine Lösung anbieten kann. Enttäuschte Erwartungen beeinträchtigen also nicht nur das Vertrauen in die Marke, sondern verursachen auch einen höheren Support-Aufwand mit spürbaren wirtschaftlichen und organisatorischen Folgen.

Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz trifft das viele bekannte Cashback- und Gutscheinportale wie Shoop, Sparwelt oder myWorld sowie Publisher-Netzwerke, die stark auf Performance-Marketing angewiesen sind.

Regulierung braucht Differenzierung

Andere Regulierungsbehörden haben längst erkannt, dass es Unterschiede gibt. Die britische ICO hat darauf hingewiesen, dass bestimmte Affiliate-Messungen, die an klare Incentives gebunden sind, nicht zwangsläufig eine Einwilligung erfordern. Frankreichs CNIL unterscheidet klar zwischen invasivem Profiling und rein statistischen Messmethoden.

Auch die deutschen und europäischen Datenschutzbehörden – etwa die Datenschutzkonferenz (DSK) oder die österreichische Datenschutzbehörde – erkennen in Leitlinien zur Webanalyse und Performance-Messung an, dass datensparsame Modelle zulässig sein können, wenn sie keine Nutzerprofile erstellen und keine personenbezogenen Daten an Dritte weitergeben.

Diese Differenzierung fehlt bislang in Apples ATT-Framework.

Klarheit statt Kompromiss

Als Branche fordern wir nicht, dass Apple bei Datenschutz nachlässt. Wir fordern Klarheit. Technische Lösungen, etwa über Mobile Measurement Partner (MMPs), könnten längst eine konforme, datenschutzfreundliche Attribution ermöglichen. Sie bleiben jedoch ungenutzt, weil ATT zu vage formuliert ist.

Affiliate-Marketing kann und sollte ein Vorbild für ethische Performance-Werbung sein. Gemeinsam mit Partnern wie The Sole Supplier, Atolls und TopCashback ruft Awin Apple auf

  • klare, öffentliche Richtlinien für Affiliate-Attribution bereitzustellen,
  • ethische Affiliate-Messung von invasivem Ad-Tracking zu unterscheiden,
  • und den Dialog mit Plattformen, Publishern und Regulierungsbehörden zu suchen.

In der DACH-Region schließen sich dieser Forderung zunehmend auch Unternehmen und Branchenverbände an, etwa der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Affiliate-Netzwerke wie Tradedoubler oder Retail-Media-Player wie Otto Group Media.

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Datenschutz und fairer Werttausch sind kein Widerspruch

Datenschutz ist eines der zentralen Themen unserer digitalen Zeit. Und Apple verdient Anerkennung dafür, es zum Kern seiner Strategie gemacht zu haben. Doch solange ATT alle Formen von Messung mit Überwachung gleichsetzt, schadet es genau den Akteuren, die eigentlich geschützt werden sollen.

Das Affiliate-Marketing beweist, dass Privatsphäre und fairer Werttausch koexistieren können. Apple hat jetzt die Chance, das anzuerkennen und sicherzustellen, dass Publisher, Marken und Konsumenten nicht im Namen des Datenschutzes verlieren.

*Alexander Kube ist seit neun Jahren bei Awin und seit 2022 als Director Client Services & Business Development tätig. Bis 2010 studierte er Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München.

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