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Teil 2 Der Faktor Mensch in der digitalen Transformation

Autor / Redakteur: Dana Nitzsche, Arik Ott / Dr. Gesine Herzberger

Die Digitalisierung setzt eine zunehmende Bedeutung der Kommunikation voraus: Nur Unternehmen, die die Themen Kooperation und Kommunikation adressieren, können eine flexible, transformationsoffene Organisation schaffen.

Unternehmen müssen auf den Zug der Digitalisierung mit aufspringen. Aber eine Organisation wird einen digitalen Wandel nur vollziehen können, wenn sie ihre Mitarbeiter mitnimmt.
Unternehmen müssen auf den Zug der Digitalisierung mit aufspringen. Aber eine Organisation wird einen digitalen Wandel nur vollziehen können, wenn sie ihre Mitarbeiter mitnimmt.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Teil 1 der Reihe „Der Faktor Mensch in der digitalen Transformation“ hat sich mit der wachsenden Bedeutung des menschlichen Faktors unter den Bedingungen der Digitalisierung beschäftigt und flexible Formen der Zusammenarbeit thematisiert. Teil 2 zeigt nun, warum Unternehmen dafür in die Kommunikation intensivieren müssen.

Handlungsfeld 2: Miteinander reden

Es ist seit langem bekannt: Kommunikation stellt sowohl in Projekten als auch in der täglichen Zusammenarbeit einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar. Dies gilt umso mehr, wenn unter den Bedingungen der digitalen Transformation die Bedeutung der kreativen und innovativen Wissensarbeit noch wächst und Veränderungen Unternehmensalltag werden. Allerdings gibt es besonders im Feld der Kommunikation recht viele Stolperfallen, die die gewünschten positiven Wirkungen sogar in ihr Gegenteil verkehren können. Erfolgreich miteinander kommunizieren – das ist oft leichter gesagt als getan.

Kommunikation ist noch keine Verständigung

Die Tatsache, dass miteinander geredet wird, garantiert noch keinen Erfolg. Ein wesentliches Ziel aller Kommunikationsbemühungen muss es sein, Missverständnisse zu eliminieren und sich mit allen Teammitgliedern zu verständigen. Entscheidend ist es hierbei, sicherzustellen, dass die Kommunikationsinhalte wirklich ankommen. Wir haben vielleicht etwas Sinnvolles und Wichtiges gedacht, es aber nicht gesagt. Oder wir haben es zwar gesagt, aber nicht so deutlich und klar, dass diese Idee auch gehört worden wäre. Oder was wir sagten, wurde zwar gehört, aber nicht verstanden. Hinzu kommt: Verständnis bedeutet nicht gleich Einverständnis, und selbst wenn der Adressat einverstanden ist – umgesetzt ist die Idee dann noch lange nicht. Sprache zu verstehen, ist das eine, die kommunizierten Inhalte in unsere Gedankenwelt umzusetzen und somit Verständigung zu erreichen, ist das andere. Ohne einen klaren Feedbackkanal besteht immer die Gefahr, dass Kommunikationsabsichten innerhalb des Teams ungehört oder unverstanden versanden.

Der Unterschied zwischen Monolog und Dialog

Gegenüber einem Monolog hat eine dialogische Kommunikationsform natürlich den Vorteil, ein wechselseitiger Prozess zu sein. Missverständnissen lässt sich auf diese Weise vorbeugen. Schwierig ist es allerdings, im Unternehmensalltag den geeigneten Mix aus einseitiger und mehrseitiger Kommunikation zu finden. Wann reicht es aus, wenn eine einseitige Nachricht gesendet wird, wann sollten zwei Teammitglieder miteinander diskutieren, und wann ist es sogar sinnvoll, dass alle Teammitglieder oder alle Beteiligten sich im großen Kreis austauschen? Gerade bei großen Meetings tauchen gern die erwähnten Probleme des Gesagt-aber-nicht-gehört oder des Gehört-aber-nicht-verstanden auf, und es kommt zu keiner Verständigung. Man sollte sich also immer gut überlegen, wann es an der Zeit für einen monologischen Vortrag ist und wann eine Gruppendiskussion die bessere Wahl darstellt.

Dana Nitzsche arbeitet seit 2012 als Consultant bei Cassini Consulting in Berlin mit dem Schwerpunkt Projekt- und Prozessmanagement.
Dana Nitzsche arbeitet seit 2012 als Consultant bei Cassini Consulting in Berlin mit dem Schwerpunkt Projekt- und Prozessmanagement.
(Bild: Möller Horcher / Cassini)

Es gibt immer eine explizite und eine implizite Kommunikation

Paul Watzlawick, der berühmte Kommunikationswissenschaftler, brachte es auf den Punkt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Längst nicht alle menschliche Interaktion findet explizit statt. Sehr viel unserer Kommunikation spielt sich implizit ab. Was wir sagen, ist manchmal weniger wichtig, als wie wir es sagen, mit welchem Tonfall oder mit welcher Körpersprache. Man kann sich die Kommunikationsbandbreite als einen Eisberg vorstellen: Der größte Teil des Eisbergs ist unter der Wasseroberfläche und unsichtbar, aber dieser ist bedeutsamer und wirkungsmächtiger als der sichtbare Teil. Von der besonderen Bedeutung der impliziten, unausgesprochenen Kommunikationsinhalte handelt auch ein weiteres kommunikationspsychologisches Axiom von Paul Watzlawick: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.“ Bei jeder Kommunikation im Unternehmen kommt ein komplexes soziales System zum Tragen: das Unternehmen mit seinen Menschen, seiner Kultur, seiner Geschichte, seinen Werten und seinen Regeln. Dies macht es umso wichtiger, sich nicht nur um Kommunikation, sondern um eine klare Verständigung zu bemühen. Es kommt nie nur darauf an, was man sagt, sondern auch wer es sagt, wie er es sagt und wie es wahrgenommen und verstanden wird.

Das Marmeladengesetz

Für die Kommunikation gilt: Je breiter ein Kommunikationsinhalt gestreut wird, desto fraglicher ist es, ob er die gewünschte Wirkung entfaltet. Die Balance zu finden zwischen Verbreitung und Fokussierung ist demnach sehr wichtig. Wenn also Inhalte zu stark gestreut werden, besteht die Gefahr, dass die ursprüngliche Kommunikationsintention und die Hauptaussage sich durch die Vielzahl der Interpretationen einfach auflöst oder bis zur Unkenntlichkeit verändert. Je breiter die Marmelade verstrichen wird, desto mehr Geschmack geht verloren. Bei der Kommunikation ist das ganz ähnlich. Es will also gut überlegt sein, wie man sein Projekt intern – und extern – kommuniziert.

Arik Ott ist Senior Consultant bei Cassini Consulting in Berlin mit Schwerpunkt auf der Leitung von komplexen IT-Projekten sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Public Sector.
Arik Ott ist Senior Consultant bei Cassini Consulting in Berlin mit Schwerpunkt auf der Leitung von komplexen IT-Projekten sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Public Sector.
(Bild: Möller Horcher / Cassini)

Fazit

Durch die digitale Transformation gewinnt Wissensarbeit eine noch größere Relevanz als früher. Und weil es Menschen sind, die diese Wissensarbeit erbringen, nimmt zugleich die Bedeutung des menschlichen Faktors im Unternehmen zu. Die Rolle, die menschliche Kreativität und Innovationskraft für den Unternehmenserfolg spielen, wächst. Eine Organisation wird einen digitalen Wandel nur vollziehen können, wenn sie die Mitarbeiter mitnimmt. Darum verlangt die digitale Transformation es auch von den Organisationen selbst, sich zu transformieren. Nur in einer transformationsoffenen Unternehmenskultur verliert der ständige Wandel für die Mitarbeiter seinen Schrecken, und nur dann ist eine Organisation in der Lage, auf die komplexen Fragen der fortdauernden Veränderungen in der digitalen Geschäftswelt die geeigneten Antworten zu finden. Dazu muss sich die Unternehmenskultur vor allem in zwei Bereichen verändern: Es braucht ein besseres Miteinander-Arbeiten und ein effektiveres Miteinander-Reden. Kooperation und Kommunikation heißen die beiden Standbeine einer modernen Organisation, die sich den Herausforderungen des digitalen Wandels gewachsen zeigen will.

Ergänzendes zum Thema
Über Cassini Consulting:

Cassini Consulting wurde 2006 als Management- und Technologieberatung von Managern international agierender Beratungen gegründet. Heute arbeiten an den sechs Standorten der Cassini Consulting Group in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und München mehr als 140 Berater. Seit der Gründung konnte das Beratungsunternehmen den Umsatz um 900 Prozent steigern: Auf die Leistungen von Cassini vertrauen heute jeder dritte DAX-Konzern, die wichtigsten Bundesbehörden und ambitionierte Mittelständler. Das Leistungsportfolio umfasst wegweisende Business-, Technologie- und Projektberatung auf allen Hierarchieebenen, ob für das Top-Management, die Business-Seite, die IT-Abteilung oder Projektverantwortliche. Mit Kompetenz, Verantwortung und Unabhängigkeit steuert Cassini strategische Innovationsprojekte im dreistelligen Millionen-Bereich und treibt ehrgeizige Implementierungsprojekte voran. Hinter dem Beratungsprinzip von Cassini – Guiding ahead – steht der Anspruch, Klienten durch Wissensvorsprung zum Wettbewerbsvorsprung zu führen.

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