Live-Trading-Plattform

Digitalisierung des Elektronik-Komponenten-Distributors Sourceability

| Redakteur: Georgina Bott

Die Live-Trading-Plattform „Sourcengine“ schafft für Einkäufer erstmals globale Transparenz und beschleunigt den Recherche- und Bestellprozess erheblich.
Die Live-Trading-Plattform „Sourcengine“ schafft für Einkäufer erstmals globale Transparenz und beschleunigt den Recherche- und Bestellprozess erheblich. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Wie wird künftig der Handel mit B2B-Produkten ablaufen – und worauf müssen sich Distributoren angesichts automatisierter Prozesse spezialisieren, um für Ihre Kunden weiter Mehrwert bieten zu können? Die Antwort des Elektronik-Komponenten-Distributors Sourceability ist die Live-Trading-Plattform „Sourcengine“, die innerhalb eines Jahres umgesetzt wurde.

Sourceability ist ein global agierender Distributor für Elektronik-Komponenten, der für seine Kunden die logistische Abwicklung sowie das Supply-Chain-Management übernimmt. Darüber hinaus etablierte sich Sourceability als unabhängiger Vermittler zwischen Unternehmenskunden, Herstellern, Fertigern und Franchise-Distributoren. Als Erfolgsfaktor für das mittelfristige Unternehmenswachstum war von Beginn an die digitale Transformation des Geschäftsmodells definiert, und diese wurde schon ein Jahr nach Unternehmensgründung als konkretes Projekt initialisiert.

Seit Oktober 2018 ist die Live-Trading-Plattform „Sourcengine“ des Unternehmens global verfügbar. Einkäufer können 550 Millionen verschiedene Artikel von rund 1.400 Lieferanten weltweit (Stand Februar 2019) durchsuchen. Fünf Millionen Artikel sind bereits bestellbar, innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen es bereits 40 bis 50 Millionen orderbare Produkte werden. Das Projekt wurde von der Berliner Digitalagentur Turbine Kreuzberg innerhalb eines Jahres entwickelt. Dieses Beispiel zeigt, wie es mit deutscher Technologie-Expertise gelungen ist, ein internationales Unternehmen zu digitalisieren.

Umsetzung: Vom Fax zur automatisierten Plattform

Das vor drei Jahren gegründete Unternehmen agierte aus technologischer Sicht zunächst klassisch: Mitarbeiter von Sourceability nahmen Produktanfragen von Kunden zum Teil noch per Fax entgegen und ermittelten aus bis zu 50 Portalen weltweit die günstigsten Preise sowie die zugehörigen Lieferzeiten. Kunden erhielten die gewünschten Informationen in Form einer Liste und konnten daraufhin über den Distributor ordern. Um 50 bis 100 Bestellungen zu generieren, mussten die Mitarbeiter bis zu 100.000 Artikel recherchieren. Die größten Herausforderungen bei der Entwicklung von Sourcengine lagen in der hohen Anzahl der Artikel sowie den extrem dynamischen Preisentwicklungen und referentiellen Abhängigkeiten innerhalb des Bestellprozesses.

Sourceability transformiert Supply-Chain-Mangagement
Sourceability transformiert Supply-Chain-Mangagement (Bild: Turbine Kreuzberg)

Um Aufwände zu senken, mehr Geschäft zu generieren und kontinuierliches Wachstum sicherzustellen, sollten analoge Prozesse vollständig digitalisiert werden. Sourceability wollte seinen Kunden zudem die Möglichkeit bieten, Produkte, Preise und Lieferzeiten eigenständig und in Echtzeit miteinander zu vergleichen. Außerdem sollte mit den gewonnenen Personalressourcen die Neukundengewinnung und die Erschließung neuer Geschäftsfelder vorangetrieben werden. Um diese Ziele zu erreichen, wurde eine performante Live-Trading-Plattform angestrebt. Diese sollte mehr als 2.500 Distributoren mit insgesamt 550 Millionen Artikeln verwalten können, direkte Bestellungen ermöglichen und sich in die verschiedenen ERP-Systeme unterschiedlichster Kunden und Hersteller integrieren lassen.

Innerhalb von nur einem Jahr entwickelte Turbine Kreuzberg die Live-Trading-Plattform Sourcengine. Dazu setzte die Digitalagentur das Commerce Betriebssystem „Spryker Commerce OS“ ein und entwickelte es entlang der speziellen Anforderungen von Sourceability. Um die enorme Anzahl von 550 Millionen Artikeln durchsuchen zu können, mussten zusätzliche Speicherkapazitäten geschaffen werden. Diese Herausforderung löste das Entwicklerteam durch die Implementierung „Elasticsearch”, einer Suchmaschine auf Basis von Lucene. Sämtliche Artikel werden in speziellen Datenbanken gespeichert und können innerhalb von zehn Sekunden durchsucht werden. Um Sourcengine bestmöglich an die Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen und das nötige Wissen für die spätere Betreuung der Plattform zu vermitteln, wurden Mitarbeiter von Sourceability in das Turbine Kreuzberg-Team integriert. Dieser Wissenstransfer in zwei Richtungen verlief für beide Seiten sehr erfolgreich.

Ergebnis: Skalierung des gesamten Geschäftmodells

Durch die neue Plattform hat sich der Prozessaufwand deutlich verringert. Bisher wurden 50 Logins sowie mehrere Tage im Bestellprozess benötigt. Durch die Live-Trading-Plattform sind nun 220 Lieferanten angebunden, der Bestellprozess benötigt nur noch wenige Minuten und es ist ein Login erforderlich. In Zukunft soll der Bestellprozess sogar im eigenen ERP-System des Kunden stattfinden sowie die Anzahl der Lieferanten mehr als verdoppelt werden. Sämtliche Produktinformationen lassen sich jetzt mit wenigen Mausklicks abfragen sowie Preise und Verfügbarkeiten in Echtzeit miteinander vergleichen. Der Distributor konnte die Abfrage von Stückpreisen mit der neuen Plattform von Tagen – oder bei sehr umfangreichen Bestellungen gar Wochen – auf wenige Minuten reduzieren.

Transformation eines Geschäftsmodells
Transformation eines Geschäftsmodells (Bild: Turbine Kreuzberg)

Durch die Zeitersparnis können Account Manager von Sourceability ihre Kunden schneller mit den gewünschten Informationen versorgen und auch das Neukundengeschäft weiter ausbauen. Die Live-Trading-Plattform ermöglicht Sourceability damit eine Skalierung ihres gesamten Geschäftsmodells. Auch Einkäufer profitieren von deutlich effizienteren Bestellprozessen, die in kürzerer Bearbeitungszeit umfassendere Aufträge ermöglichen. Zudem können Hersteller und Lieferanten entgegen der bisher üblichen regionalen Fokussierung Produkte global anbieten.

Ausblick: Globale Transparenz beim Handel mit Elektronik-Komponenten

Bereits heute können auch kleine Händler und Hersteller ihre Waren online anbieten, was innerhalb der klassischen Strukturen bisher nicht wirtschaftlich war. Nach Abschluss der aktuell geplanten zusätzlichen Anbindungs- und Onboarding-Prozesse innerhalb der nächsten drei Jahre werden bis zu 6.000 Anbieter von Elektronikkomponenten via Schnittstelle automatisiert aus dem unternehmenseigenen ERP direkt Artikel verkaufen können. Darunter werden neben den global relevantesten Distributoren dann auch Hersteller und Fabriken sein, die überschüssige Bestände zweitverkaufen. Sämtliche Produktinformationen können sodann mit wenigen Mausklicks global abgefragt sowie Preise und Verfügbarkeiten in Echtzeit miteinander verglichen werden.

„Meine Vision ist die Herstellung globaler Transparenz beim Handel mit Elektronik-Komponenten sowie die vollständige Automatisierung von Preisvergleichen sowie des Supply-Chain-Managements. Sourcengine hat das Potenzial, auch weitere Branchen grundlegend zu verändern, wenn wir unser Produktportfolio ausdehnen und unsere Logistik-Infrastruktur breiter aufstellen“, sagt Jens Gamperl, CEO und Gründer der Sourceability-Gruppe.

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