Unternehmensführung

Experteninterview zum Thema „Leadership im B2B“

| Redakteur: Elena Koch

Leadership im B2B: Führungskräfte haben die Aufgabe ihr Unternehmen weiterzuentwickeln und stets voranzutreiben.
Leadership im B2B: Führungskräfte haben die Aufgabe ihr Unternehmen weiterzuentwickeln und stets voranzutreiben. (Bild: gemeinfrei / CC0)

„Unternehmen müssen jetzt die Weichen für den Wandel stellen!“ – Wie reagieren B2B-Anbieter auf die zunehmend komplexe, volatile und unsichere Geschäftswelt? Welche Kompetenzen benötigen sie, um für die Digitalisierung und den damit verbundenen Wandel gewappnet zu sein? Im Experteninterview werden spannende Erfahrungswerte ausgetauscht.

Durch Globalisierung, Digitalisierung und Vernetzung sind die Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsprozesse tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Komplexität und Volatilität sind die ständigen Begleiter der Unternehmensführung. Bewährte Methoden und Konzepte erfolgreichen Managements laufen leer, vielerorts wächst die Unsicherheit über die richtigen Entscheidungen. Mehr als jedes zweite Unternehmen geht davon aus, dass die mit dem Wandel verbundenen Veränderungen kurzfristig zu spüren sein werden, zwölf Prozent rechnen sogar mit „extrem schnellen“ Auswirkungen. Zu diesen Ergebnissen kommt das HR-Leadership-Panel der Personalberatung Rochus Mummert, für das rund 180 Vertreter deutscher Unternehmen aus klassischen B2B-Segmenten wie Maschinenbau und IT-Beratung befragt wurden.

Im B2B-Marketing sind jetzt die Leader gefragt

Studie zum neuen Führungskräfte-Typus

Im B2B-Marketing sind jetzt die Leader gefragt

11.10.18 - Weniger verwaltende Manager, dafür mehr begeisternde und visionäre Leader: Das ist es, was Deutschlands Unternehmen jetzt brauchen angesichts des großen Wandels, den sie meistern müssen – so lautet ein zentrales Fazit einer aktuellen Studie der Personalberatung Rochus Mummert. lesen

Wie die Studie weiter zeigt, sind die meisten Firmen jedoch noch nicht ausreichend darauf vorbereitet. Es mangelt vor allem an entsprechend für den Veränderungsprozess qualifizierten Führungskräften und Mitarbeitern sowie an digitalen Kompetenzen. Vor welchen Herausforderungen die B2B-Branche steht und welche Qualifikationen sie zu ihrer Bewältigung benötigt, erläutern Markus Gehrt, Co-Autor der Studie und Partner bei Rochus Mummert, sowie Prof. Dr. Michael Martin, wissenschaftlicher Begleiter der Studie, im Gespräch mit Marconomy.

Marconomy: In der jüngsten Studie unterscheiden Sie zwischen wirksam und unwirksam geführten Unternehmen. Wirksam geführte Unternehmen gelten nicht nur als attraktivere Arbeitgeber, sie weisen auch eine höhere Rendite auf und sind agiler. Was ist das Erfolgsgeheimnis wirksam geführter Geschäftsbereiche?

Prof. Dr. Michael Martin: Optimalerweise sollte es keine unwirksame Führung geben. Dennoch scheint die Hälfte unserer befragten Unternehmen daran Zweifel zu haben. Wirksam geführte Unternehmen beziehungsweise Geschäftsbereiche sind deshalb so erfolgreich, weil sie agil sind, Innovationen ermöglichen, über eine sich selbst steuernde, vom Netzwerkgedanken geprägte Organisationskultur verfügen und die Führungskräfte an die Qualitäten der Mitarbeiter glauben. Werte wie Vertrauen, Wertschätzung und Verantwortung spielen hier eine zentrale Rolle, die Mitarbeiter sind mehr Gestalter als Weisungsempfänger. Ein weiteres Erfolgsrezept sind digitale Kompetenzen sowohl auf Führungsebene für die richtigen Visionen als auch auf Mitarbeiterebene für eine effiziente Umsetzung. Wirksam geführte B2B-Unternehmen sind dabei mehrere Schritte voraus. Ein wesentlicher Aspekt: In den nächsten sieben Jahren wird deutschen Firmen vor allem der Mangel an Digital-Know-how zu schaffen machen.

Marconomy: Im Business-Kontext wird häufig kritisiert, dass es deutschen Unternehmen an Führungspersonal mit Leadership-Kompetenzen mangelt. Über die Hälfte der Befragten gibt an, bei der Auswahl von Führungskräften künftig stärker zwischen Leader und Manager unterscheiden zu wollen. Warum braucht es Leader, um den digitalen Wandel voranzutreiben, und welche Fähigkeiten zeichnen diese aus?

Markus Gehrt: Unter Leadership-Qualitäten verstehen wir ein Zusammenspiel aus Agilität, unternehmerischem Denken und Handeln sowie der strategischen Weitsicht, um sich bietende Chancen zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhöhen. Auch ein klares Bild von der Zukunft, persönliches Charisma und die Fähigkeit, Mitarbeiter zu motivieren und zu inspirieren, gehören dazu. Diese Kompetenzen werden zunehmend wichtiger als die des klassischen Managers, der sich mit der Steuerung über Kennzahlen und dem Optimieren von Geschäftsmodellen befasst, also insgesamt vor allem Effizienz und Effektivität im Blick hat. Die Geschäftswelt verändert sich rasant, Komplexität und Volatilität nehmen zu und damit auch die Unsicherheit. Führungskräfte, die auf Innovation, Wandel und Adaption ausgerichtet sind, können diese neuen Herausforderungen erfolgreich bewältigen. Allerdings ist sich dessen offenbar nur etwa ein Drittel der B2B-Unternehmen bewusst: 66 Prozent der Befragten erklären, dass sie bislang nicht zwischen Leader und klassischem Manager unterscheiden.

Marconomy: 43 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass die Digitalstrategie in der Führungskultur ausreichend angekommen ist, um in einer globalisierten, digitalen Ökonomie in den nächsten Jahren überleben zu können. Im operativen Kern liegt dieser Wert bei nur 29 Prozent. Was sind die größten Risiken für Unternehmen und wie kann deren Zukunftsfähigkeit gewährleistet werden?

Prof. Dr. Michael Martin, wissenschaftlicher Begleiter der Studie zum neuen Führungskräfte-Typus, verrät Insights im Interview mit marconomy.
Prof. Dr. Michael Martin, wissenschaftlicher Begleiter der Studie zum neuen Führungskräfte-Typus, verrät Insights im Interview mit marconomy. (Bild: Prof. Dr. Michael Martin)

Prof. Dr. Michael Martin: Um auch in Zukunft überlebens- und konkurrenzfähig zu bleiben, sind nicht nur wichtige Stellen mit den richtigen Personen zu besetzen, um die Entwicklungen wie die digitale Transformation der Geschäftsprozesse und -beziehungen unter dem Schlagwort Industrie 4.0 zukunftsfähig auszurichten. Die hierfür notwendigen tiefgreifenden Veränderungen setzen an der Führungs- und Leistungskultur an. Die bestehenden Strukturen, geprägt durch Effizienz und Effektivität, dominieren und Veränderungsbereitschaft und Agilität, also die Fähigkeit, flexibel, proaktiv und initiativ zu agieren, hat nicht den entscheidenden Stellenwert. In unserer Studie schätzen nur 23 Prozent der Befragten das eigene Unternehmen als „sehr agil“ oder „ausreichend agil“ ein. Fast ein Drittel attestiert sich kaum oder gar keine Agilität. Das deutet an, wie groß der Handlungsbedarf wirklich sein mag. Der Wille ist in den meisten Unternehmen zwar da, aber es fehlen die Rezepte für die Umsetzungsansätze. Es kommt daher darauf an, jetzt damit zu beginnen, eine neue Führungs- und Leistungskultur zu etablieren und die Weichen für eine unternehmerische Infrastruktur zu stellen, die sich dem internationalen Wettbewerb stellen kann. In digitalen globalen Märkten wird nicht der „second mover“ sonder der „first mover“ belohnt. Endogene Führungskompetenzen sind nötig und reaktives Führungsverhalten bis hin zum Aussitzen von Veränderungen sind angesichts des Tempos und des Drucks fatal.

Marconomy: Blicken wir gemeinsam auf das Jahr 2025: Was sind die wichtigsten Kerntrends für die B2B-Branche, und welche Weichen müssen Marketing-Abteilungen heute stellen, um auch in sieben Jahren noch erfolgreich agieren zu können?

Markus Gehrt, Partner bei Rochus Mummert, teilt im Interview mit marconomy seine Erfahrungen zum Thema „Leadership“.
Markus Gehrt, Partner bei Rochus Mummert, teilt im Interview mit marconomy seine Erfahrungen zum Thema „Leadership“. (Bild: Rochus Mummert)

Markus Gehrt: In den nächsten Jahren wird es zum einen darauf ankommen, eine moderne Führung zu etablieren, die bereit ist, zukunftsweisende Geschäftsfelder neu zu besetzen und bestehende Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Gerade im B2B-Umfeld ist es immens wichtig, die Geschäftsmodelle der Kunden zu verstehen und neue Lösungen zu entwickeln, die einen zusätzlichen Kunden-Mehrwert bieten. Das gilt auch für digitale Lösungen und Produkte, die nur Bestand haben werden, wenn Sie einen messbaren Nutzen haben. Zum anderen erfahren Tätigkeiten mit unmittelbarer, menschlicher Interaktivität eine zunehmende Aufwertung, während standardisierte, anonyme Prozesse vermehrt mit Hilfe der Digitalisierung automatisiert werden. Ein weiterer Trend ist die stärkere Öffnung nach außen, um in Fragen der Problemlösung und Zukunftsgestaltung auch die Kunden stärker einzubeziehen. Dieses hohe Maß an Transparenz ist vor allem im Marketing unerlässlich, denn hier treten die Mitarbeiter immer häufiger über unterschiedliche Kanäle direkt mit dem Kunden in Kontakt. Künftig werden sie zunehmend die Rolle von Markenbotschaftern einnehmen. Auch in der internen Zusammenarbeit werden sich die Bereiche Marketing und Kommunikation für neue Strukturen, Zuständigkeiten und Abläufe öffnen müssen. Und schließlich sollten sich die Marketing-Experten fundierte IT-, Analytics- sowie Datenschutz-Kenntnisse aneignen, um für die digitale Zukunft gewappnet zu sein.

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