KI im B2B Messegeschehen Gläserne Messebesucher: So verändert KI den Messebetrieb

Ein Gastbeitrag von Simone Schiebold 4 min Lesedauer

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Mit Künstlicher Intelligenz lässt sich die Vision einer modernen, interaktiven und kundenorientierten Besucheransprache auf dem Messestand verwirklichen. Dieser Artikel zeigt, wie B2B Unternehmen die neuen technischen Möglichkeiten einsetzen können.

B2B Unternehmen können mit KI verschiedene Datenpunkte analysieren und erhalten somit einen „gläsernen“ Messebesucher, der mit hochpersonalisierten Inhalten überzeugt werden kann.(Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
B2B Unternehmen können mit KI verschiedene Datenpunkte analysieren und erhalten somit einen „gläsernen“ Messebesucher, der mit hochpersonalisierten Inhalten überzeugt werden kann.
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

Computerunterstützte Sprachmodelle ermöglichen es, Aussteller- und Standsuchen auf Messen künftig anhand großer Datenmengen abzuwickeln. Gespeist wird die KI-Anwendung dazu mit allen Informationen über die ausstellenden Unternehmen, das Konferenzprogramm und weitere relevante Daten. Messe-Gäste könnten sich beispielsweise mit ihrem Anliegen an einen Chatbot wenden: „Ich bin Innovationsbeauftragter eines B2B Unternehmens und suche nach Robotiklösungen“, könnte ein entsprechender Prompt lauten. Die KI ist daraufhin in der Lage, gezielt passende Unternehmen und deren Standnummern zu nennen. So können Messegäste ihren Messebesuch effizient planen und für sie relevante Firmen ansteuern.

Einsparungen trotz personalisierter Ansprache

Messeauftritte sind für Unternehmen kostspielig. Es gilt daher, diese so effektiv und effizient wie möglich zu gestalten. Künstliche Intelligenz verspricht mittels automatisierter Prozesse viel Einsparpotenzial. Auch, wenn es um das Sammeln von Daten, das Bewerten von Leads oder um die Interaktion mit Besuchern geht. Dabei muss nicht auf eine persönliche Ansprache verzichtet werden.

Eine im Februar 2024 veröffentlichte Statista-Umfrage untersuchte die potenziellen Auswirkungen von KI in der Messebranche weltweit. Insgesamt glauben demnach 80 Prozent der Befragten, dass generative KI den Vertrieb, das Marketing und die Kundenbeziehungen beeinflussen wird. Unterdessen berichteten 37 Prozent der Befragten aus der Messebranche, dass sie bereits KI einsetzen.

In der Logistik gewährleistet KI zum Beispiel, dass Materialien und Personal rechtzeitig am Ort des Geschehens sind. Besonders bei wiederholten Veranstaltungen ermöglicht Machine Learning optimierte Lieferketten durch eine Bedarfsanalyse vorangegangener Events. Das gelingt zum Beispiel durch sensorgestützte Systeme an Messeständen oder in Veranstaltungshallen – mit Tools, die das Besucheraufkommen erfassen. Dies wiederum erlaubt Empfehlungen für das Catering. Auf dem Event selbst bringen Matchmaking-Apps bei Netzwerkveranstaltungen vielversprechende Geschäftskontakte zusammen, basierend auf individuellen Profilen. Plattformen wie Zensus AI ermöglichen es zudem, mit moderner Gesichtserkennungstechnologie anwesende Gäste zu identifizieren und zu authentifizieren. Besucher lassen sich so in virtuellen als auch in Live-Gesprächsrunden zum Beispiel nach Alter und Geschlecht, nach Stimmung oder Interessen für eine weitere Lead-Qualifikation klassifizieren.

Über Sprachbarrieren hinweg

Um in einer globalisierten Welt die richtigen Worte zu finden, ermöglicht es beispielsweise Interprefy, Veranstaltungen in Echtzeit in der eigenen Muttersprache zu verfolgen und ein uneingeschränktes Messeerlebnis zu haben. Durch KI-gestützte Live-Übersetzungen oder die Untertitelung von Image- und Produktfilmen gehören Sprachbarrieren endgültig der Vergangenheit an.

Eine gut integrierte KI kann Besuchern zudem ein individualisiertes Messeerlebnis bieten. Hierfür sammelt die KI bereits im Vorfeld Daten über potenzielle Gäste und analysiert deren Bedürfnisse und Interessen. Basierend auf diesen Daten ermittelt die KI im nächsten Schritt, vor welchen Herausforderungen die Zielgruppen stehen, so dass der ausgespielte Messeinhalte zielgruppenindividuell angepasst werden kann. Zugeschnittene Inhalte und Angebote automatisiert zu erstellen und so gezielt die Aufmerksamkeit der Interessierten anziehen, ist ein weiterer Vorteil von Künstlicher Intelligenz.

KI auf dem Messestand

Darüber hinaus wird KI auch stärker auf Messeständen sichtbar: Chatbots beantworten Fragen, stellen Informationen bereit und erfassen Leads – und das rund um die Uhr. Künftig könnten auf B2B Messen KI-gesteuerte Roboter eingesetzt werden, die Besucher willkommen heißen oder Werbematerialien verteilen.

Das Unternehmen LG stellte auf der CES erstmals seinen KI-Roboter vor, der erkennen kann, ob ein Mensch zufrieden, glücklich, wütend oder traurig ist. Obwohl dieser Roboter zunächst als mobiler Smart-Home-Hub für den häuslichen Privatgebrauch gedacht ist, könnte ein Helfer dieser Art auch im Messe-Umfeld nützlich sein. Das Beauty-Unternehmen L’Oréal präsentierte auf der CES eine generative KI. Mit „Beauty Genius“ gibt es nun einen persönlichen Schönheitsberater. Der Chatbot kombiniert Schönheits-Tipps aus allen Beauty-Kategorien, um Kunden die ideale Frisur, die Hautpflege oder das passende Styling zu empfehlen, auf der Messe oder im Web.

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Fazit

Mit KI stehen hybride Erlebnisse an der Schwelle zum Eventmarketing. Messen werden von einer nie dagewesenen Personalisierung und Effizienz geprägt sein. KI ist dabei ein Werkzeug und ein Partner, der B2B Verantwortlichen hilft, die Vision einer modernen, interaktiven und kundenorientierten Ansprache zu verwirklichen. Doch auch bei allen neuen Möglichkeiten, die KI mitbringt, sollte die intuitive Bedienbarkeit für die Kunden im Mittelpunkt stehen. Nur „ease-of-use“ führt zu „joy-of-use“, was entscheidet, ob eine KI-Anwendung mittelfristig eine Daseinsberechtigung am Markt hat.

Roboter und Chatbots allein können die Messewelt nicht führen. Für ein optimales Messeerlebnis ist es daher wichtig, dass virtuelle Charaktere und weiterhin reale Menschen zusammen am Messestand stehen und Kunden betreuen. Echte Personen bringen schließlich Empathie, emotionale Intelligenz und die Kompetenz für persönliche Interaktionen mit – Faktoren, die für den Aufbau von Vertrauen unerlässlich sind.

*Simone Schiebold ist Geschäftsführerin der Agentur für Zukunftsthemen FLAD & FLAD.

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