Unternehmenskultur

Keine Fehlerkultur im Unternehmen zu haben, ist ein großer Fehler

| Autor / Redakteur: Stefan Dudas / Annika Lutz

Mutige Mitarbeiter machen auch mal Fehler – bestraft werden sollte dies jedoch nicht.
Mutige Mitarbeiter machen auch mal Fehler – bestraft werden sollte dies jedoch nicht. (Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Viele lassen sich durch das perfekte Resultat blenden. Ohne verrückte Ideen inklusive Fehler wären wichtige Erfindungen aber nie möglich gewesen. Auch der Weg zu einer guten Fehlerkultur ist steinig – es lohnt sich trotzdem, ihn in Angriff zu nehmen.

Die Denkhaltung, alles zu können, bringt viele in der Arbeitswelt an den Rand eines Burnouts – und darüber hinaus. Die eigene Verblendung, „perfekt“ funktionieren zu müssen, ist nicht nur extrem anstrengend, sie ist auch frustrierend. Weil kein Mensch „perfekt“ ist.

„Fehler sind schlecht!“

In der Schule in Form von schlechten Noten und zuhause als Standpauke der Eltern – Fehler ziehen meist unmittelbar eine „Strafe“, vor allem aber negative Gefühle – oder sogar Konsequenzen – nach sich. Diese Erfahrungen nehmen wir in unser Leben mit, mit folgenschweren Auswirkungen: Wir glauben, wir müssten alles können und alles kennen. Sollten wir etwas nicht wissen oder noch schlimmer, einen Fehler begehen, ist dies „peinlich“.

Neuartige Dinge ausprobieren dürfen

Die meisten Unternehmen wollen innovativ sein. Innovativ wird man allerdings nur, wenn man neuartige Dinge ausprobiert. Aber alles was neu ist, ist natürlich auch fehleranfällig. Daher ist der Umgang mit Fehlern entscheidend für eine erfolgreiche und innovative Zukunft. Dumm nur, dass es in den meisten Unternehmen keine Fehlerkultur gibt, in der mutige Mitarbeiter, die in einem ambitionierten Projekt einen Fehler machen, gelobt werden. Und im Gegenzug zu Mitarbeitern, die im Mittelmaß und in der Routine festsitzen – und aus Angst vor Fehlern lieber gar nichts machen – eher „bestraft“ werden.

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Scheitern kann nur, wer sich etwas (zu)traut

Tatsächlich gibt es viele Menschen, die gerne mit dem Finger auf andere zeigen, die einmal beruflich oder generell im Leben gescheitert sind. Oft sind das genau die Menschen, die sich selbst noch nie etwas getraut haben. Denn sich zuhause auf dem sicheren Sofa sitzend über andere Menschen lustig zu machen (im Fernsehen gibt es genügend Formate, die genau darauf anspielen), ist einfach und ungefährlich. Und jetzt sollte man plötzlich Fehler als Chance des Lernens erkennen? Diese tiefen Denkmuster zu verändern, ist alles andere als einfach, wie auch nachfolgendes Beispiel zeigt.

Einmal Fehlerkultur bitte!

„Wir brauchen eine Fehlerkultur“, sagt die HR-Verantwortliche an einer Kadertagung. „Wir können nicht auf der einen Seite fordern, dass unsere Mitarbeiter kreativer und innovativer werden, aber auf der anderen Seite bei jedem Fehler schreiend durch die Abteilungen ziehen!“

„Sie wollen also mehr Fehler in unserem Unternehmen?“, fragt der Controller sarkastisch nach. „Nein! Aber ich wünsche mir einen sinnvolleren und vor allem menschlicheren Umgang mit Fehlern“, antwortet die HR-Verantwortliche.

Dem Controller schwillt langsam die Halsschlagader an: „Jeder Fehler kostet Geld. Unser Geld. Und riesige Fehler kosten uns riesige Mengen an Geld! Dieses neumodische Management-Zeug bringt uns doch nicht weiter! Sogar wenn wir durch die Lancierung einer Fehlerkultur gleich viele Fehler machen wie heute, hat es sich ja nicht gelohnt. Geht durch Ihre Fehlerkultur die Fehlerquote etwa nach unten? Können Sie das garantieren?“ Stille im Raum.

Die HR-Verantwortliche lächelt den Controller an und kontert: „Die Fehlerquote heute ist bereits massiv höher als in Ihren hübschen Excel-Charts. Ja! Trotz ISO-Norm und Total-Quality-Management stimmen Ihre Auswertungen einfach nicht. Weil die Mitarbeiter Angst haben, Fehler zu melden, werden, wenn möglich, Fehler vertuscht und unter den Tisch gewischt. Und wenn man den Fehler nicht kennt und benennt, kann niemand aus diesem Fehler lernen. Und die Fehler wiederholen sich immer und immer wieder. Und kosten damit auch immer und immer wieder massiv Geld!“ Wieder Stille im Raum.

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Fehler nicht länger vertuschen

Eine Vorzeigelösung bietet das „Toyota Production Systems“, in dem man den Ansatz umgedreht hat: Natürlich will auch Toyota möglichst wenige Fehler in der Produktion, denn die kosten auch hier Geld. Aber sie kommunizieren den Mitarbeitern, dass, wenn schon Fehler passieren, das Unternehmen davon lernen muss – als kleiner Gegenwert für den Betrag, den der Fehler kostet. Also ist es hier schlimmer, einen Fehler zu vertuschen als einen Fehler zu machen. Aber auch diese Lösung ist nur so gut, wie sie von Führungskräften getragen und von Mitarbeitern umgesetzt wird. Deshalb sind auch hier Transparenz und Kommunikation entscheidend.

Eine Frage der Kultur

Es lohnt sich also, generell darüber nachzudenken, welche Arten von Fehlern vorkommen können. Die „sinnlosen“ Fehler gilt es natürlich zu vermeiden. Die „sinnvollen“ Fehler bringen das Unternehmen weiter, weil daraus wichtige Erkenntnisse gewonnen werden können. Die Lösung: Setze das um, was in den meisten Unternehmen in den Leitbildern geschrieben steht.

  • Setze den Mitarbeiter wirklich in den Mittelpunkt! Das bedeutet, dass man mit ihm sprechen darf. Nicht nur einmal im Jahr 20 Minuten in einem Jahresgespräch, sondern immer wieder.
  • Vermittle die Werte, die im Leitbild stehen! Indem du als Führungskraft diese täglich vorlebst. Wenn da Werte wie Offenheit, Transparenz, Leidenschaft, Optimismus, Mut, Respekt oder Vertrauen stehen, sollte dies eine Verpflichtung sein.

Übrigens: Eine interne „Kultur“ baut man nicht während eines 2-Tages-Workshops auf. Man baut sie zwischen zwei Workshops im Abstand von Monaten oder gar Jahren auf. Dann entsteht Vertrauen. Und aus diesem Vertrauen heraus verändern sich auch eigene Denkmuster in Bezug auf Fehler. Und dies ist mehr als nötig.

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