Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Faktor für den Geschäftserfolg. Bislang haben dies vor allem der Handel und das produzierende Gewerbe erkannt. Jetzt springt der Funke aber auch auf das Medien-Business über.
Umweltgerechtes Verhalten ist nicht nur für das Endkundengeschäft ein wichtiger Faktor. Nur so wird aus einem nachhaltigen Engagement ein glaubwürdiger 360-Grad-Ansatz.
Der Online-Riese Amazon feilt derzeit an einem nachhaltigen Image. Nachdem er sich im Herbst vor einem Jahr dazu verpflichtet hat, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu wirtschaften und eine entsprechende Selbstverpflichtung ins Leben rief, führt er jetzt auch ein Klima-Label ein. Mit dem „Clima Pledge Friendly“ Label werden Produkte aus allen möglichen Kategorien ausgezeichnet, um den Kunden das Auffinden umweltfreundlicher Artikel in dem mehrere Millionen Produkte umfassenden Sortiment zu erleichtern.
Ähnliches Bild bei dem anderen großen US-Player Google. Der Konzern gab kürzlich bekannt, alle CO2-Emissionen seit Gründung des Unternehmens sogar rückwirkend auszugleichen. Außerdem habe man sich das Ziel gesetzt, in allen Rechenzentren und Campi ab dem Jahr rund um die Uhr nur noch mit CO2-freier Energie zu arbeiten. Das sei weitaus schwieriger, als der übliche Ansatz, den Energieverbrauch mit erneuerbaren Energien auszugleichen, so das Unternehmen in einer Mitteilung.
Mag das Thema Umweltschutz in der aktuellen US-Politik keine überragende Rolle spielen: die großen internationalen US-Unternehmen legen hier ein anderes Verhalten an den Tag. Und sie setzen damit auch innerhalb der Kommunikations- und Medienbranche ein weltweit sichtbares Zeichen. Nachhaltigkeit ist für sie eines der Top-Themen der kommenden Jahre.
Ein umweltbewusstes Verhalten beeindruckt den Endverbraucher
Schon länger gilt Nachhaltigkeit als Schlüsselfaktor für den Erfolg von Unternehmen. Immer wieder belegen Umfragen, dass Verbraucher zunehmend auf umweltfreundlich produzierte Produkte achten. So konstatierte die Beratungsgesellschaft KPMG Anfang des Jahres in ihrem Consumer Barometer, dass immer mehr Menschen regional hergestellte oder unverpackte Lebensmittel kaufen und sich dafür interessieren, unter welchen Bedingungen die angebotene Kleidung hergestellt wurde oder ob Produkte aus artgerechter Tierhaltung stammen. Vier von fünf Verbrauchern gaben an, beim Einkaufen inzwischen öfter auf Nachhaltigkeit zu achten als im Jahr zuvor. Und 69 Prozent der Befragten zeigten sich bereit, für Nachhaltigkeit einen Aufpreis zu bezahlen. Ähnliches Bild bei einer Umfrage von Capgemini. Hier sagten 64 Prozent der Befragten, sie fühlten sich rundherum zufrieden, wenn sie ein nachhaltig hergestelltes Produkt kaufen.
Trotz solch beeindruckender Zahlen zog die Diskussion an der Kommunikations- und Medienbranche bislang vorbei. Dabei beeindruckt ein umweltbewusstes Verhalten nicht nur den Endverbraucher, sondern wirkt an vielen Stellen. Man empfiehlt sich beispielsweise auch Nachwuchskräften als attraktiver Arbeitgeber und zeigt sich im B2B-Bereich als vorausschauender Geschäftspartner. In Deutschland hat dies jetzt die Agentur Serviceplan erkannt, die vor wenigen Wochen die „WeGreen-Initiative“ startete. Noch in diesem Jahr sollen alle Standorte in Deutschland klimaneutral werden, im nächsten Jahr die übrigen weltweiten Niederlassungen. Man trage nicht nur Verantwortung für Kunden und Mitarbeiter, sondern auch für kommende Generationen, so Agenturchef Florian Haller.
Die Unternehmensgruppe Weischer hat sich schon lange dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben. Weischer ist beispielsweise UN Supporting Partner und hat unter anderem die globale Kampagne kreiert, mit der die Vereinten Nationen zur Erreichung ihrer 17 Nachhaltigkeitsziele aufrufen. Nach einer mehreren Monate dauernden Planungsphase kann Weischer seit Juli dieses Jahres seinen Kunden die Durchführung klimaneutraler Out-of-Home Kampagnen anbieten. Dazu wurde das Produkt Weischer.Green gelauncht. Als Basis hierfür wird ein nachhaltiger KPI geschaffen: der Tausender-Kontakt-Emissionswert (TKE), der den CO2-Austoß einer Kampagne ins Verhältnis zur erlangten Reichweite setzt. Um diesen Wert so gering wie möglich zu halten, ermittelt Weischer im ersten Schritt die Emissionen des geplanten Werbeauftritts. Nach dieser Hochrechnung wird die Kampagne nachhaltig ausgesteuert, wozu beispielsweise die Auswahl umweltfreundlicher Werbeträger zählt. Schritt drei zielt darauf ab, den nicht reduzierbaren CO2-Abdruck durch eine Investition in Umweltprojekte zu kompensieren.
Als erster Kunde machte der Öko-Anbieter ENTEGA von diesem innovativen Media-Angebot Gebrauch. Seit zehn Jahren veröffentlicht ENTEGA jährlich seinen ökologischen, sozialen und ökonomischen Fußabdruck in einem Nachhaltigkeitsbericht. Jetzt wirbt ENTEGA noch bis Dezember auf Außenwerbeträgern in Hessen und Rheinland-Pflaz für ein neues, umweltfreundliches Produktbundle – und das klimaneutral.
Ein glaubwürdiger 360-Grad-Ansatz
Umweltgerechtes Verhalten ist also nicht nur für das Endkundengeschäft ein wichtiger Faktor. Sondern auch im B2B-Bereich. Denn erst damit wird aus einem nachhaltigen Engagement ein glaubwürdiger 360-Grad-Ansatz. Und das Thema wird weiter an Relevanz zulegen, woran auch die weltweite COVID-19 Pandemie nichts ändern wird. Im Gegenteil: Umfragen zeigen, dass Verbraucher nach Ende der Krise beim Konsum verstärkt auf Nachhaltigkeit achten wollen. Höchste Zeit also, beim Einsatz von Kommunikationsmaßnahmen darauf zu achten.
Stand: 08.12.2025
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*Udo Schendel ist Geschäftsführer von Weischer.JvB