Unternehmenskultur

Serendipity – Innovationen mit dem Prinzip Zufall

| Autor / Redakteur: Christoph Drebes / Lena Höhn

Technologien sind nicht immer planbar, sie benötigen mitunter oft den Faktor Zufall.
Technologien sind nicht immer planbar, sie benötigen mitunter oft den Faktor Zufall. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Technologische und operative Neuerungen werden laufend benötigt – sind aber nicht immer planbar. Mitunter bedingen sie überraschende Entdeckungen und damit den Faktor Zufall. „Serendipity“ unterstützt die zufällige Entdeckung von Ideen im Hinblick auf Technologien und Marketing.

„Serependity“ bezeichnet eine überraschende Entdeckung von nicht konkret Gesuchtem. Die Speerspitze der auf diese Weise entstandenen Innovationen dürfte das Internet sein *. Weitere Produkte und Ideen, die letztlich per Zufall und in einem Moment entdeckt wurden, als an etwas völlig anderem geforscht wurde: Die Mikrowelle, Röntgenstrahlen und Penicillin, ebenso der Sekundenkleber und der Klettverschluss. Mindestens genauso interessant wie der Blick auf das Ergebnis ist die Betrachtung „von oben“: Serendipität, das hat auch zu tun mit dem Aufbrechen von Silodenken. Dieser Ansatz führt zu Kommunikation auf Augenhöhe, und zwar über verschiedene Ebenen hinweg. Im Idealfall werden Hierarchien neu strukturiert oder gleich ganz aufgelöst. Daraus resultiert eine veränderte Unternehmenskultur.

Kreativräume zur Prozessförderung

Unternehmen können aktiv etwas dafür tun, entsprechende Prozesse zu fördern: Indem sie Kreativräume anbieten. Was während der Aufklärung die Kaffeehäuser waren – nämlich Ideenküchen, wo Akteure aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenkamen – wird heute auf digitale Plattformen verlagert. Der persönliche Kontakt darf aber nicht verloren gehen. Unternehmen tun daher gut daran, Communities ins Leben zu rufen, die ein Miteinander im echten Leben fördern. Gemeinsam neue Ideen entwickeln – das kann ganz unerwartet beim Mystery Lunch mit einem Kollegen geschehen, den man vielleicht vorher gar nicht kannte. Im nächsten Schritt können abteilungsübergreifende Projekte folgen.

Die Chance auf echte Neuerung erhöht sich damit erheblich. So kann eine heute Unterhaltung zwischen Kollegen beim Mittagessen oder beim gemeinsamen Kaffee zur großen Innovation von morgen führen. Somit wird erst das Zusammenführen von Puzzleteilen zum Durchbruch für etwas, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Welche Kontakte genau wichtig sein werden und wo große Ideen entstehen, die Entscheidendes verbessern, ist in der Regel nicht auf lange Sicht vorherzusagen. Unternehmen tun folglich gut daran, dem Prinzip Serendipity eine Chance zu geben.

Auch das Marketing lebt von Serendipity

Eine zentrale Rolle spielt Serendipity nicht nur für die Entwicklung von Produkten und Technologien, sondern genauso bei Kreativprozessen und damit insbesondere in Bereichen wie dem Marketing. Dies gilt gerade im digitalen Zeitalter, in dem das Marketing auf die Kraft der Überraschung setzt. Geistesblitze und erleuchtende Ideen sind gefragt, um sich von der Masse derer abzuheben, die sich im Markt positionieren wollen. Dennoch ist selten gleich die erste Idee der große Wurf – oft gelingt der Durchbruch erst in einem der folgenden Schritte. Hier ist es notwendig, Standards zu schaffen, die positiven Überraschungsmomenten den Boden bereiten. Denn Kreativität benötigt nicht nur einen gewissen Freiraum, sondern auch ein Maß an Stabilität und Struktur.

Was Unternehmen tun können, um Serendipity zu fördern:

  • Digitale Communities anbieten als Grundlage für reale Kontakte zwischen Mitarbeitern
  • „Mystery Lunch“: Gemeinsame Touchpoints zwischen Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen schaffen – etwa durch Plattformen, die Blind Dates beim Mittagessen ermöglichen
  • Brainstorming Sessions: Austausch über Abteilungsgrenzen hinweg in Brainstorming- oder Feedback Sessions fördern – etwa durch Plattformen, über die ein Projektleiter neue Kollegen aus anderen Abteilungen mit einem bestimmten Wissen oder Hintergrund „per Zufallslos“ zu einem Meeting hinzuziehen kann
  • „Job Shadowing“: Ein Mitarbeiter schaut einem Kollegen aus einer anderen Abteilung für einen Tag über die Schulter.
  • Reverse Mentoring: Neue und jüngere Kollegen einer Organisation agieren als Mentor für Führungskräfte und Entscheider beim Einsatz digitaler Technologien oder geben Einblicke, wie ihre Generation tickt.
  • Räumlichkeiten für bessere Vernetzung anbieten – das können zum Beispiel Kaffeeküchen sein.

Wenn Firmen Raum schaffen für Kreativität und Vernetzung, geben sie dem Zufall eine Chance. Und investieren in die eigene Zukunft. Es ist sinnvoll und notwendig, diesen Prozess aktiv zu gestalten.

* Wie Serendipity zur Erfindung des Internet führte
Aus immer mehr Publikationen resultierte Ende der 1980er Jahre am Kernforschungszentrum Cern eine regelrechte Informationsflut. Um dieser Herr zu werden, hat ein junger Forscher namens Tim Berners-Lee die Idee eines Hyperlinks entwickelt. Außerdem entstanden die Sprache HTML, ein Browser zum Lesen der Dokumente und das HTTP-Protokoll. Dass daraus einige Zeit später das Internet hervorgehen würde, war weder die Absicht noch das Ziel der damaligen Forschung. Es war eher dem Zufall zu verdanken. Und der Tatsache, dass Berners-Lee seine Entdeckungen teilte mit anderen, die sie weiter ausfeilten und schließlich zur Marktreife brachten.

Christoph Drebes ist Geschäftsführer von Mystery Lunch.
Christoph Drebes ist Geschäftsführer von Mystery Lunch. (Bild: Mystery Lunch)

Über den Autor Christoph Drebes ist Geschäftsführer der Mystery Minds GmbH. Durch Matching-Tools wie Mystery Lunch unterstützt das 2014 gegründete Start-up dabei, persönlichen Austausch in der digitalen Welt zu schaffen. Mystery Minds ermöglicht das Arbeiten in Netzwerken und legt damit die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung von Innovationen und für den Erfolg von Unternehmen.

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