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Belastungsstörungen So stärken Sie Ihre mentalen Abwehrkräfte

Autor / Redakteur: Dr. Mehran Khazami / Georgina Bott

Harte Deadlines, hohe Ziele und ein forderndes persönliches Umfeld – viele Menschen fühlen sich den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zwängen immer weniger gewachsen. Ausfälle durch Belastungsstörungen werden immer häufiger. Mit diesen Übungen kann man den Alltagsängsten entgegenwirken.

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Immer häufiger sind Arbeitnehmer überlastet und fallen dadurch sogar aus. Diese einfachen Tricks helfen dabei, dem entgegenzuwirken.
Immer häufiger sind Arbeitnehmer überlastet und fallen dadurch sogar aus. Diese einfachen Tricks helfen dabei, dem entgegenzuwirken.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Es sind Nachrichten, die aufhorchen lassen: Laut der Krankenkasse DAK-Gesundheit hat sich die Zahl der Arbeitnehmerfehltage aufgrund von seelischen Leiden und Erschöpfungserkrankungen in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht. Psychisch bedingte Ausfälle hatten demnach 2016 einen Anteil von 17 Prozent am Gesamtkrankenstand. Damit einher gingen die längsten Ausfalldauern. Für die Betroffenen bedeutet die Krankheit oftmals Stigmatisierung und Ausgrenzung durch die Kollegen, obwohl sich 47 Prozent der Deutschen am Arbeitsplatz überfordert fühlen – zu schnell dreht sich für sie die Spirale der digitalen Modernisierung und zunehmenden Ausdifferenzierung ihrer Jobprofile. Überdies klagt zum Beispiel jeder zehnte Arbeitnehmer über anhaltende Schlaflosigkeit. Besonders brisant: Die Betroffenen sind meist besonders engagierte und pflichtbewusste Angestellte.

Um sogenannten Belastungsstörungen und -ängsten frühzeitig entgegenzuwirken, hilft es Einblick in die menschliche Evolution zu nehmen. Denn wann immer Lebensgefahr droht, entstehen Kampf- oder Flucht-Ambitionen (Fight or Flight Response), die zum Ausstoß von Stresshormonen führen – eine Tatsache, die vor dem Kontext der florierenden Wirtschaft noch an Bedeutung gewinnt. Doch weder Kampf- noch Flucht helfen in der modernen Arbeitswelt weiter. Im Gegenteil: Beide Reaktionen steigern das Stress- und Angstlevel und können auf Dauer zu schwerwiegenden Depressionen führen.

Gut entspannt ist halb gewonnen

Um mentale Widerstandsfähigkeit gegen Angstzustände aufzubauen, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten. Zur kurzfristigen Entspannung empfehlen sich zum Beispiel folgende Übungen:

Luft holen
So simpel es klingt, wer in Stresssituationen tief ein -und ausatmet und den Körper dabei bewusst in Bewegung bringt, löst körperliche Anspannungen und stärkt sein Körpergefühl.

Der Blick von außen
Angstgefühle sind körperliche Empfindungen, die sich auf bereits vorhandene Erfahrungen und der daraus entstandenen Konditionierung des Gehirns zurückführen lassen. Es hilft, sein Bewusstsein darüber zu schärfen und sich selbst von außen als physisch im Raum stehende Person zu betrachten, deren Organismus mit Stresshormonen durchflutet ist. Diese aktive Wahrnehmung des eigenen Körpers hilft die akute Identifikation mit dem Angstgefühl aufzulösen.

Normalität empfinden
Auch wenn wir uns in Krisen als einzelne Person auf uns selbst zurückgeworfen sehen, stehen wir in der Regel mit unseren Gefühlen und Erfahrungen nicht alleine da: Bei etwa siebeneinhalb Milliarden Menschen darf man sicher sein, dass Tausende zeitgleich ähnliche Situationen erleben.

Sicherheit spüren
Bei genauer Betrachtung entpuppen sich die meisten Bedenken aus der Vergangenheit als hinfällig. Dementsprechend sind akute Sorgen nur Glaubenssätze und entsprechen meist nicht der Wahrheit. Egal welche Aufgabe: Wenn alles getan wurde, um diese nach besten Wissen und Gewissen zu meistern, gilt es loszulassen. Manches liegt nicht in unserer Hand und ist nicht bestimmbar.

Kompass neu ausrichten
Sorgen und Ängste entstehen, weil unser Denken auf das Versagen konzentriert ist. Viel wichtiger ist es aber, seine Gedanken und Handeln auf das Gelingen auszurichten – besonders dann, wenn hohe Komplexität und enge Zeitschienen zur Aufgabenbewältigung vorhanden sind. Oftmals hilft die kurze Verschriftlichung von positiven Zwischenständen, um den Fokus des Gehirns zu verändern.

Belastungsstörungen sind keine Charakterschwäche

Wer an länger anhaltenden Belastungsstörungen leidet, sollte sich unbedingt professionelle Hilfe suchen, um sich seinen Gefühlen nachhaltig stellen zu können. Ein Therapeut oder Coach kann dabei helfen, durch wiederholte Übungen in konkrete Angstzustände einzutauchen und dem Verstand etwas Greifbares zum Denken und Analysieren zu geben – anstatt sich ständig mit der „Unmöglichkeit einer Situation“ zu befassen. Entscheidend ist dabei, sich selbst gut zu beobachten und folgende Fragen zu stellen: Ist das Empfinden ein Druck oder eine Spannung? Wie äußert sich der Schmerz, hart oder weich? Kalt oder warm?

Unabhängig von der Art der Belastungsstörung: Es ist wichtig, auf sein eigenes körperliches und geistiges Wohlbefinden zu achten. Jeder Mensch hält unterschiedlichen Anforderungen stand, weswegen Belastungsstörungen keine Charakterschwächen darstellen. Diese Einsicht setzt sich in unserer heutigen Leistungsgesellschaft auf Grund der hohen Betroffenendichte mittlerweile langsam durch.

Dr. Mehran Khazami ist Gründer und Inhaber der DK International Akademie in München.
Dr. Mehran Khazami ist Gründer und Inhaber der DK International Akademie in München.
(Bild: DK International Akademie)

Über den Autor

Dr. Mehran Khazami ist Gründer und Inhaber der DK International Akademie in München. In dieser Funktion leitet er die Entwicklung des Instituts und hält auch selbst Kurse zum „Personal Change Management“.

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