Business-Transparenz im B2B

Systematisch nachhaltige B2B-Produkte denken

| Autor / Redakteur: Jörg Walden * / Annika Lutz

Kundenanforderungen in den Bereichen Umwelt und Soziales werden immer höher – auch im B2B-Umfeld.
Kundenanforderungen in den Bereichen Umwelt und Soziales werden immer höher – auch im B2B-Umfeld. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Was macht eine „gute“ Unternehmensentscheidung aus? Warum sollten Anforderungen an Transparenz im Hinblick auf Compliance und Nachhaltigkeit heute bereits in Produktdesign und Produktentwicklung mitgedacht werden? Dieser Beitrag verrät es Ihnen.

Internationale Regulierungen und Kundenanforderungen zu Compliance in den Bereichen Umwelt, Soziales und Materialien verstärken sich zusehends. Dies betrifft auch schon länger weite Teile des B2B-Umfelds – insbesondere dann, wenn es sich um komplexe Fertigungsschritte oder Lieferketten handelt. Unternehmen sehen sich hier zunehmend vor der Herausforderung, übergreifende Transparenz zu schaffen: innerhalb der Organisation genauso wie im Hinblick auf Produkte, Lieferantenbeziehungen und Wertschöpfungsketten.

Gerade weil die Herausforderungen so komplex sind und sich zudem kontinuierlich ändern und erweitern, ist es nötig, Prozesse und Produktlebenszyklen zu digitalisieren. Nur so können Themen wie Risiko, Compliance oder Nachhaltigkeit effizient und über die allgegenwärtigen internen Silos gemanagt werden. Darüber hinaus ist das auch eine Voraussetzung für Innovationen.

Hier entstehen ganz neue Geschäftsmodelle, weil materielle und immaterielle Güter verschmelzen. Wie dies in der Praxis aussieht, verdeutlicht das Beispiel des Elektronikkonzerns Philips, der am Amsterdamer Flughafen anstatt Lampen zum Kauf, Lichtkapazität zur Miete anbietet. Im Rahmen des Circular Lighting Service-Modells wird die Wiederverwertung der Komponenten sowie die Rückverfolgbarkeit von der Herstellung bis zur Wiederverwendung ermöglicht.

Damit solche Projekte auch im B2B Umfeld Schule machen, müssen Produkte und deren Lebenszyklen vollständig und strukturiert digitalisiert werden, also mitsamt ihrer Rohstoffkomponenten und der vollständigen Lieferkette. Hierzu bedarf es zwingend den Einsatz von Technologien wie systemischen digitalen Zwillingen, die nicht nur einzelne Produkte, sondern gesamte Produktsysteme abbilden.

Diese Simulationsmodelle bilden physische Objekte ab – verändern sich diese in der Realität, bringt sich auch der Zwilling auf den neuesten Stand. Es ist diese Form der Transparenz, welche die Grundlage für gute Unternehmensentscheidungen im Sinne einer „Business Transparency“ schafft.

Dadurch lässt sich zugleich vorausplanen, wie ein Produkt nach seiner Nutzung wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt beziehungsweise recycelt wird. Soll dies wie in einer Kreislaufwirtschaft systematisch vonstattengehen, ist es nötig, bereits in der Entwicklung und in der Produktdesign-Phase alle genutzten Ressourcen und die Lebensdauer der Materialien mitzudenken, um den späteren Rohstoffwert und die Verfügbarkeit bei Wiedernutzung berechnen zu können.

Beispiel Automobilwirtschaft: Für die kommenden Akkugenerationen der Elektroautos werden die Automobilkonzerne bereits während der Entwicklung den vollständigen Lebenszyklus durchspielen, damit etwa seltene Rohstoffe aus Batterien nach der Nutzung wieder in neuen Produkten zum Einsatz kommen.

Da es sich bei solchen digitalen Zwillingen um hochsensible Daten in Wertschöpfungsnetzwerken handelt, werden Datensicherheit, Vertrauen in die Richtigkeit und Kontrolle über die Datenhoheit durch den Bereitsteller entscheidend sein, wenn man die enormen Vorteile nutzen möchte. Blockchain-Technologien werden deshalb eine zentrale Rolle spielen, weil sie Stand heute diese entscheidenden Fragen am effizientesten beantwortet können.

In der Blockchain wird jede Transaktion verzeichnet und mit der vorangegangen verbunden. Durch die kontinuierlich wachsende Kette von Informationen können Nutzer den Weg von der Materialquelle bis zum Verkauf an Endkunden lückenlos nachvollziehen. Zugleich haben Unternehmen über die Technologie die Möglichkeit, den Grad der Transparenz je nach Bedürfnissen ihrer Stakeholder zu justieren. So könnten beispielsweise ausgewählte Partner in der Lieferkette Zugang zu definierten Datenpaketen wie etwa zu CO2-Emissionen oder zu – für Compliance-Prozesse relevanten – Schadstoffen in Produkten erhalten. Ebenso können in Fällen von Problemen beispielsweise Rückverfolgungen von Verunreinigungen in Lebensmitteln von Tagen auf Sekunden reduziert werden. Ein wesentlicher Vorteil bei der kontinuierlichen Verbesserung von Produkten und dem Schutz der eigenen Marke.

Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und Geschäftsmodellen

Studien zeigen, dass Unternehmen, die von Stakeholdern als nachhaltig wahrgenommen werden, eine höhere Markenbindung und Brand Loyalty verzeichnen. Werden Klimaschutz oder etwa nachweislich faire Arbeitsbedingungen als Wettbewerbsfaktor bewertet, bildet Transparenz in Materialströmen und komplexen Produktsystemen die notwendige Basis.

Das wirtschaftliche Potential ist enorm: Wie Zahlen der Europäischen Kommission zeigen, können Unternehmen ihre Kosten in der Kreislaufwirtschaft bis 2030 um bis zu 600 Milliarden Euro senken. Zudem könnten 580.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die unabhängige Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) kam allerdings zu dem Schluss, dass bei Investitionsgüterunternehmen Nachholbedarf besteht, wenn es um das Erfassen, Offenlegen und Verarbeiten von Daten zur Emission von Treibhausgasen in der Lieferkette geht. Zugleich nehmen die Themen Compliance und Nachhaltigkeit derzeit jedoch einen hohen Stellenwert ein. Die meisten Unternehmen wollen ihre Investitionen in den beiden Bereichen ausbauen, wie eine weitweite Trend-Umfrage zeigt.

Für strategische Entscheider aus Marketing und Business Development bietet sich daher eine Chance, die ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen von Produkten und Prozessen zu bewerten und zugleich Risiken zu steuern. In einer Welt mit begrenzten Ressourcen können sie so fundiertere Entscheidungen treffen und in Unternehmen die Entwicklung und Vermarktung nachhaltigerer Produkte vorantreiben.

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03.04.18 - Im Zuge der Digitalisierung hat sich dank technologischer, kultureller und sozialer Trends die Beziehung zum Kunden drastisch verändert. Die Verbraucher sind anspruchsvoller, ihre Erwartung an relevante Kommunikation, Transparenz und Authentizität extrem hoch. lesen

*Jörg Walden ist Gründer und CEO der iPoint-systems GmbH.

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