Digital Life Design 2025 Wenn Agenten übernehmen

Ein Kommentar von Jochen Kalka* 4 min Lesedauer

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Die DLD Conference – Digital Life Design – dreht das Thema Künstliche Intelligenz weiter. Auf der renommierten Digital-Experten-Konferenz, die im Januar in München stattfand, diskutierten Hunderte von internationalen Speakern vor allem über Agenten, also die nächste Stufe der KI.

Alles andere als Discount – die DLD Conference überzeugte auch 2025 durch qualitativ hohe Inhalte. (Bild:  Jochen Kalka)
Alles andere als Discount – die DLD Conference überzeugte auch 2025 durch qualitativ hohe Inhalte.
(Bild: Jochen Kalka)

Schlussverkauf bei Woolworth in den 70ern. Alles muss weg! Ja, die Optik der diesjährigen DLD erinnerte stark an Ramschverkäufe, provokativ-plakativ im alten Stil der Mad Men. Dieses Design zog sich durch alle Kommunikationsmaßnahmen, von den Einladungen über die Programme bis zur Dekoration. Doch die Qualität der Inhalte von gut 150 Sessions war alles andere als billig. Vor allem ging es abermals um Künstliche Intelligenz.

Während vor einem einzigen Jahr noch viel geträumt wurde, viel fantasiert wurde, war die DLD Conference diesmal konkreter denn je, was die Umsetzung der Künstlichen Intelligenz betrifft. Davon können gerade auch B2B Kommunikationsprofis profitieren, nicht nur im Marketing, sondern beispielsweise in der Vermarktung und im Vertrieb.

KI arbeitet für B2B Marketer

„Get IA to work“, sagte etwa ein Google-Manager, also „Bringe die künstliche Intelligenz in deine Arbeit“, integriere sie, bringe die Tools dazu, dass sie eigenständig handeln, dass sie komplexe Aufgaben lösen. Und genau diese Tools, die neusten Helferlein von morgen, die an allen Ecken entstehen, sind die Agenten, die übrigens kräftig dafür sorgen werden, dass der Fachkräftemangel in Deutschland zu einem großen Teil kompensiert werden kann.

Wer als Unternehmen mit Vertrieb zu tun hat – und wer hat das nicht? – wird in den nächsten Monaten von Agenten überrannt werden. Mit Google etwa kann man schon erste Dinge dieser schönen neuen KI-Agentenwelt kostenlos ausprobieren, bei Notebook LM. Aber erst Ende Januar wird dieser Agent ein ausgebildeter 007 sein, denn dann wird für die EU das Tool auch DSGVO-konform zu handeln sein. Und das sollte man abwarten, wenn man mit sensiblen Kundendaten operiert.

Auf die Fütterung kommt es an

Was solche KI-Tools wie Notebook LM im Alltag eines Unternehmens können? Das liegt in erster Linie daran, wie sie gefüttert werden. Mit unternehmenseigenen Inhalten, mit vertrauensvollen Quellen, Arbeitsanweisungen, den endlosen Tarifen, die Unternehmen ihren Kunden anbieten, mit Studien, Ausarbeitungen, was auch immer die Schreibtische bisher flutete. Selbst Video- und Sprachnachrichten, Podcasts, Fotos: Alles lässt sich laden.

Aus diesen individuell gefütterten Notebooks greifen sich dann KI-Agenten ihre Informationen, um alles so aufzubereiten, dass sich die Arbeit zukünftig fast schon von selbst machen soll, so der Plan der Agenten aufgeht. Heißt, der Vertrieb muss keine Dokumente mehr über potenzielle Kunden scannen, sondern kann sich Zusammenfassungen machen lassen. Und das, wenn er will, in einfacher Sprache.

KI macht Witze im Job

Das alles scheint noch nicht so überraschend, auch wenn hier viel mehr Energie darin steckt, als es zunächst anmutet. Denn die aufbereiteten Informationen lassen sich auch in perfekt moderierten, automatisierten Podcasts umsetzen – inszeniert etwa als Dialog zwischen einer absolut perfekt menschlich sprechenden Frauenstimme und der eines Mannes. Der Mitarbeiter, etwa im Vertrieb, kann dabei Fragen stellen, auf die diese KI-Stimmen eingehen, als wäre man mitten in einem Gespräch.

So kann man sich inhaltlich auf kommende Kundengespräche vorbereiten, sich Wissen für den Job schneller denn je aneignen. Die Stimmen bauen sogar mal einen Witz ein oder sagen ganz menschliche „Ähms“. Die zusammengefassten Inhalte: unglaublich professionell.

Für komplexe Abläufe, gerade bei Unternehmen mit einem regelrechten Tarifdschungel, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, eine historische Chance. In diesem Bereich wird KI von einigen Playern bereits genutzt und dies mit, wie man auf dem DLD hörte, grandiosen Effekten.

KI ist also nicht mehr nur Chat GPT, das mal einen simplen Text für eine Kondolation verfassen kann. KI ist Anwendung, Umsetzung, Vereinfachung. KI ist Qualitätssteigerung, Schnelligkeit, Hilfe. Es gehe nicht mehr nur darum, Menschen produktiver zu machen, sondern auch die Technologie, sagt der Google-Manager. User Interfaces müssen einfacher werden, fordert er zurecht. Damit neue Mitarbeiter bei neuen Firmen noch schneller loslegen können – und zwar mit komplexesten Themen.

Future Positive

Die Schattenseite der Künstlichen Intelligenz, der gigantische Energieverbrauch, war ebenfalls ein Schwerpunktthema der DLD. Es herrsche die dringende Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Geschäftspraxis, sagte André Hoffmann von Roche und betonte die Verflechtung von Mensch, Natur und Wohlstand. Es gehe darum, den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt anzugehen und gleichzeitig einen hoffnungsvollen Ausblick für künftige Generationen zu bewahren.

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Das Motto der DLD, die zum 20sten Mal stattfand, hieß schlicht „Future Positive“. Das war nicht nur eine Floskel in Ramschtisch-Optik, das war Postulat, Aufruf, Challenge. Steffi Czerny, Initiatorin und Grande Dame des DLD, sprach ihre rund 3000 Gäste, die „positiven Menschen“, explizit an, positiv zu denken, positiv zu handeln, ihre Inspirationen, Ideen zu teilen, die Mitarbeiter und Nachbarn positiv zu infizieren, „wir müssen ihnen Optimismus geben!“

*Dr. Jochen Kalka ist Mitglied der Geschäftsführung bei der Agentur schoesslers.

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