Interview „Handel in Zeiten der Digitalisierung“

Werden sich die Grenzen von E-Commerce und stationärem Handel auflösen?

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Stichwort Kundendaten: Offline sowie Online sammeln sich so einige Daten zu den einzelnen Kunden an. Wie können diese sinnvoll zusammengeführt und weiterverwendet werden?

Kundendaten sind wichtig, um den Kunden langfristig zufriedenzustellen und die Kundenbindung zu erhöhen. Es ist sinnvoll, alle Daten, die ich bisher über meinen Kunden gewonnen habe, in einer digitalen Kundendatenbank zusammenzuführen und ständig zu pflegen. Dabei ist vor allen Dingen wichtig, sowohl stationäre Einkäufe als auch online Transaktionen miteinander zu verknüpfen.

Dadurch, dass ich Wissen über den Kunden anhäufe, lerne ich ihn besser kennen und kann gezielter Produkte oder Services wie Rabatte anbieten. Eine E-Mail-Datenbank anzulegen ist eine gute Idee, damit darüber gezielt Marketing betrieben werden kann. So kann man Newsletter und Gutscheine versenden sowie gezielt über Aktionsangebote informieren. Wichtig ist, dass ich kundenspezifisch Produkte auswählen kann und diese dem Kunden sowohl online als auch offline anbiete.

Momentan sprechen alle von der Digitalisierung. Wie wird sich diese auf das Einkaufen in den nächsten Jahren auswirken und was wird sich verändern?

Welche neuen Dimensionen der Veränderung sich durch den E-Commerce auftun, lässt sich kaum vorhersagen. Ebenso wenig, wie es sich vorhersagen lässt, wer auf der Gewinner- und wer auf der Verliererseite steht. Einige stationäre Läden werden verschwinden und andere werden dafür eröffnen. Aber auch im E-Commerce haben es viele schwer, sich gegen Riesen wie Amazon oder Otto zu behaupten. Was man allerdings sagen kann, ist, dass die Customer Journey heutzutage eine andere ist als früher. Produkte werden gezielter ausgesucht und meist erfolgt der Weg von dem Produkt zum Händler und nicht andersherum. Deshalb ist es wichtig, es dem Kunden möglichst einfach zu machen, das Produkt zu finden, ebenso, wie er seine Suche spezialisieren können muss. Menschen sind es gewöhnt, ein Produkt schnell zu erhalten und dies muss, der Einzelhandel ebenfalls berücksichtigen.

In Amerika gibt es die Entwicklung, dass Google Business, Google Maps und Produktanbieter bereits verknüpft sind. Dies wird hier tendenziell auch geschehen.

Schön wäre es, wenn Händler auch lokal kooperieren würden, damit alle Produkte einer Stadt etwa übersichtlich auf einer Plattform zu finden sein würden. Dass alle an einem Strang ziehen, erscheint illusorisch, doch wäre dies der Idealfall. Zentralisierung und Transparenz könnten also Anhaltspunkte in Bezug auf einen zukünftigen Handel sein.

Wahrscheinlich wird die Unterscheidung zwischen E-Commerce und stationärem Handel zunehmend verschwimmen, wobei die stationären Flächen weiterhin wichtig bleiben, aber deren Nutzung nicht nur auf Einkauf beschränkt bleibt. Des Weiteren werden Mobile- und Audiotechnologien verstärkt als Anfangspunkt bei Produktsuche, -findung und -einkauf eingesetzt.

Über den Interviewpartner

Christoph Brem ist Gründer und CEO von INVENTORUM, einer SaaS Lösung für den Point of Sale, welche eine intuitive Digitalisierung des örtlichen Einzelhandels ermöglicht.
Nach seinem Ingenieurstudium in Hamburg und Praxiserfahrung in der Logistik für die Flugzeugwartung der Lufthansa AG, zog er 1996 nach Seattle um dort seinen MBA in Operations and Manufacturing Management zu absolvieren. Direkt im Anschluss war er für Ernst&Young im Management Consulting tätig und erlebte den Internetboom der 90er Jahre bei Cisco, HP und AT&T Wireless mit. Danach war Brem maßgeblich am Aufbau diverser Startups wie 2Roam, FocusFrame und Attributor beteiligt und gründetet 2002 sein eigenes Consulting-Startup. Nach 16 Jahren in den USA zog er mit seiner Familie zurück nach Deutschland und gründetet 2012 INVENTORUM.
Christoph Brem ist gefragter Redner und Diskussions-Teilnehmer zu Themen wie digitale Innovationen in der Warenwirtschaft, Online Payment, E-Commerce und digitale Transformation des Handels.

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