B2B Sichtbarkeit in der KI-Suche stärkenWie ChatGPT & SEO im B2B zusammenspielen
Ein Gastbeitrag von
Tobias Gabel*
5 min Lesedauer
ChatGPT verändert das Suchverhalten auch im B2B Bereich. Doch wie wirkt sich das auf SEO aus – und was sollten Unternehmen jetzt beachten? Ein Einstieg ins Thema der KI-Suche.
Inhalte, die auf renommierten und themenrelevanten Plattformen erscheinen, gelten für die KI als verlässlicher.
Generative KI-Modelle wie ChatGPT verändern, wie Informationen gesucht, gefunden und verarbeitet werden. Im B2B-Bereich hat das weitreichende Folgen: Nutzer erwarten konkrete, fundierte Antworten statt einer langen Liste von Links. Die klassische SEO-Welt steht dadurch vor einem Paradigmenwechsel. Wie also lassen sich ChatGPT und SEO vereinen?
Was ist ChatGPT-Search?
Um sich der neuen Suche zu nähern, gilt es zunächst zu verstehen, was die ChatGPT-Search von einer einfachen Suche unterscheidet. Statt einfacher Linkausgabe generiert ChatGPT Antworten in natürlicher Sprache. Dabei werden Inhalte aus einem großen Sprachmodell sowie Live-Webdaten kombiniert. Die Suchintention steht im Vordergrund – nicht das bloße Keyword.
Einfach erklärt ist ChatGPT ein Programm, das Texte versteht und selbst schreiben kann.
Es wurde mit sehr vielen öffentlich verfügbaren Texten „trainiert“ – zum Beispiel von
Webseiten,
Büchern,
wissenschaftlichen Artikeln und
Internetforen
Dabei hat es gelernt, wie Menschen Sprache verwenden. Welche Wörter oft zusammen vorkommen, wie Sätze aufgebaut sind und wie man auf bestimmte Fragen antwortet. Wenn man ChatGPT etwas fragt, sucht es nicht nach einer festen Antwort. Stattdessen „überlegt“ (errechnet) es, welches Wort oder welcher Satz am besten passt – so, wie Menschen beim Sprechen auch automatisch die nächsten passenden Wörter wählen. Die Antworten entstehen also nicht durch Nachschlagen, sondern durch Wahrscheinlichkeiten: Was ist vermutlich die passendste Fortsetzung des Gesprächs?
SEO trifft auf KI: Was bleibt, was kommt?
Suchmaschinen verändern sich laufend – mit KI-gestützten Tools wie ChatGPT oder Google SGE (Search Generative Experience) entstehen neue Formen der Informationssuche, welche dennoch auf klassischen SEO-Prinzipien beruhen. Gleichzeitig verschieben sich Prioritäten, insbesondere im Hinblick auf die Verarbeitung durch KI-Modelle.
Auch wenn sich die technischen Möglichkeiten von generativen KI-Modellen stetig verändern und immer besser werden, gehen wir als SEO-Dienstleister nach derzeitigem Wissensstand davon aus, dass jedenfalls folgende Parameter langfristig relevant bleiben werden:
Struktur (z. B. H1–H3, Meta-Tags): Eine saubere Seitenstruktur mit klarer Hierarchie hilft sowohl Menschen als auch Maschinen, Inhalte besser zu erfassen. Überschriften (H1–H3) gliedern den Text logisch, Meta-Tags liefern Suchmaschinen zusätzliche Kontextinformationen. Struktur erleichtert auch KI-Systemen das Verstehen von Themen und Zusammenhängen.
Prägnanz (kurze, klare Antworten): Texte sollten auf den Punkt gebracht werden. Klare Aussagen in kurzer Form werden eher aufgegriffen – sei es in Featured Snippets oder durch KI-Ausgaben. KI bevorzugt eindeutige, direkt nutzbare Informationen, die sich leicht extrahieren lassen.
Lesbarkeit (Absätze, Bulletpoints, einfache Sprache): Gut lesbare Inhalte – mit Absätzen, Aufzählungen und klarer Sprache – erhöhen die Nutzerfreundlichkeit. KI-Modelle bewerten Inhalte auch nach Klarheit und Struktur – ähnlich wie menschliche Leser.
Neutraler Stil (sachlich, faktenorientiert): Ein objektiver, faktenbasierter Schreibstil steigert die Glaubwürdigkeit und verhindert Missverständnisse. Künstliche Intelligenz neigt dazu, sachliche Inhalte höher zu gewichten und besser zu verarbeiten. Aber was kommt nun dazu? - Schaffung von Relevanz für KI-Modelle.
Neben der klassischen Suchmaschinenoptimierung wird nun auch „KI-Optimierung“ wichtiger: Inhalte müssen so formuliert sein, dass sie für Sprachmodelle verständlich, zitierfähig und kontextbezogen sind. Wichtig hierbei zu verstehen ist, dass KI-Modelle Inhalte nicht wie ein Index interpretieren, sondern als sprachliche Muster. Daher sind kontextreiche, gut strukturierte und semantisch klare Texte entscheidend – insbesondere, wenn Inhalte von KI-generierten Antworten zitiert oder empfohlen werden sollen.
Optimierungen in diesem Bereich finden sich im Fachbereich des „GEO“ – Generative Engine Optimization, wieder.
Generative Engine Optimization (GEO)
GEO meint die Anpassung von Inhalten für KI-basierte Suchsysteme wie ChatGPT. Dabei geht es vor allem darum, relevante Nutzerfragen zu beantworten, Inhalte auf vertrauenswürdigen Plattformen sichtbar zu machen und technische Grundlagen wie strukturierte Daten und Robots.txt korrekt umzusetzen. Die drei zentralen Hebel von GEO sind wie folgt:
1. Nutzerzentrierte Inhalte: Um in generativen Suchsystemen wie ChatGPT berücksichtigt zu werden, müssen Inhalte echte Fragen beantworten, die Nutzer tatsächlich stellen. Dabei geht es weniger um Keywords als um den Kontext, die Absicht und die Verständlichkeit der Antwort.
Einfaches Praxisbeispiel – Ein Unternehmen im Bereich Photovoltaik könnte statt eines allgemeinen Textes über „Solarenergie“ gezielt eine Frage beantworten: „Wie viel kostet eine Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus in Deutschland?“ Eine klare, strukturierte Antwort mit aktuellen Zahlen, zusätzlichen Erläuterungen und optional einem Vergleichsrechner liefert echten Mehrwert – und erhöht so die Wahrscheinlichkeit, von generativen Modellen als relevante Quelle herangezogen zu werden.
2. Sichtbarkeit auf vertrauenswürdigen Plattformen: Inhalte, die auf renommierten und themenrelevanten Plattformen erscheinen, gelten als verlässlicher. Generative Modelle greifen bevorzugt auf solche Quellen zurück, da sie in der Regel besser kuratiert, fachlich fundierter und qualitativ hochwertiger sind.
Stand: 08.12.2025
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Einfaches Praxisbeispiel – Ein Gesundheitsartikel zur Frage „Wie erkennt man Vitamin-D-Mangel?“, der nur auf einem Unternehmensblog veröffentlicht ist, hat geringere Chancen, als relevante Antwort herangezogen zu werden, als derselbe Inhalt, wenn er zusätzlich auf einem anerkannten Medizinportal wie „Netdoktor“ oder einer Universitätswebseite erscheint. Backlinks und Co-Publishing auf vertrauensvollen Seiten stärken also die Reichweite in generativen Systemen.
3. Technische Sauberkeit: Die technische Aufbereitung von Inhalten ist essenziell, damit sie von generativen Systemen überhaupt erfasst und richtig eingeordnet werden können. Dazu zählen unter anderem eine gut konfigurierte robots.txt, strukturierte Daten (Schema.org), Ladegeschwindigkeit und mobile Optimierung.
Einfaches Praxisbeispiel – Ein Online-Shop für Naturkosmetik kann die einzelnen Produktseiten mit strukturierten Daten auszeichnen, z. B. mit Angaben zu Inhaltsstoffen, Bewertungen und Preisen im Schema.org-Format. So erkennt ein KI-System, dass es sich bei der Seite um ein Produkt handelt – und kann gezielt darauf zurückgreifen, wenn eine Nutzerin nach „Naturkosmetik ohne Mikroplastik mit guten Bewertungen“ sucht.
Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen
Die Art und Weise, wie Informationen im Internet gesucht und gefunden werden, verändert sich grundlegend.
Generative KI-Systeme wie ChatGPT ersetzen zunehmend die klassische Suchmaschinenlogik durch dialogbasierte Antworten in natürlicher Sprache. Für Unternehmen im B2B Bereich bedeutet das: Wer gefunden werden will, muss nicht nur für Google, sondern auch für KI denken.
Für B2B Unternehmen bedeutet diese Entwicklung - Inhalte müssen künftig nicht nur suchmaschinenoptimiert, sondern auch KI-kompatibel gestaltet sein. Statt sich ausschließlich auf klassische SEO-Kennzahlen zu fokussieren,
sollten Entscheider verstärkt in kontextstarke, nutzerzentrierte Inhalte investieren, die konkrete Fragen beantworten und auf vertrauenswürdigen Plattformen erscheinen. Eine saubere technische Basis – etwa durch strukturierte Daten, klare Seitengliederung und performante Ladezeiten – bildet dabei das Fundament.
Gleichzeitig gilt es, redaktionelle Prozesse neu zu denken: Inhalte sollten so formuliert sein, dass sie sprachlich klar, strukturiert und semantisch nachvollziehbar sind – nur so können sie von generativen Modellen richtig eingeordnet, zitiert und als hilfreich eingestuft werden. GEO ist damit keine Ergänzung zur klassischen SEO, sondern ein notwendiger strategischer Schritt, um auch in der neuen Welt der KI-basierten Suche sichtbar und relevant zu bleiben.
*Tobias Gabel ist einer der Geschäftsführer und Head of SEO der PulsMedia-Group, einer Agentur für SEO-zentriertes Digitalmarketing mit Schwerpunkt auf Suchmaschinenoptimierung in Zeiten von KI.