Expertenbeitrag

 Stefan Dudas

Stefan Dudas

Business-Experte für Sinngebung, Keynote-Speaker, Autor

Führen auf Distanz Wie Motivation und Produktivität im Home-Office gelingt

Redakteur: Lea Täufer

Mitarbeiter sind für ihre Motivation selbst zuständig. Das stimmt schon. Aber in herausfordernden Zeiten ist alles etwas anders. Da wird es besonders geschätzt, wenn sich der Chef auch mal nach dem Wohlbefinden erkundigt. Aber nicht nur das!

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Arbeiten auf Distanz? So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter.
Arbeiten auf Distanz? So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Dabei wissen Unternehmer und Führungskräfte nicht wirklich, wie es ihren Mitarbeitern im Home-Office geht. Der kleine Bildausschnitt in Zoom oder Teams offenbart nicht das innere Befinden.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Gemäß einer repräsentativen Studie des Forschungsinstituts Link hat sich der Gemütszustand der Schweizer Bevölkerung innerhalb eines Jahres (von Januar 2020 bis Januar 2021) deutlich verschlechtert. Über die Hälfte der befragten Personen sagten, Ängste und Sorgen hätten zugenommen, ein Viertel der Befragten schliefen schlechter. Die Spanne zwischen Schein und Sein wird hier schnell deutlich. Auch wenn wir nach außen natürlich immer alles im Griff haben. Auf die Frage „Bei dir alles klar?" erwarten wir eigentlich nur eine einzige Antwort „Klar doch, bei dir auch?".

Oberflächlich betrachtet nur Vorteile

Wenn Mitarbeiter zuhause aus dem Home-Office arbeiten und nicht mehr zur Arbeit pilgern hat dies oberflächlich betrachtet nur Vorteile. Kein Arbeitsweg, dadurch mehr Zeit und die Umwelt atmet auf. Wunderbar. Schaut man aber etwas genauer hin, kommt man sehr bald zum Schluss, dass Unternehmer und Führungskräfte jetzt handeln müssen. Home-Office zwingt sie das zu tun, was sie eigentlich schon immer machen sollten: Führen. Allerdings auf eine ganz neue Art und Weise. Dabei müssen sie bereit sein für etwas, wofür sie nie ausgebildet wurden.

Meeting vs. Waschmaschine

Der für viele notwendige Schritt ins Home-Office wird häufig glorifiziert. Schattenseiten? Fehlanzeige. Vermeintlich. Denn wenn jemand in einer Dreizimmerwohnung mit zwei Kindern, davon eines noch dazu im Homeschooling, arbeiten soll, ist das eben nicht einfach „gut machbar". Für viele Menschen ist der Druck im Home-Office nicht kleiner als im Unternehmen. Ganz im Gegenteil. Die Kinder, die nicht begreifen, warum Papa zuhause und doch nicht da ist. Die Waschmaschine, die so ganz nebenbei gefüllt wird. In schwachen Momenten auch einmal YouTube oder die neue Clubhouse-App – sie alle buhlen um unsere Aufmerksamkeit und können unseren Fokus schnell zunichtemachen. Dabei sind die Bedenken vieler Führungskräfte, dass die Produktivität im Home-Office leidet, meist unbegründet. Eine Studie mit 16.000 Mitarbeitern („Does working from home work?“) ergab, dass die Menschen zuhause 13 Prozent produktiver sind. Vorausgesetzt sie haben gelernt eine Struktur zu schaffen und werden sich ihrer Selbstdisziplin bewusst. Fehlt das, findet man sich schnell im Pyjama, unrasiert und unfrisiert auf dem Bett mit dem Laptop wieder. Zum Glück werden regelmäßig Online-Meetings durchgeführt. Dies wirkt der Komfortzone entgegen, denn dann muss mindestens das obere Drittel des eigenen Körpers kameratauglich sein.

Führungskräfte haben eine doppelte Herausforderung

Sie müssen ihren eigenen Alltag bewältigen und neu erfinden und gleichzeitig ihre Mitarbeiter auf Distanz führen. Das ist keine einfache Disziplin, die man mit ein paar Tipps intus hat. Führen auf Distanz hat sehr viel mit Kultur und Vertrauen zu tun. Das bedeutet, dass sich möglichst alle zuerst auf ein Mindset-Update einlassen sollten. Das bedingt wiederum, dass sich alle bewusst machen und definieren, wie sie in dieser neuen Situation arbeiten wollen. Welche Kommunikations-Tools für was? Wie verwenden wir Messenger, wann E-Mail oder die Chat-Funktion des Intranets? Zudem sollte man als Führungskraft Ideen im Köcher haben, wie man die Interaktion im Team fördert.

Führungskraft können genau hier punkten

Jede Krise ist eine mentale Herausforderung. Und als Führungskraft ist man eben nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern muss auch stets für seine Mitarbeiter da sein. Geschieht dies unterstützend, wohlwollend und vermitteln Führungskräfte Sinn, bleiben Teams und Unternehmen auch in Krisen leistungsfähig. Wenn der Small-Talk in der Cafeteria entfällt, ist es eben wichtig, dass die Führungskraft diesen virtuell ersetzt – inklusive guter Kommunikation und ernstgemeinter Wertschätzung. Die Unterstützung der Mitarbeiter ist gerade jetzt eine wichtige Führungsaufgabe. Inspirieren Sie diese mit regelmäßigen Info-Snacks. Vielleicht veranstalten Sie spontan so etwas wie einen virtuellen „After Work Drinks". Jetzt ist die perfekte Gelegenheit, die Mitarbeiter ins gemeinsame Boot einzuladen, falls das noch nicht geschehen ist. Sprechen Sie über Kultur, über die Zusammenarbeit, über Chancen und Potentiale in der Zukunft. Legen Sie die coole Maske ab und zeigen Sie sich als Führungskraft so wie sie wirklich sind. Denn gerade in einer Krise wirkt gespielte Coolness nur noch kontraproduktiv.

Und wer motiviert die Führungskräfte?

Es scheint ungerecht. Mitarbeiter solle man motivieren, loben und wertschätzen. Und wer macht das bei der Führungskraft? Führungskräfte sollten nicht darauf hoffen, gelobt zu werden. Vielmehr geht es darum, dass eine gute Führungskraft (wie auch Unternehmer) weiß, warum sie tut, was sie macht. Es geht hier also noch stärker um den Sinn der Arbeit. Hat man dies für sich selbst definiert, ist man weniger auf Lob und Anerkennung von außen angewiesen.

Auf das Mindset achten

In schwierigen Situationen, in denen wir wenig Erfahrung haben und sich vieles verändert, sind Ängste und Unsicherheit vorprogrammiert. Darum ist es wichtig, worauf wir uns fokussieren und wohin wir unsere Denkhaltung bewusst lenken. Liest und hört man im Stundentakt die neuesten Corona-Zahlen und die nächsten frustrierenden Lockdown-Maßnahmen, ist dies nicht der Nährboden für Inspiration und Motivation. Wir sollten etwas kritischer sein bei dem, was wir „da oben" reinlassen, weil es unsere Laune, unsere Energie und damit unsere Leistungsfähigkeit entscheidend beeinflusst.

Und zu guter Letzt DER Tipp an alle Unternehmer und Führungskräfte: Bleiben Sie positiv! Übernehmen Sie die Verantwortung und agieren Sie. Geht mal etwas schief, richten Sie keine Schuldzuweisung an irgendjemanden. Denn das hilft Ihnen nicht und bringt auch Ihren Mitarbeitern nichts. Sie dürfen sagen, was abläuft und müssen die Krise nicht kleinreden. Sie dürfen auch mal Emotionen zeigen, aber Sie sollten, wenn immer möglich, beruhigend und positiv wirken. So gelingt Führung – auch auf Distanz!

*Stefan Dudas ist Leadership-Experte für Sinn in Unternehmen.

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