Influencer-Marketing befindet sich nicht im Niedergang, wie vielerorts diagnostiziert wird. Vielmehr durchläuft es eine Phase tiefgreifender Reifung. Während manche Stimmen vom Tod des Influencers sprechen, zeigt ein genauerer Blick, dass die Branche lebendiger ist, denn je, nur eben deutlich professioneller, strategischer und anspruchsvoller.
Die Influencer-Branche verabschiedet sich von oberflächlicher Reichweitenlogik und entwickelt sich hin zu einem System, das auf Vertrauen, Qualität und messbare Wirkung setzt.
(Bild: Unsplash)
Marken investieren weiterhin massiv in Creator-Kooperationen, doch sie tun dies heute selektiver und mit einem klaren Fokus auf langfristige Wirkung statt kurzfristiger Reichweite. Die Creator Economy entwickelt sich damit zu einem Ökosystem, das stärker auf Authentizität, Performance und nachhaltige Partnerschaften setzt.
So zeigt der Markt trotz der viel diskutierten „Niedergang der Influencer“-These ein deutlich anderes Bild: Influencer Ad Spend ist 2024 um 14 Prozent auf 33 Mrd. USD gewachsen und damit schneller als der gesamte digitale Werbemarkt. Besonders dynamisch entwickeln sich Branchen wie KI-gestützte Produkte und Services, Gesundheit und Wellness, nachhaltigkeitsorientierte Marken, Beauty und Personal Care sowie FinTech-Bildung. In all diesen Segmenten steigt die Nachfrage nach vertrauenswürdigen Creator-Stimmen, die komplexe Themen verständlich machen und echte Nutzungserfahrungen teilen.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das sinkende Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer. Das Publikum ist heute deutlich werbe- und medienkompetenter als noch vor wenigen Jahren. Follower erkennen sofort, wenn ein Creator ein Produkt nur einmalig und ohne echten Bezug bewirbt oder wenn eine Kooperation nicht zur bisherigen Content-Linie passt. Diese wachsende Skepsis ist das Ergebnis einer Branche, die lange Zeit auf Masse statt Klasse gesetzt hat. Creator, die wahllos Produkte bewerben, verlieren an Glaubwürdigkeit, während jene, die ihre Community ernst nehmen und transparent kommunizieren, an Bedeutung gewinnen. Konsumentinnen und Konsumenten wollen nachvollziehen können, warum ein Produkt empfohlen wird, wie es getestet wurde und ob es langfristig überzeugt. Sie erwarten eine Geschichte, keinen isolierten Werbemoment.
Marken reagieren darauf, indem sie verstärkt auf langfristige Ambassadorships setzen. Statt Produkte wahllos an möglichst viele Creator zu versenden, entstehen zunehmend Partnerschaften, die über mehrere Monate oder sogar Jahre hinweg bestehen und sich über verschiedene Kanäle erstrecken – von Instagram und TikTok über YouTube bis hin zu Newslettern oder Paid Ads. Diese Form der Zusammenarbeit ermöglicht eine konsistente Markenbotschaft und stärkt gleichzeitig die Glaubwürdigkeit der Creator. Die Zukunft gehört Kooperationen, die sich organisch anfühlen, weil sie über längere Zeit erzählt werden und nicht wie ein Fremdkörper im Feed wirken.
Parallel dazu gewinnen Micro- und Nano-Influencer weiter an Bedeutung. Ihre Communities sind kleiner, aber deutlich engagierter und vertrauensvoller. Marken erkennen zunehmend, dass ein Creator mit zehntausend hochaktiven Followern oft mehr Wirkung erzielt als ein Star-Influencer mit einer Million passiver Zuschauer. Besonders im Beauty-Segment zeigt sich dieser Trend deutlich. Käuferinnen und Käufer suchen nach ehrlichen, realistischen Einschätzungen und bevorzugen Creator, die Produkte über längere Zeit testen und transparent über ihre Erfahrungen berichten. Ein einmaliger First-Impression-Post reicht längst nicht mehr aus, um Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Auch in Bereichen wie Gesundheit und Wellness, Nachhaltigkeit oder FinTech zeigt sich, dass Micro-Creator besonders wirksam sind, weil sie komplexe Themen glaubwürdig erklären und Communities mit hoher Intent-Qualität erreichen.
Auch die Content-Formate verändern sich. Während kurze Clips auf TikTok weiterhin dominieren, erlebt Longform-Content, insbesondere auf YouTube, eine Renaissance. Vlogs und ausführliche Reviews schaffen Nähe, Kontext und Vertrauen. Creator, die ihr Publikum in ihren Alltag mitnehmen, konvertieren nachweislich besser, weil sie eine tiefere Bindung aufbauen. Die Menschen wollen nicht nur Produkte sehen, sondern Persönlichkeiten verstehen.
Gleichzeitig entstanden in den letzten Jahren klare Formattrends, die das veränderte Konsumverhalten widerspiegeln: Kurzvideos unter 90 Sekunden erzielen die höchsten Interaktionsraten; User-Generated Content und ungefilterte Inhalte übertreffen klassische Markeninhalte häufig; Carousel-Posts bleiben relevant, wenn Zielgruppen strukturierte, schnell erfassbare Informationen bevorzugen; und interaktive Formate wie Live-Streams, Q&As, AR-Filter oder shoppable Content stärken Community-Building und Echtzeit-Engagement.
Stand: 08.12.2025
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Die oft diskutierte Sättigung der Influencer-Landschaft ist weniger ein Problem der Anzahl an Creator als vielmehr ein Problem der Qualität. Kanäle werden nicht durch zu viele Influencer unattraktiv, sondern durch zu viele schlecht integrierte, uninspirierte Werbeposts. Wer jedoch kreative, authentische und gut erzählte Kooperationen umsetzt, kann auch heute noch erfolgreich wachsen – unabhängig von der Followerzahl.
Um Vertrauen zurückzugewinnen, müssen Influencer selektiver arbeiten, langfristige Partnerschaften bevorzugen und ihre Community aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen. Marken wiederum sollten klare Standards, transparente Vergütungsmodelle und messbare Leistungskennzahlen etablieren. Die Zukunft des Influencer-Marketings wird performanceorientiert sein. Creator müssen nachweisen, dass sie nicht nur Reichweite, sondern echte Ergebnisse liefern – sei es in Form von Verkäufen, Engagement oder Conversion Rates.
Dass dies funktioniert, zeigen unsere Case Studies:
McGee & Co. erzielte durch die Integration von Affiliate-Tracking +300 Prozent Influencer-Umsatz, +400 Prozent Impressions und +67 Prozent mehr Creator-Content.
Tomahawk steigerte durch performancebasierte Creator-Partnerschaften den Traffic um 300 Prozent, gewann 15.000 neue E-Mail-Abonnenten und 5.000 neue Instagram-Follower.
Stanley Brasilien generierte 20 Prozent aller Neukunden über Social Affiliates und steigerte den Black-Friday-Umsatz um 78 Prozent.
Answear konnte trotz Inflation +85 Prozent Umsatz und +35 Prozent Sales erzielen, indem es auf eine segmentierte, wertorientierte Affiliate-Strategie setzte.
Dieser Trend wird sich weiter verstärken. Die Branche wird professioneller, datengetriebener und stärker in die Gesamtstrategie von Marken integriert. Creator werden zunehmend zu Unternehmern, die eigene Marken, Shops oder Medienformate entwickeln. Kampagnen werden plattformübergreifend geplant und Reporting wird deutlich präziser. Influencer-Marketing wird damit nicht nur relevanter, sondern auch nachhaltiger.
Influencer-Marketing stirbt nicht, im Gegenteil: Es wächst kontinuierlich weiter. Auch bei Awin sehen wir trotz der inzwischen sehr gereiften Influencer-Industrie eine klare positive Entwicklung. Weltweit arbeiten mittlerweile über 30.000 Marken mit Influencern zusammen und nutzen unsere Influencer-Management-Lösungen. Allein im Jahr 2025 generierten Creator-Partnerschaften 943 Millionen US-Dollar Umsatz für Advertiser – ein Wachstum von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die globalen Investitionen der Advertiser in Creator-Partnerschaften um 39 Prozent. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Influencer-Marketing weiterhin an Bedeutung gewinnt und sich zunehmend als skalierbarer Performance-Kanal etabliert.
Besonders in der Travel-Industrie zeigte sich im Zeitraum 2024 bis 2025 ein deutliches Wachstum im Jahresvergleich, wobei insbesondere Cashback- und Loyalty-Modelle sowie Influencer-Netzwerke bei Awin stark an Relevanz gewonnen haben. Influencer zählen dabei zu den drei am schnellsten wachsenden Publisher und verzeichneten ein Wachstum von +6 Prozent in unserem Netzwerk im Vergleich zum Vorjahr. Auch im Beauty-Bereich verzeichneten wir ein Wachstum von +3 Prozent im Q1 2026 vs. 2025, wodurch sich dieser Kanal auf Platz 4 der Publisher-Typen im Beauty Segment positionierte. Im Fashion-Segment haben wir im gleichen Zeitraum einen Anstieg von +1 Prozent beobachtet, der dazu führte, dass Influencer im Awin Netzwerk zu den zweitwichtigsten Partnern in der Fashion-Kategorie aufgestiegen sind.
Der Influencer stirbt also nicht. Er wächst. Die Branche verabschiedet sich von oberflächlicher Reichweitenlogik und entwickelt sich hin zu einem System, das auf Vertrauen, Qualität und messbare Wirkung setzt. Die Creator, die diese Entwicklung annehmen, werden nicht nur überleben, sondern zu den wichtigsten Stimmen der digitalen Markenkommunikation werden.
*Alexander Kube ist Client Services Director (DACH & Nordics) bei AWIN.