Analyse Nutzerzahlen Sozialer Netzwerke 2010

XING verliert 25 Prozent seiner Nutzer – 2011 wird das Jahr von Facebook

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Der Vorwurf, ein Vergleich von Werten zwischen Januar und Dezember verzerre das Bild, ist nachvollziehbar. Allerdings sieht auch der direkte Vorjahresvergleich für den Monat Dezember nicht wesentlich besser aus. Laut Google stehen 2,9 Millionen Besucher im Dezember 2009 2,4 Millionen Besuchern in 2010 entgegen – immer noch ein Rückgang von 17%!

Die Feststellung, dass XING das mit Abstand aktivste und meistgenutzte Business-Netzwerk (wir würden als Region allerdings z.B. den deutschen oder deutschsprachigen Markt definieren) ist, kann man dabei nur unterstreichen – XING muss sich in seinem Heimatmarkt in keinster Weise verstecken und ist sicherlich Best-Practise für andere große Plattformen.

Ein tiefer gehender Blick in die nachgelagerten Kennzahlen aus dem Hause Google untermauert allerdings die bestehenden Annahmen.

XING verliert laut Google innerhalb eines Jahres 42% seiner Seitenabrufe – das ist hart!

Im Monatsvergleich Dezember 2009 zu 2010 verliert XING bei den Seitenabrufen in Deutschland laut Google 42% (von 330 auf 190 Millionen Seitenabrufe). Das ist hart, spiegelt dieser Wert doch die Gesamtaktivität und damit die Attraktivität einer Webseite wieder. Auch der Durchschnitt der Besuche pro Monat geht in diesem Zeitraum von 14 auf 11 zurück. Nur die durchschnittliche Besuchszeit bleibt relativ konstant bei 9,5 Minuten und liegt damit deutlich über den Werten für den Wettbewerber linkedIn in Deutschland und für die restliche Welt.

Überhaupt kann sich XING gegenüber linkedIn in Deutschland extrem gut behaupten. Andere ernst zu nehmende B2B-Portale gibt es neben einigen Nischen-Anbieter sowieso gar nicht. Für 2010 scheint es darüber hinaus, dass linkedIn die Bearbeitung des hiesigen Marktes aufgegeben hat. Noch nie hatten die Amerikaner hierzulande 100.000 Besucher, während es weltweit aktuell immerhin 34 Millionen sind.

Die Auslandsaktivitäten von XING werden deutlich reduziert und es gibt keine weitere Expansion.

Andererseits werden die Auslandsaktivitäten von XING (u.a. nach einer großen Akquisition 2008 in der Türkei und in Spanien) deutlich reduziert und es gibt keine weitere Expansion. Das Büro in der Türkei wird aktuell geschlossen, die Mannschaft in Spanien stark reduziert.

Mit der Akquisition der Veranstaltungsplattform Amiando Mitte Dezember 2010 versucht XING weiterhin die eigene Wertschöpfungskette auszuweiten. Sicherlich ein kluger Schachzug, der aber nicht darüber hinweg täuschen darf, dass der durchschnittliche Nutzer neben harten Dienstleistungen gerne auch innovative Dienste in Anspruch nehmen will. Die Einführung offener Entwicklerschnittstellen vor längerer Zeit oder das Facelift der Benutzeroberfläche brachte jedenfalls keinen herausragenden Vorteil für die Plattform und deren Mitglieder.

Wohin die Reise geht, bestimmt XING daher wohl weitestgehend selbst. Fehlender Wettbewerb und hohe Profitabilität führen in großen Organisationen oft zu Verlust von Dynamik und Flexibilität. In der Online-Branche kann das sehr schnell kritisch werden – nämlich dann, wenn junge, dynamische Anbieter mit deutlich besseren Produkten auftauchen oder Anbieter aus anderen Bereichen plötzlich mit neuer Technologie in den scheinbar sicheren Markt eindringen.

Eher unwahrscheinlich – aber was würde passieren, wenn Facebook sich linkedIn einverleibt oder einen eigenen Business-Dienst für seine 600 Millionen Mitglieder integriert? Schon heute diskutieren einige Nutzer ob das eher privat ausgelegte Netzwerk von Facebook nicht doch auch für aktive geschäftliche Vernetzung ein sinnvoller Ort sei. XING dagegen wird oft nur noch als – sehr gut gepflegtes – Adressbuch gesehen, in dem die Interaktion aber immer mehr in den Hintergrund tritt. [...]

(ID:38099630)