Arbeitsmarktstudie 2017

Bewerbungsprozess – das frustriert die potenziellen Arbeitnehmer

| Redakteur: Georgina Bott

Lange Rekrutierungsprozesse frustrieren nicht nur die Bewerber, sie gefährden auch die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Lange Rekrutierungsprozesse frustrieren nicht nur die Bewerber, sie gefährden auch die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Späte Rückmeldungen, schlechte Kommunikation und fehlende Transparenz – diese Faktoren frustrieren Bewerber im Bewerbungsprozess. Das zeigt auch die aktuelle Arbeitsmarktstudie. Demnach benötigen deutsche Unternehmen immer mehr Zeit für die Personalauswahl.

Die Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half zeigt: Der Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte ist so hart, dass Kandidaten zu lange Rekrutierungsprozesse zum Ausschlusskriterium für einen potenziellen Arbeitgeber machen. Späte Rückmeldung zum aktuellen Stand im Einstellungsverfahren, verzögerte Entscheidungsfindung sowie schlechte Kommunikation zu den notwendigen Schritten im Einstellungsverfahren führen zu Frustration beim Bewerber. Knapp zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten verlieren sogar ganz das Interesse an der Stelle, sobald der Bewerbungsprozess zu lange dauert.

Was ist für Sie der frustrierendste Schritt im Bewerbungsprozess?
Was ist für Sie der frustrierendste Schritt im Bewerbungsprozess? (Bild: Robert Half / marconomy)

Die Folgen daraus schaden nicht nur der Personalstruktur des Unternehmens auch die Zukunftsfähigkeit ist gefährdet. Die langfristigen Folgen sieht auch Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half: „Deutsche Unternehmen benötigen immer mehr Zeit für die Personalauswahl. Dadurch droht auf lange Sicht aber eine Gefahr für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Denn langatmige Rekrutierungsprozesse vergraulen die qualifiziertesten Bewerber, die keine Mühe haben, eine passende Stelle bei der Konkurrenz zu finden. Langfristig führt das dazu, dass immer mehr Stellen mit weniger geeigneten Mitarbeitern besetzt sind. Firmen riskieren damit, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein.“

Frustration auch in der eigenen Belegschaft

Entscheiden sich Kandidaten aufgrund von Frustration im Bewerbungsprozess gegen die vakante Position, führt das wiederum zu starker Belastung bei den verbleibenden Mitarbeitern. Es folgen höhere Krankenstände, steigende Arbeitsunfähigkeitsquoten und Umsatzeinbußen. Dennoch zeigt die Studie, dass die Zeitspanne zwischen der Ausschreibung einer vakanten Stelle bis zur Einstellung des neuen Mitarbeiters nicht kleiner, sondern immer größer wird. Bei 54 Prozent der Betriebe hat sich dieser Prozess im Zeitraum zwischen 2013 und 2016 verlängert.

Bewerbungsanschreiben verlieren an Bedeutung

Arbeitsmarktstudie

Bewerbungsanschreiben verlieren an Bedeutung

21.12.17 - Gehört ein Anschreiben eigentlich noch zu einer vollständigen Bewerbung? Mehr als die Hälfte der Personalentscheider berücksichtigt inzwischen auch Bewerbungen ohne Anschreiben. Das zeigt die aktuelle Arbeitsmarktstudie. lesen

„Die Gründe für lang dauernde Besetzungsprozesse variieren von Unternehmen zu Unternehmen. Häufig sind es zu hohe Ansprüche an die Kandidaten, zu umfangreiche Prozesse, Defizite in der Personalplanung oder fehlende Budgetfreigaben. Aber auch mangelnde Entscheidungsfreude der Verantwortlichen spielt eine Rolle“, sagt Hennige. Unabhängig davon, was im Einzelfall zutrifft, sollten Unternehmen dringend prüfen, wie langwierig das eigene Recruiting gegenwärtig ist. „Damit langwierige Bewerbungsprozesse nicht die besten Kandidaten kosten, sollten Personaler Mut beweisen und beginnen, alle Aspekte des Rekrutierungsprozesses kritisch zu hinterfragen. Erste Schritte können sein, die Anzahl der beteiligten Personen am Bewerbungsprozess zu verringern oder Bewerbungsrunden schlanker aufzusetzen, indem beispielsweise nur zwei statt drei Gespräche stattfinden. Denn hier gilt: Weniger ist häufig mehr“, rät Hennige.

Darüber wird im Lebenslauf am meisten gelogen

Arbeitsmarktstudie 2017

Darüber wird im Lebenslauf am meisten gelogen

25.01.18 - Eine längere Arbeitslosigkeit mit einer Weltreise kaschieren, Fachkenntnisse aufbauschen oder beim bisherigen Gehalt übertreiben? Das mögen Personalentscheider gar nicht! An welchen Stellen im Lebenslauf am meisten gelogen wird, zeigt die aktuelle Arbeitsmarktstudie. lesen

Über die Studie

Die von Robert Half entwickelte Arbeitsmarktstudie wird jährlich in zwölf Ländern erhoben: Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Niederlande, Österreich, Schweiz, Vereinigte Arabische Emirate. Die Befragung wurde im Juli 2016 von einem internationalen, unabhängigen Meinungsforschungsinstitut unter 200 HR-Managern in Deutschland durchgeführt. Auf Arbeitnehmerseite wurden im Dezember 2017/Januar 2018 im Rahmen einer repräsentativen Befragung 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt, die in den vergangenen fünf Jahren auf Arbeitssuche waren. Insgesamt nahmen 9.000 Personen an der Studie teil.

Über Robert Half

Robert Half ist ein weltweit tätiger, spezialisierter Personaldienstleister für Fach- und Führungskräfte im Finanz- und Rechnungswesen, IT sowie Assistenz- und kaufmännische Berufe.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45181352 / New Work)