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Flexible Arbeitsplätze Die Remote Workplace-Generation

Autor / Redakteur: Aleksandra Sulimko* / Veronika Kremsreiter

Der Lockdown während der Corona-Krise hat einen Trend maßgeblich verstärkt: die Einführung von Home-Office und „Remote Work“, also der Arbeit von anderen Orten als dem Büro im Unternehmen aus. Nur so ließen sich die Geschäfte zumindest vielfach fortführen. Da die Einschränkungen allmählich aufgehoben werden, stellt sich die Frage: Was erwartet die nächste Generation der „Remote Worker“ von ihren Arbeitgebern?

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Mit den richtigen Grundlagen und einer entsprechenden Struktur kann für jeden Arbeitsplatz das passende Team-Mitglied gefunden werden – und so können auch alle Unternehmen von den Vorteilen einer flexiblen Mannschaft profitieren.
Mit den richtigen Grundlagen und einer entsprechenden Struktur kann für jeden Arbeitsplatz das passende Team-Mitglied gefunden werden – und so können auch alle Unternehmen von den Vorteilen einer flexiblen Mannschaft profitieren.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach, wenn es um Organisation, Kommunikation und Compliance geht. Aber wenn es richtig gehandhabt wird, ermöglicht Remote Working deutliche Kreativitätssprünge. Anders gesagt: Es ist ein gewisser Invest nötig, der jedoch auch einen spürbaren Ertrag liefert. Der Ansatz, von quasi überall aus zu arbeiten, hat vielen Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht nur bei der Kreativität geholfen, sondern auch dabei, die fähigsten Talente anzuziehen. Menschen mit unterschiedlichen Arbeitsanforderungen können gut unterstützt werden, so dass letztlich alle ihr Potenzial voll ausschöpfen können. Wer diesen Schritt schon vor Auftreten der Corona-Krise gegangen ist, hatte einen deutlichen Wettbewerbsvorteil – wer ihn noch nicht gemacht hat, sollte spätestens jetzt damit beginnen.

Flexible Arbeit muss auf organisatorischer Ebene normalisiert und etabliert werden, aber Remote Work ist natürlich noch kein Erfolgsgarant; es ist nur ein Puzzlestück, wenn auch ein überaus wichtiges. Doch darüber hinaus gilt es, die Teams im Unternehmen zu befähigen. Sie benötigen dabei sowohl Unterstützung als auch die richtigen Werkzeuge, damit sie ihre Arbeit verrichten können. Folglich heißt das für Unternehmen, dass sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die bequemste, angenehmste und produktivste Arbeitsumgebung zur Verfügung stellen sollten – wo auch immer sich diese befinden und wie immer sie organisiert sein mögen.

Tools machen den Unterschied

So ist es zum Beispiel unerlässlich, die richtige Technologie bereitzustellen – vom Endgerät über die Benutzer-Software bis hin zu den IT-Systemen im Hintergrund. Zoom war zum Beispiel schon vor der Covid-19-Krise ein Remote-Work-Grundpfeiler. Die IT ermöglicht es (international) verteilt arbeitenden Teams, recht schnell und kostengünstig miteinander in Kontakt zu treten. Außerdem müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass alle Remote Worker sichere und bequeme Räume haben, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Arbeitsräume müssen dabei auf die beabsichtigte Nutzung ausgerichtet sein, wobei insbesondere etwaige lokale Vorschriften zu beachten sind, etwa die Vorgaben des TÜV für ergonomische Arbeitsplatzgestaltung in Deutschland.

Globale Kreativität mit offenen Armen empfangen

Sobald Teams rund um den Globus arbeiten, kann ein Unternehmen organisch auf lokale Talente zurückgreifen. Die Frage muss erlaubt sein: Wenn der beste Redakteur in Deutschland sitzt, die beste Produzentin aber in London – warum müssen beide in einem Raum sitzen, um gut zusammenzuarbeiten? Warum sollen ein paar Kubikmeter Beton, ein paar Leitungen und Möbel die Maßgabe dafür sein, das beste Team für eine Aufgabe zusammenzustellen? Sofern keine Produktionsmaschinen zu bedienen sind, ist es überdies vorteilhaft, wenn Teammitglieder ihre ganz eigenen lokalen Perspektiven in die Projekte einbringen. Denn auch das ist Diversität.

Vertrauen, Prozesse und Kommunikation

Das Führen eines Remote-Teams muss nicht zwangsläufig zeitaufwendiger oder weniger produktiv sein als die Zusammenarbeit im Büro – im Gegenteil. Die Grundlagen der Mitarbeiterführung sind ohnehin die gleichen: Alle Arbeitsbeziehungen sollten auf der Annahme beruhen, dass die Menschen von Natur aus intrinsisch motiviert sind, gute Arbeit leisten zu wollen. Sollten Leistungsprobleme auftreten, sind sie in der Regel ziemlich offensichtlich und können von Fall zu Fall behandelt werden. In einer Home-Office- oder Remote-Arbeitsumgebung ist das weder besser noch schlechter, es ist nur ein wenig anders.

Es ist nach wie vor entscheidend, Mitarbeitern einen Prozess zu vermitteln und ihnen eine Struktur zu geben. Bewährte und ohnehin vorhandene Tools, etwa zum Projetmanagement, sind inzwischen ebenfalls Cloud-basiert von überall aus verfügbar. Das sorgt für Transparenz und ermöglicht es Führungskräften, auch bei verteilten Teams Projektfortschritte zu begleiten. Teams können ihren Arbeitstag mit einem hohen Anteil an Eigenverantwortung selbst gestalten. Die größte Herausforderung liegt vielmehr darin, den Kontakt zu den Einzelnen zu halten: Remote Working kann für manche isolierend wirken. Videoanrufe sind ein Mittel, Abhilfe zu schaffen, gelegentliche gemeinsame Veranstaltungen, ein weiteres.

Die berufliche Entwicklung fortführen

Unabhängig davon, ob ein Team in einer festen Büroumgebung, von zu Hause oder anderen Orten arbeitet: Es ist wichtig, jedem Team-Mitglied die Gelegenheit für persönliche Weiterentwicklung, Wachstum und Weiterbildung zu bieten. HR-Verantwortliche benötigen hierfür unbedingt einen systematischen Prozess, der – wie das Leadership allgemein – jedoch nicht von einem fixen Arbeitsplatz abhängt. Knackpunkt ist auch hier die Kommunikation. Führungskräfte sollten aktiv zuhören und immer wieder Inputs suchen, um Karriere-Wünsche und Entwicklungsmöglichkeiten zu identifizieren.

Bei der Umsetzung gibt es diverse Möglichkeiten, die berufliche Entwicklung auch remote zu fördern beziehungsweise anzupacken. Dabei ist Remote Working selbst ein wichtiger Inhalt. Das können zum Beispiel Webinare, Online-Kurse und Schulungsmodule zu Themen wie Management-Vorbereitung oder Selbstmanagement sein. Ebenfalls wichtig ist dabei eine gute interne Kommunikation, die etwa über firmeninterne Newsletter daran erinnert, dass solche Instrumente der Karriere-Entwicklung existieren. Dabei ist natürlich die geographische Lage und Vielfalt der Belegschaft zu berücksichtigen.

Die Chance beim Schopf packen

Der Erfolg eines Unternehmens hängt in der Regel von seiner Belegschaft ab. Dabei gibt es nicht nur eine Art von Mitarbeiter, der einen leistungsstarken und motivierten und kreativen Remote Worker ausmacht. Mit den richtigen Grundlagen und einer entsprechenden Struktur kann für jeden Arbeitsplatz das passende Team-Mitglied gefunden werden – und so können auch alle Unternehmen von den Vorteilen einer flexiblen Mannschaft profitieren. Firmen sind gut beraten diese Chance beim Schopf zu packen, denn nichts anderes ist die momentane Krise: eine Chance.

Unternehmen müssen sich jetzt ohnehin bewegen, Etabliertes hinterfragen und verändern, also können sie vergleichsweise einfach ihre Arbeitsmethoden neu bewerten: Ist ein „weiter so“ die beste Herangehensweise für künftigen Erfolg? Erwartet das die Generation der Remote Worker von Ihrem Unternehmen? Sie müssen neue Wege gehen, um eine starke, sinnvolle Bindung zu den Teams aufzubauen und sie mit allem zu versorgen, was sie für die erfolgreiche Verrichtung ihrer Arbeit benötigen.

*Aleksandra Sulimko ist HR Director bei TheSoul Publishing.

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