Vernetztes Fahren

„Car as a Service“ – auf was sich Marketing und Kommunikation einstellen sollten

| Autor / Redakteur: Cristina Cipriani / Lena Höhn

Autohersteller und Zulieferer müssen neue Geschäfts- und Marketingkonzepte entwickeln, wollen sie auch in Zukunft ihre Zielgruppen erreichen
Autohersteller und Zulieferer müssen neue Geschäfts- und Marketingkonzepte entwickeln, wollen sie auch in Zukunft ihre Zielgruppen erreichen (Bild: SZ Scala / Laid)

Entwicklungen, wie die zunehmende Vernetzung oder selbstständiges Fahren, werden die Bedeutung des Autos immer mehr verändern. Der Trend geht weg vom Privatbesitz, hin zum „Car as a Service“. Worauf sich Marketing und Kommunikation deshalb einstellen sollten.

Die Bedeutung des Autos wird in Zukunft eine andere sein: weg vom Privatbesitz und Statussymbol, hin zur Dienstleistung und dem „Car as a Service“. Bedingt wird dies neben technischen auch durch gesellschaftliche Entwicklungen. Gerade in Städten besitzen immer weniger Menschen eigene Autos. Die damit verbundenen Kosten und Probleme – von der Parkplatzsuche bis hin zu regelmäßigen Werkstattterminen – wiegen sich in Zeiten guter öffentlicher Nahrverkehrsanbindungen und Car-Sharing-Modelle nicht mehr mit den Nachteilen auf. Autohersteller und Zulieferer müssen neue Geschäfts- und Marketingkonzepte entwickeln, wollen sie auch in Zukunft ihre Zielgruppen erreichen. Die zunehmende Vernetzung und Automatisierung der Fahrzeuge ist dabei Chance und Herausforderung zugleich.

Komfort im Alltag statt bloßes Fortbewegungsmittel

Die immer stärkere Vernetzung sowohl von Autos mit ihrer Umwelt als auch innerhalb des Autos führt dazu, dass Autohersteller neue Mobilitäts- und Geschäftskonzepte entwickeln können. Ein erster Schritt ist die Entwicklung des Autos als Komfortzone im Alltag. Autohersteller müssen den Kunden beweisen, dass das Auto dank Vernetzung mehr sein kann als ein bloßes Transportmittel. So ist es vorstellbar, dass Fahrzeuge dank der sogenannten Near Field Communication (NFC) zukünftig selbstständig an Tankstellen, Mautstationen oder auf Parkplätzen zahlen können. Die Kreditkartendaten werden dabei automatisiert und sicher über eine abgesicherte Luftschnittstelle übertragen.

Auch automatisierte Werkstattbesuche, bei denen das Auto selbstständig in Einklang mit dem Kalender des Fahrers Termine vereinbart sind denkbar. Ein anderer Anwendungsfall ist die Funktion des Autos als Ablageort für Paketzustellungen. Paketlieferanten testen bereits Modelle, bei denen die Waren per Drohne geliefert und im Kofferraum des Wagens abgelegt werden. Die Drohne erkennt per GPS den Standort des Wagens, fliegt ihn an und teilt dem Auto anschließend mit, dass es mitsamt Lieferung da ist. Das Auto öffnet daraufhin den Kofferraum, die Drohne legt das Paket hinein, der Kofferraum wird wieder geschlossen und der Besitzer kann das Paket bequem bei der nächsten Autonutzung aus dem Kofferraum nehmen.

Marketing muss Auto als Dienstleistung platzieren

Ist das autonome Fahren weiter fortgeschritten, wird sich das Auto nach Expertenmeinung weg vom individuellen Fortbewegungsmittel hin zum Dienstleister entwickeln. Nutzer können dann per App ein Auto für den von ihnen benötigten Zeitraum buchen und zusätzlich ein Leistungspaket wählen: Wollen sie zusätzliche Funktionen wie Massagesitze oder W-LAN im Fahrzeug? Der Marketingabteilung fällt hier eine wichtige Rolle zu: Denn je weniger Autohersteller durch technische Details punkten können und je stärker Services und „Gefühle“ im Vordergrund stehen, desto wichtiger wird auch die Bedeutung von Marketing und Kundenkommunikation.

Autohersteller werden zukünftig ihr Geld nicht mehr durch den Verkauf von Fahrzeugen, sondern durch Services verdienen. So ist es vorstellbar, dass Original Equipment Manufacturer (OEM) eigene, verkehrsgünstige Parkplätze besitzen, „Schnellfahrspuren“ anbieten oder durch spezielle In-Drive-Unterhaltungsprogramme versuchen, sich von der Konkurrenz abzuheben. Die Gesamtzahl der Autos sowie die langen Standzeiten der Fahrzeuge werden sich durch die Car-Sharing-Dienste reduzieren. Dadurch wird sich wiederum das Stadtbild wandeln. Dominieren jetzt noch große, asphaltierte Straßen und Parkplätze, werden diese künftig im Untergrund verschwinden beziehungsweise stark reduziert. Der Platz kann dann für andere Dinge wie Grünflächen oder Wohnanlagen genutzt werden.

Die OEMs, die diesen Wandel zuerst begrüßen und ihre Marketingabteilungen dahingehend aufbauen, werden im Vorteil sein. Dazu müssen sie ihre Kommunikationsabteilungen ausbauen und ihnen mehr Kompetenzen zugestehen. Auch eine Verbesserung der internen Kommunikation ist notwendig, denn nur wenn Entwicklung und Marketing eng zusammenarbeiten, können neue Services direkt in die Kommunikation eingebunden werden.

Cristina Cipriani ist Produkt Marketing Managerin bei Laird.
Cristina Cipriani ist Produkt Marketing Managerin bei Laird. (Bild: SZ Scala)

Über die Autorin

Cristina Cipriani ist Produkt Marketing Managerin bei Laird. Ihr Aufgabe ist es das Konzept des Connected Cars auf dem Markt durch innovative Produktideen zu etablieren, die die Erwartungen des vernetzten Fahrers von heute und morgen erfüllen.

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