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Wie konnten Sie Vorbehalte in den eigenen Reihen ausräumen?
Küppers: Auch an dieser Stelle ist erstmal die gemeinsame Zielsetzung entscheidend. Dennoch werden Unternehmenskooperationen von manchen unserer Mitglieder sehr kritisch betrachtet. Überzeugen können wir vor allem durch Transparenz und Erfolge, also beispielsweise die sichtbare Reduzierung von Kinderarbeit. Trotzdem bleiben sie ein ständiges Diskussionsthema, unsere Mitglieder müssen über die neuesten Entwicklungen stets informiert werden. Dieser Prozess ist allerdings sehr wichtig, damit wir unsere Wachsamkeit behalten.
Rolfes: Aus unserer Sicht spielt die Zeitachse eine wichtige Rolle. Als wir mit unserer Partnerschaft gestartet sind, wurde in weiten Teilen der Wirtschaft noch völlig anders gedacht als heute. Die Zusammenarbeit mit einer NGO wurde sehr kritisch betrachtet. In internen Gesprächen wurden vor allem die Risiken betont, die Angst davor, von einer NGO getrieben zu werden. Im Verlauf der Zeit fand allerdings ein Umdenken statt. Immer öfter wurden die Chancen gesehen und die Möglichkeiten, voneinander zu lernen. Glücklicherweise hat sich diese Betrachtungsweise langfristig durchgesetzt. Heute sehen wir verstärkt die Zusammenarbeit von NGOs mit der Wirtschaft, aber auch von konkurrierenden Unternehmen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Es ist die Überzeugung gewachsen, dass sich viele Probleme nur gemeinsam lösen lassen.
Welche Faktoren machen den Erfolg einer guten Zusammenarbeit aus?
Küppers: Die Aufgabe von NGOs ist es natürlich, Unternehmenspolitik kritisch zu hinterfragen. Allerdings müssen sich NGOs, die Unternehmenskooperationen eingehen, klar entscheiden. Auf der einen Seite Kampagnen gegen Unternehmen starten und auf der anderen Seite mit den gleichen Unternehmen kooperieren, geht nicht. Natürlich gibt es einen Dialog, in dem beiden Seiten betrachtet werden. Wir stellen auch klare Forderungen und wir erwarten entsprechende Reaktionen. Würden diese ausbleiben, dann würden wir auch die „Gangart“ wechseln. Diesbezüglich funktioniert unsere Partnerschaft mit C&A sehr gut, unter anderem weil es ein persönliches Vertrauensverhältnis der beteiligten Personen gibt. Wir können offen miteinander reden und Probleme klar ansprechen. Diese Klarheit ist wichtig, um auf Kritik reagieren zu können, die es selbstverständlich auch gibt.
Rolfes: Für uns war auch immer wichtig, dass die Kooperation sehr lösungsorientiert arbeitet, und zwar lösungsorientiert im Sinne der betroffenen Menschen. Also langfristige Erfolge erreichen, auch wenn diese manchmal klein sind. Mir persönlich ist beispielsweise immer die glaubwürdige Unterstützung durch die Eigentümerfamilie wichtig gewesen. Ein klares Bekenntnis zur Veränderung trotz aller unternehmerischen Zwänge.
Welche Reaktionen bekommen Sie?
Küppers: Wir erhalten Feedback durch die regelmäßigen Diskussionen mit unseren Mitgliedern. Auch wenn diese kritisch verlaufen, so hat die Mehrheit immer für die Fortführung der Kooperation gestimmt. Kooperationen sind immer ein Vabanquespiel. Schnell kommt der Vorwurf des Greenwashing auf, den wir auf jeden Fall vermeiden wollen. Auf der anderen Seite wollen wir Firmen natürlich auch keinen Freibrief ausstellen. In der Summe bekommen wir aber positive Reaktionen, sowohl von Mitgliedern und Spendern als auch von anderen Unternehmen. Insofern hat uns diese Zusammenarbeit so manche Tür geöffnet.
Rolfes: Direkte Rückmeldungen von Kunden bekommen wir eher selten. Von den Mitarbeitern wird die Zusammenarbeit aber sehr positiv bewertet. Das ist sehr erfreulich, weil es auch ein wichtiger Beitrag für die Unternehmenskultur ist. Auf der anderen Seite werden unsere Bestrebungen, Missstände zu beseitigen, durch die Kooperation auch sehr glaubwürdig. Nicht wir sagen, was richtig ist, sondern wir setzen hier ganz stark auf die Kompetenz von terre des hommes.
Küppers: Für mich wird der Erfolg auch durch das Engagement der C&A-Beschäftigten deutlich. Die Mitarbeiter interessieren sich, fragen nach und bringen persönliches Engagement ein. Wenn eine Zusammenarbeit so aufgenommen wird, dann funktioniert sie und dann trägt sie auch zur Mitarbeitermotivation bei.
Vielen Dank für das Gespräch!
* Das Interview führte Thomas Feldhaus für CSR NEWS. CSR NEWS ist eine der weltweit führenden und meistbesuchten Informationsplattformen zum Thema Corporate Social Responsibility (CSR).
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