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Interview: Unternehmenskooperationen Eine erfolgreiche Zusammenarbeit von NGOs und Firmen

| Autor / Redakteur: Thomas Feldhaus / Dr. Gesine Herzberger

Für die einen ist es Greenwashing auf Unternehmensseite, für die anderen eine Kommerzialisierung von NGOs. Wieder andere sehen ganz einfach eine fruchtbare Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Eine Kooperation zwischen Unternehmen und NGOs kann für beide Seiten Vorteile bringen. Ein gemeinsames Ziel, Vertrauen und Offenheit sind allerdings die Grundvoraussetzung.
Eine Kooperation zwischen Unternehmen und NGOs kann für beide Seiten Vorteile bringen. Ein gemeinsames Ziel, Vertrauen und Offenheit sind allerdings die Grundvoraussetzung.
(Bildquelle: Fotolia.com © Ivelin Radkov)

Was hat es tatsächlich auf sich mit der Zusammenarbeit von Unternehmen und NGOs (non-governmental organization)? Welche Chancen bieten sich, was sind die Herausforderungen – und kann das wirklich funktionieren? Ein erfolgreiches Beispiel ist die Kooperation zwischen dem Modehaus C&A und dem Kinderhilfswerk terres des hommes. Im Interview geben Thorsten Rolfes, Leiter Unternehmenskommunikation bei C&A, und Barbara Küppers, Leiterin des Referats Kinderrechte bei terre des hommes, Einblick in eine starke Partnerschaft.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Küppers: Nach dem ersten Kennenlernen haben wir beide, entgegen unseren Erwartungen, festgestellt, dass wir eigentlich gut zusammenarbeiten könnten. Von dieser ersten Erkenntnis bis zum konkreten Handeln hat es aber noch zwei Jahre gedauert. Sowohl terre des hommes als auch C&A waren zu dieser Zeit, und sind es noch heute, im südindischen Tirupur tätig. Der gegenseitige Nutzen einer Zusammenarbeit war auch schnell deutlich, aber beide Parteien waren naturgemäß zunächst skeptisch. Wir mussten in unseren Organisationen erst intensiv um Vertrauen werben.

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Rolfes: Es galt zunächst festzustellen, ob wir gemeinsame Ziele haben und ob diese ehrlich und authentisch sind. Unternehmen wird ja schnell Greenwashing vorgeworfen oder der Verdacht, sie wollen sich mit einer NGO vor Vorwürfen schützen. Wir konnten terre des hommes aber doch schnell davon überzeugen, dass der Schutz von Kindern in unserer Unternehmenspolitik fest verankert ist und für die Eigentümerfamilie von C&A ein wichtiges Anliegen darstellt. Das gemeinsame Ziel deckte sich aber auch mit unseren unternehmerischen Herausforderungen, schließlich lassen wir als Textilhersteller unsere Produkte in Ländern wie Indien und Bangladesh produzieren, sind also mit den Problemen konfrontiert.

Welche Faktoren waren für die Kooperation besonders wichtig?

Rolfes: Wichtig ist gegenseitiges Vertrauen. Das hört sich leicht an, aber Vertrauen aufbauen braucht Zeit. Dazu gehört auch Verlässlichkeit, also die Möglichkeit, die andere Seite jederzeit erreichen zu können, genauso wie der kontinuierliche Dialog über die gemeinsamen Themen. Diese Aspekte sind in unserer Zusammenarbeit gegeben und deshalb besteht die Kooperation auch schon seit 14 Jahren.

Küppers: Für uns war tatsächlich das gemeinsame Ziel ausschlaggebend für die Zusammenarbeit. Es entstanden Synergien, die uns vor Ort geholfen haben. Wir waren ja schon vorher in Tirupur tätig, hatten aber nie Zugang zu den Fabriken. Durch C&A war der Druck auf die Fabrikanten gegeben und wir konnten parallel die notwendige gesellschaftliche Aufklärung bei den Familien, in den Schulen und Behörden vorantreiben. Durch dieses Zusammenwirken wurden auch schnell Erfolge sichtbar, die Kinderarbeit in Tirupur ging deutlich zurück. Trotzdem haben wir bei diesem Thema auch eine klare Forderung: Die beteiligten Firmen müssen Verantwortung für die Beseitigung von Kinderarbeit oder anderer Missstände übernehmen. Deshalb liegt es nahe, dass sich Betriebe finanziell an den Alternativprogrammen für die Betroffenen beteiligen. Insofern nehmen wir nicht nur dankbar einen Scheck entgegen, sondern wir halten diese Forderungen aufrecht und nehmen die Partner in die Pflicht.

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