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Haltung als Mittel zur Positionierung
In der heutigen Zeit wird es für Konsumenten immer schwieriger, sich im Informationsüberfluss zurecht zu finden. Sie brauchen Anker, denen sie vertrauen. Diese Anker können sowohl Personen als auch Marken sein. Und diese Anker zeichnen sich durch Haltung, basierend auf einem konsistenten Wertegefüge, aus. Diesen Ankern vertraut man und folgt ihnen. Sie geben Sicherheit, was immer schon eine Eigenschaft von starken Marken war. Haltung ist damit auch eine Möglichkeit sich zu positionieren, abzugrenzen oder zu regulieren. Damit eine Haltung wirklich konsistent in der Kommunikation dargestellt wird, bedarf es Leitlinien.
Leitlinien und Unternehmensphilosophie
Genauso wie Menschen sollten auch Unternehmen ein Wertesystem für sich entwickeln, das von der Geschäftsführung und den Mitarbeitern getragen wird. Die Werte sollten dann entscheidenden Einfluss auf die Leitlinien haben, welche die Leitplanke für unternehmerische Entscheidungen in allen Hierarchieebenen sind. Dadurch kann man aus Bauchgefühl-Entscheidungen greifbare Leitlinien-Entscheidungen machen. Der große Vorteil daran ist, dass jeder, egal ob externer Kunde oder interner Mitarbeiter, ein einheitliches, berechenbares und im besten Fall authentisches Bild von der Unternehmung erhält. Soweit zur Theorie.
Was ist aber wenn Mitarbeiter des Unternehmens selbst kein persönliches Wertesystem vermittelt bekommen haben? Die Folge ist dann, dass diese Menschen mit dem Begriff Werte meistens nichts anfangen können und Leitlinien nicht verstanden beziehungsweise nicht gelebt werden können. Deshalb sollte man schon bei der Einstellung von Mitarbeitern auf Werte des Bewerbers und eine zum Rest des Unternehmens homogene Persönlichkeit achten.
Auch kommt es vor, dass von der Geschäftsführung Leitlinien entwickelt, aber immer wieder Ausnahmen gemacht werden und die Leitlinien zu einem Ergebnis von praxisfernem Aktivismus verkommen.
Gewinnmaximierung vs. Leitlinien
Gewinnmaximierung ist kein Wert und somit auch kein Teil von Leitlinien. In Unternehmen, die als übergeordnetes Unternehmensziel, die Gewinnmaximierung sehen, sind Leitlinien oft kein Thema beziehungsweise bleiben Theorie, da hier oft die Gewinnmaximierung über den Leitlinien steht und diese damit überflüssig macht. Mitarbeiter solcher Unternehmen mit ausgebildetem Wertegefüge bekommen langfristig oft gesundheitliche Probleme, da sie permanent Entscheidungen zugunsten der Gewinnmaximierung und gegen ihr eigenes Wertesystem treffen müssen. Das kostet Energie, was früher oder später zu gesellschaftlich weit verbreiteten Krankheiten wie Burnout führen kann. Deshalb können Job-Entscheidungen, die nur einen finanziellen Grund haben, ungesund sein und Bewerbern sei geraten sich für Unternehmen zu entscheiden, die ein ähnliches Wertesystem vertreten wie man selbst. Dieses kann man bereits im Vorstellungsgespräch versuchen herauszufinden.
Stefan Merath beschreibt in seinem Buch „Die Kunst seinen Kunden zu lieben: Neurostrategie für Unternehmer“ die Gewinnmaximierung nur als Mittel zum Zweck, um übergeordnete Unternehmensziele zu erreichen. Diese können zum Beispiel langfristige Kundenbeziehungen, die Befriedigung von Kundenbedürfnissen oder das Halten von kompetenten Mitarbeitern sein. Steve Jobs hat in den Schlussworten seiner Biografie darauf hingewiesen, dass sein unternehmerisches Ziel nie die Gewinnmaximierung war, sondern die Entwicklung von tollen Produkten.
Der Fakt, dass in der klassischen Management Literatur immer als primäres Ziel die Gewinnmaximierung genannt wird und dass viele Unternehmen diesem „Schneller, Höher, Weiter Dogma“ folgen, zeigt den verhängnisvollen Kreislauf im Kapitalismus auf, aber das steht wieder auf einem anderen Blatt.
Moderne Management Modelle sind interessante Ansätze wie man besser ein eigenverantwortliches und vor allem leitlinienorientiertes Arbeiten fördern kann. Dafür benötigt man dann aber wieder Mitarbeiter mit einem ausgeprägtem Wertesystem beziehungsweise einer gereiften Persönlichkeit, womit wir wieder beim Anfang wären...
* Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog von Kopp Online Marketing Consulting.

Olaf Kopp ist Co-Founder der Agentur Aufgesang Inbound Marketing GmbH aus Hannover. Bei Aufgesang war er in verschiedenen Führungsrollen wie Geschäfsführung, Head of PPC, Head of SEO tätig. Aktuell ist Olaf Kopp als Chief Business Development Officer (CBDO) für Produktentwicklung, Agentur-Marketing, Erstberatung und digitale Strategien verantwortlich. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die semantische und strategische Suchmaschinenoptimierung (SEO), Online-Marketing-Strategien, Content-Marketing sowie digitaler Markenaufbau. Seit 2005 beschäftigt er sich operativ und strategisch mit den Themen SEA, SEO, Social Media und Content-Marketing. Seit 2009 betreibt er seinen mehrfach von Experten empfohlenen Online-Marketing-Blog und schreibt Fachartikel in diversen Fachmedien wie t3n, Website Boosting, Zielbar ... und war involviert in einigen Buchprojekten.
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