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Expertenbeitrag

 Stefan Häseli

Stefan Häseli

internationaler Speaker, Atelier Coaching & Training AG

„Hannes managt“ Hannes im Lockdown

| Autor / Redakteur: Stefan Häseli / Lena Müller

Von beruflichen Auszeiten über beschlossene Entscheidungen und Informationen aus der Raucherecke: „Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. In diesem Beitrag beschäftigt sich Hannes mit der Krisenzeit und seiner Zeit im Home-Office.

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„Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. Heute im Fokus: Gesammelte Überstunden und Self-Marketing.
„Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. Heute im Fokus: Gesammelte Überstunden und Self-Marketing.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Jetzt ist sie auch da

Die Krise schlägt durch. Angeblich von China über Italien und „unerklärlicherweise“ dann doch bis hinter die Eingangstüren des Produktionsunternehmens, in dem Hannes als Produktionsleiter tätig ist. Schon vieles mussten sie meistern. Wirtschaftsflaute, Streiks, explodierende Nachfrage, neuer Besitzer und nicht zuletzt das neue Parkplatzregime vor dem Hauptsitz waren allesamt Herausforderungen, die mit besonnenem Vorgehen und klarer Strategie (so zumindest jeweils die offiziellen Wortlaute) gepackt wurden. Krisen sind Chancen, das posaunt auch heute jeder wieder ins soziale Mediennetz, ohne aber genau zu wissen, wie diese aussehen.

Aber jeder Kalenderspruch taugt im Moment. Das ist auch bei Hannes so. Lockdown und Social-Distancing – immerhin gab’s wieder einmal zwei neue Vokabeln für adäquate Diskussionen. Ja, auch „home-office“ hört sich geschäftiger an, als das gestabig „von-zu-Hause-aus-arbeiten“. Worte, die es in den Alltagsgebrauch schaffen und die wohl eines Tages dann auch als subtile Druckmittel herhalten können. „Entweder wir tun x oder wir lockdownen“. Ja, hier fehlt das Verb noch, aber das kommt schon noch.

Die Sitzung in der Kantine

An der heutigen Sitzung der Geschäftsleitung wurde notgedrungen auch darüber debattiert. Das war nicht ganz einfach. Es war wohl für einige Zeit die letzte, bei der man sich auch als physische Masse-Mensch zumindest in Sichtweise begegnete. Das Location-Setting (auch ein tolles, neues Wort) wurde berechnet. Fünf Personen im Sitzungszimmer wäre zu eng gewesen. Da die ja jetzt stillgelegte Betriebskantine frei war, wurde diese just in ein x-large-Meeting-Room umgewandelt. Die Akustik ist ja gut. Ein Glücksfall, dass man diesen zu hohen Lärmpegel nie angegangen ist. Irgendwo in einer Projektgruppe ist versandet, dem Einhalt zu gebieten. Die Menschen müssen schreien, wenn die „Bude“ voll ist und man sich trotzdem verstehen soll. Aber jetzt hat dieses sakrale Hallen seine Vorteile. Denn die Bestuhlung wurde selbstverständlich nach den Social-Distance-Regeln konstruiert. Jeder hat zu jedem mindestens zwei Meter Abstand und man hört sich dennoch gut.

An besagtem Meeting wurde nun das beschlossen, was europaweit breitflächig auch beschlossen wurde: Home-Office und Video-Meetings.

Die Taskforce am „forcen“

Die Evaluation, mit welchen konkreten Programmen nun von zu Hause aus gearbeitet wird, liegt zwar schon vier Jahre auf der To-Do-List der anstehenden Digitalisierungsaufgaben. Hat man verpasst, aber jetzt muss es schnell gehen. Eine Taskforce wurde gebildet, die jetzt die Geschäftsleitung berät und Entscheide vorbereitet. Der CEO meint, dass diese Taskforce sicherstelle, dass Beschlüsse jetzt schnell gefällt werden können. Nach gut einer Woche wurde dann klar, dass man sich auf die Microsoft-Lösung abstützt… In der Zwischenzeit wurde jetzt einfach ausprobiert. Jeder für sich selbst.

Hannes im Homeoffice

Hannes saß die letzten Tage ebenfalls in heimischen Gefilden und hat sich sein Home-Office entsprechend eingerichtet. Damit er stimmungsmäßig nicht von den Blicken zu Küche, Nachbars Garten und Ferienbildern abgelenkt wird, ließ er sich noch drei Exponate aus der Produktion zu sich nach Hause zustellen. Nun ziert sein Schreibtisch eine eloxierte Schrauben-Mutter-Kombination und ein Achsgelenk für die Automobilindustrie. Als Schlüsselanhänger figuriert ein Parksensor, der ebenfalls aus „seiner“ Fabrik stammt. Ja, Feeling prägt das Denken, das Denken wiederum das Handeln.

Die ersten Tage dienten ja vor allem dazu, sich IT-mäßig zu finden. Anschließend kam der Entscheid der Taskforce, das Programm „VideoCall-&-DataManagement-4-Industrial“ ViCaDaMi-System einzuführen. Kannte zwar vorher niemand, aber es sei das beste.

Es war einst das Jahr der Digitalisierung

Hannes Vermutung hat sich bestätigt. Man hat zwar das vorangehende Jahr als „Jahr der Digitalisierung“ proklamiert und allen Verkäufern ein Tablet mitgegeben, das sie anstelle des Ordners dem Kunden präsentieren. Das Motto war „wischen statt blättern“. Die Produktion hat neue Bildschirme erhalten und die Teamleiter ebenfalls ein Notebook für die Diensteinteilungen. Shopfloor war nicht mehr die weiße Tafel, sondern Bildschirm. Das war Digitalisierung. Dass aber die Menschen bereits bei der Installation eines Microsoft-Programms überfordert waren, trug seines dazu bei, dass die ersten Meetings vor allem von technischen Abstimmungen geprägt waren.

Die allesamt ja auch wieder ihre eigenen, typischen Sätze salonfähig hervorproduzierten: „wir warten noch auf Peter“, „ich hab keinen Ton“, „meine Leitung ist schlecht“, „warum sehe ich dich nicht“, „das Programm hängt“ usw.

Ja, die Zeiten sind jetzt wohl definitiv volatil, agil, verscrumt und digital. Wer hätte je gedacht, dass alles, von dem man sagte, dass es bereits da ist, wirklich einmal kommen könnte….

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