Suchen

Expertenbeitrag

 Stefan Häseli

Stefan Häseli

internationaler Speaker, Atelier Coaching & Training AG

„Hannes managt“ Ich bin dann mal online auf dem Jakobsweg

| Autor / Redakteur: Stefan Häseli / Lena Müller

Von beruflichen Auszeiten über beschlossene Entscheidungen und Informationen aus der Raucherecke: „Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. In diesem Beitrag beschäftigt sich Hannes mit seinen gesammelten Überstunden und Self-Marketing.

Firma zum Thema

„Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. Heute im Fokus: Gesammelte Überstunden und Self-Marketing.
„Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. Heute im Fokus: Gesammelte Überstunden und Self-Marketing.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Da sammelt sich was an Zeit an

Bei Hannes haben sich einige Überstunden angesammelt. Zusätzlich feiert er dieses Jahr ein Dienstjubiläum. Da summieren sich rund vier Wochen an zusätzlichen Ferien. Ein schönes Faktum, das aber beizeiten richtig geplant werden muss. Ansonsten ist die Lieblingskreuzfahrt bereits ausgebucht, oder man füllt die Wochen zu früh mit „einen Tag kann ich ja noch fürs Büro arbeiten“. Die wahrscheinlichste Variante hingegen ist, dass sich Hannes vom CEO dazu bewegen lässt, die zugesicherte und auch dringend nötige Auszeit um ein Jahr zu verschieben, da just in dieser Zeit ein neues Projekt zur Transformation der laufenden Produktionsanlagen ansteht.

Normalerweise dürfen solche Ferien- und Freitage nicht aufs kommende Jahr verschoben werden. Wenn es aber der CEO anordnet, wird das HR als verlängerter Arm und Vollstrecker der Geschäftsleitung einlenken. Obwohl: wenn dieses Jahr ein Projekt „dazwischen“ kommt, dann wäre es im nächsten Jahr sicherlich wieder genauso. Man würde ihm zwar versichern, dass dies ganz gewiss nicht der Fall sein wird, aber mit seinen 25 Jahren Betriebstreue kennt er den wahren Wert solcher Aussagen.

Er muss etwas vorbereiten

Aus diesem Grund ist klar, dass sich Hannes so vorbereitet, dass das Vorhaben gebucht und nicht widerrufen werden kann. Aber was? Bauchentscheide sind en vogue. Aber Hannes ist dafür nicht der Typ, er braucht Strukturen, da dieser Entscheid heute gefällt wird und erst in einigen Monaten zur Umsetzung kommt. Und dann muss das Programm ja immer noch top sein.

Die richtige Evaluation

Es geht nichts über eine Liste mit den wichtigen Kriterien. Diese hilft, eine Entscheidung mit offenem Ausgang, ganz im Stil von Disruption und Transformation, zu fällen.

Grundsätzlich ist Hannes völlig frei und niemandem Rechenschaft schuldig. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Hannes ist es sehr wichtig, wirklich Abstand zu gewinnen und sich etwas Gutes zu tun. Gleichzeitig erzielen solche Auszeiten immer auch eine Aussenwirkung. Es macht sich heutzutage gut, so etwas zu tun und es dann konsequent im Self-Marketing zu nutzen.

Pilgern ist mehr als nur ein Weg

Hannes erinnert sich an einen Kollegen, der den Jakobsweg machte. Das ist eine Zäsur im Leben. Gemäss Pilgerführer geht es darum, sich „auf den Weg“ zu machen und die Begegnung mit sich selbst auszuhalten. Sein Kollege machte das und kündigte sein Vorhaben schrittweise an. Rund drei Monate im Voraus ein erstes Mal auf facebook. Die Likes und Kommentare zeigten, dass solch ein Vorhaben eine sehr positive Aussenwirkung hat. „Viel Erfolg“, „das machst du gut“ und „ein Vorbild, wer solche Wege auf sich nimmt“ füllten die Kommentarspalte. Die Message kam an. Die Likes wurden mit jedem Schritt in der Vorbereitung mehr.

Schließlich auf dem Weg, der ja dazu dient, ein Leben offline auszuhalten und die Begegnung mit sich zu pflegen, postete der Kollege 48-stündlich Selfies. Mal vor einer ausgebuchten Herberge, mal auf einem einsamen Pfad, mal von einem Berg und zigmal mit der Wegweiser-Tafel „Santiago de Compostela“. Dort angekommen gab’s wieder Bilder von der Ortstafel, von jeder Kirche und auf jedem Bild am unteren Rand einen braungebrannten schlecht rasierten Kopf vom Kollegen.

Ergänzend dazu Bilder von den ausgelatschten Schuhen und für Hardcores auch eine Nahaufnahme der Blasen an den Füßen. Die Community soll aktiv am Pilgerleben teilhaben dürfen und offline war sein Kollege ja auch immer wieder einmal. Also ist der Tatbestand erfüllt, sich auszuklinken und keine Arbeit zu haben.

Das Resultat ist sehr gut

Das wurde enorm geschätzt und bewundert. Das Bild vom Pilgerstempel haben über 300 Leute gelikt und es wurde 80 Mal mit lobenden Worten kommentiert. Das tut dem Ego gut.

Ja, so eine Pilgerreise ist wohl doch auch Selbstbestätigung, wenn das Self-Marketing so gut läuft. Aber ein Problem hat Hannes noch: Er weiß immer noch nicht, wie er die Kamera auf seinem Smartphone so verstellt, dass er selbst und nicht nur das Gegenüber auf dem Bildschirm ist.

(ID:46577752)

Über den Autor

 Stefan Häseli

Stefan Häseli

internationaler Speaker, Atelier Coaching & Training AG