Studie zum neuen Führungskräfte-Typus

Im B2B-Marketing sind jetzt die Leader gefragt

| Autor / Redakteur: Dr. Linus Gemmeke* / Elena Koch

Es fehlt an Leadern – Neben Manger-Kompetenzen, wie analytischen und organisatorischen Fähigkeiten, braucht der Leader ein gewisses Charisma.
Es fehlt an Leadern – Neben Manger-Kompetenzen, wie analytischen und organisatorischen Fähigkeiten, braucht der Leader ein gewisses Charisma. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Weniger verwaltende Manager, dafür mehr begeisternde und visionäre Leader: Das ist es, was Deutschlands Unternehmen jetzt brauchen angesichts des großen Wandels, den sie meistern müssen – so lautet ein zentrales Fazit einer aktuellen Studie der Personalberatung Rochus Mummert.

Was macht erfolgreiche Führung aus, wenn sich Technologien, Strukturen und Werte immer massiver verändern und Unternehmen darauf reagieren müssen – zum Beispiel mit einem grundlegenden Wandel von Geschäftsmodell und Kultur? Antworten auf diese Frage liefert eine umfangreiche Studie der Personalberatung Rochus Mummert Executive Consultants. Im Zeitraum zwischen November 2017 und Januar 2018 wurden dazu 180 Unternehmen verschiedenster Branchen befragt. Den Schwerpunkt bildeten klassische B2B-Segmente wie Maschinenbau oder IT-Beratung.

Die vielzitierte VUKA-Welt setzt deutsche Firmen unter Druck.
Die vielzitierte VUKA-Welt setzt deutsche Firmen unter Druck. (Bild: Rochus Mummert)

VUKA-Welt und Digitalisierung setzen unter Druck

Als erstes Ergebnis bestätigt die Untersuchung einmal mehr, wie die vielzitierte VUKA-Welt – die summierte Herausforderung aus hoher und permanenter Volatilität, Komplexität, Ambiguität und Unsicherheit – deutsche Firmen unter Druck setzt. Einer der Haupttreiber ist hier nicht zuletzt die immer weiter voran schreitende und mittlerweile multidimensionale Digitalisierung des Wirtschaftslebens. Über die Hälfte der Befragten geben an, dass sie vor diesem Hintergrund starke bis sehr starke Veränderungen für das eigene Unternehmen erwarten. Ein entsprechender Wandel steht damit auch vielen Marketing- und Kommunikationsabteilungen bevor.

Wie schnell spüren Unternehmen Veränderung?
Wie schnell spüren Unternehmen Veränderung? (Bild: Rochus Mummert)

Marketing im Umbruch

Wie schon heute sichtbar, geht es dabei nicht nur um Fragen, welche neuen Plattformen und Kanälen künftig den Ton angeben, sondern immer häufiger um das regelmäßige Finden und Entwickeln völlig neuer Koordinaten und Regeln, für die es keinerlei Vorlage gibt – etwa was die Planbarkeit oder die Bewertung des Erfolgs von Aktionen und Kampagnen betrifft oder wie eine Zielgruppe künftig zu definieren ist. Abgesehen davon, müssen Unternehmen als Ganzes zunehmend agil werden, um in einer immer unsichereren Geschäftswelt weiterhin möglichst erfolgreich zu sein. Damit werden sich auch die Bereiche Marketing und Kommunikation generell noch mehr von altgewohnten Strukturen, Abläufen und Zuständigkeiten verabschieden und neues Terrain betreten müssen – zum Beispiel in Form komplett neuer Arten der internen Zusammenarbeit. Mit der Produktentwicklung und dem Vertrieb wird zudem nochmals ein anderes Zusammenspiel gefordert sein, wenn Unternehmen neue Geschäftsfelder wesentlich dynamischer und kurzfristiger erschließen oder ihr Geschäftsmodell mit einer ganz anderen Flexibilität leben.

Wirksame Führung braucht Leader

Als am ehesten in der Lage, die damit verbundenen Veränderungen zu meistern, sehen die Befragten der Studie Führungskräfte, die echte Leadership-Kompetenzen besitzen – jene Qualitäten, die Führung erst wirksam machen. Besonders häufig werden hier genannt: Die Fähigkeit, Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Werten und Lebensentwürfen hinter einer attraktiven Vision zu vereinen sowie ein starkes Charisma. Was gut nachvollziehbar ist, nachdem vielen Unternehmen und Abteilungen ein wahrhaft fundamentaler Wandel bevorsteht, der optimalerweise proaktiv angegangen wird, um nicht von außen in letzter Minute erzwungen zu werden. Gelingen kann er jedoch nur, wenn alle Beteiligten nicht nur rational, sondern vor allem emotional dahinter stehen – wobei die entscheidende Zündung nur von der Führungskraft ausgehen kann.

Wenn Vertrauen und Verantwortung die Kultur prägen

Auch der künftige Kulturwandel, mit dem ehemals autokratische Strukturen immer weiter durch Werte wie Vertrauen und Verantwortung abgelöst werden, erfordert bei Vorgesetzten mehr denn je die Fähigkeit, durch eine gewinnende persönliche Art Mitarbeiter bewegen und begeistern zu können. Ebenfalls an vorderster Stelle der Leadership-Kompetenzen rangiert in der Studie das Vorhandensein einer ausgeprägten Unternehmer-Mentalität. Sie ist zum Beispiel wichtig, um Chancen und Gelegenheiten in schnell sich ändernden Märkten und Konstellationen frühzeitig zu erkennen und zu nutzen – oder um bestehende Geschäftsmodelle jederzeit kritisch zu hinterfragen. Aufgaben, bei denen auch das Marketing durch seine Nähe zu Märkten und Kunden in Zukunft deutlich stärker gefordert sein wird.

Wie schätzen Mitarbeiter die Kompetenzen der Führungskräfte ein?
Wie schätzen Mitarbeiter die Kompetenzen der Führungskräfte ein? (Bild: Rochus Mummert)

Leader versus Manager

Auf der anderen Seite sehen nur 37 Prozent der befragten Unternehmen ihre Führungskräfte als gut bis sehr gut gerüstet, Change-Prozesse erfolgreich umzusetzen und den neuen Herausforderungen angemessen zu begegnen. Mit anderen Worten: Es fehlt an Leadern – Führungskräften mit transformationalen Qualitäten. Das ist kein Wunder: Gerade im deutschen Sprachgebrauch wurden die Begriffe Leader und Manager bisher mehr oder minder in einen Topf geworfen. Dabei beschreiben sie zwei durchaus unterschiedliche Typen: Während der Manager vor allem auf logisch-analytische sowie organisatorisch-prozessuale Aufgaben fokussiert, kennzeichnet den Leader jene eingangs genannte Mischung aus starkem Unternehmer-Gen, gewinnendem Charisma und der Fähigkeit zur packenden Vision – wobei beide natürlich ihre Berechtigung und Bedeutung haben.

Wir stark wird zukünftig zwischen Manager und Leader unterschieden?
Wir stark wird zukünftig zwischen Manager und Leader unterschieden? (Bild: Rochus Mummert)

Trotzdem unterscheiden zwei Drittel der befragten Unternehmen bis heute noch nicht wirklich klar zwischen den jeweiligen Kompetenzen. Immerhin: 70 Prozent geben an, dies künftig stärker zu tun – was damit zum Beispiel neue Vorzeichen bei der Besetzung von Führungspositionen im Marketing bedeuten kann. Oder auch eine Einladung an Marketingentscheider, die eigenen Leadership-Kompetenzen zu schärfen und auszubauen, etwa mittels Coaching.

* Dr. Linus Gemmeke, Partner bei Rochus Mmmert Executive Consultants, verfügt über langjährige fundierte Berufserfahrung im Human Resources Management mit den Erfahrungsschwerpunkten strategische Personalentwicklung sowie Gewinnung von Führungskräften.

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