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Expertenbeitrag

 Thomas Biedermann

Thomas Biedermann

Managing Director Deutschland & Senior Vice President Europe DWA, eine Tochter der Merkle Inc.

Kommentar Inhouse oder Outsourcing – die ewige Suche nach einer optimalen Mediakompetenz

| Autor / Redakteur: Thomas Biedermann / Veronika Kremsreiter

Die Diskussion „Inhouse versus externe Agentur“ ist nun wirklich keine neue. Dennoch, gerade in komplexen Zeiten, wie während der Corona-Situation, und den daraus folgenden Sparansätzen, wird die Fragestellung wieder aktuell. So aktuell, dass ich auch meine „Zwei Cents“ dazu abgeben möchte.

Die Rolle der Agentur wird sich verändern. Die Unternehmenswelt bewegt sich weg von der Exekution via Agentur, zunehmend mehr hin zu einem deutlich stärkeren Beratungsansatz.
Die Rolle der Agentur wird sich verändern. Die Unternehmenswelt bewegt sich weg von der Exekution via Agentur, zunehmend mehr hin zu einem deutlich stärkeren Beratungsansatz.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Prinzipiell bin ich, als ein Vertreter der Agenturseite, ein sehr großer Befürworter, wenn Kunden Kompetenzen und Wissen Inhouse aufbauen. Nicht, weil Unternehmen uns Agenturen dadurch ersetzen könnten, sondern weil ein deutlich besserer Austausch und effektiveres Zusammenarbeiten möglich ist. Ich spreche dabei aus Erfahrung, die ich während meiner bisherigen Unternehmens- und Agenturlaufbahn ausgiebig sammeln konnte.

Dynamik und Komplexität der Medienvielfalt erfordern interne Expertise! Oder doch externes Know-how?

Wie sehr kämpfen doch Agenturen mit Unternehmen, die sich kaum bis gar nicht mit der aktuellen Explosion der Medienvielfalt auseinandersetzen. Auch haben totgeglaubte Applikationen wie Houseparty (ursprünglich 2016 gelauncht) und sogar ICQ (unter dem bahnbrechenden Namen „ICQ new“) auf einmal höchste Aufmerksamkeit. Oder denken Sie einmal an die technologischen Möglichkeiten der Werbemittelausspielung und des Targetings nach. Mal Hand aufs Herz: Steigen Sie da noch wirklich durch?

Alles Themen, die eher für externes Know-how sprechen, als für die vorhandene Inhouse-Abteilung. Oder?

Aber es gibt auch zunehmend mehr Themen, die sensible Daten beinhalten (wie Business Intelligence oder CRM) und somit ein Outsourcing mehr als nur schwierig gestalten. Hinzu kommen granulare Mediaanforderungen und wachsende Ansprüche von Zielgruppen, die am liebsten 24/7 Antworten zu ihren Fragen und Wünschen haben möchten. Hierzu zählt insbesondere die Kommunikation über die digitalen Kanäle.

Der Wandel zum vollständigen Inhousing ist erkennbar, aber auch gefürchtet

Durch die Krise bedingt denken viele Unternehmen darüber nach, externe Mediakompetenz nach intern zu ziehen. Einerseits, um die Auslastung der eigenen Kolleginnen und Kollegen zu steigern. Anderseits, um die Silos zwischen den Maßnahmen aufzubrechen und die Kommunikation effizienter und effektiver zu gestalten.

Hier werden Unternehmen an viele Grenzen stoßen. Also was nun? Der Chef sagt: „Bauen Sie mir den Wildwuchs unserer Agenturen ab“ und Sie stellen bei jedem zweiten Schritt fest, dass Sie eigentlich sogar noch eine weitere Agentur benötigen, die ihre bisherigen Agenturen steuert, respektive konsolidiert.

Es klingt nach einer ziemlichen Herausforderung, die mit Fingerspritzengefühl bewältigt werden muss. Die Lösung liegt jedenfalls nicht in einem voreiligen Insourcing. Sondern in einem smarten, strategischen Zusammenführen und Konsolidieren was zusammengehört. Die Kunst der Beziehung zwischen Agenturen und Unternehmen liegt doch in dem Zusammenspiel aus Kooperation und Identifikation. Es gilt also vielmehr zu überdenken, ob Agenturen tatsächlich nur über Kompetenzen innerhalb von Silo-Denkweisen verfügen. Schließlich ist das Durchbrechen von Silo-Denkweisen längst ersichtlich. Entscheidend ist der Mehrwert in der Zusammenarbeit mit Agenturen. Ein solcher kann nur entstehen, wenn die Agentur so (mit)denkt wie Ihr Unternehmen. Fürchten Sie daher nicht, den Wildwuchs ihrer Agenturen zu überdenken. Fürchten sie jedoch möglicherweise kongeniale Partnerschaften leichtfertig zu trennen.

Es ist Zeit, Partnerschaften mit Agenturen neu zu definieren

Die Rolle der Agentur wird sich verändern. Die Unternehmenswelt bewegt sich weg von der Exekution via Agentur, zunehmend mehr hin zu einem deutlich stärkeren Beratungsansatz. Diese Anforderung sieht Partner vor, die handwerklich Technologie und Verzahnung der Mediakanäle verstehen, Ihnen bestmögliche Strategien liefern – als Verlängerung Ihrer Marketingabteilung – und mit Erfahrung unterstützen, diese Maßnahmen intern aufzubauen sowie sie auch zu betreuen.

Damit ist keineswegs das Ende der Agenturzeit eingeleitet. Aber es wird ein anderes miteinander. Es wird endlich eine Partnerschaft, die weniger durch Margendiskussionen gewonnen wird, sondern durch tatsächliche Mehrwerte für Sie und ihr Geschäft.

(ID:46750256)

Über den Autor

 Thomas Biedermann

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Managing Director Deutschland & Senior Vice President Europe DWA, eine Tochter der Merkle Inc.