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Businessprobleme visuell analysieren und lösen – Teil 2 Mit Bildern zu neuen Lösungswegen

| Redakteur: Georgina Bott

Mit visuellem Denken bauen Unternehmen eine Brücke zwischen Mensch, Technologie und Problemlösung – und gestalten so neue Wege zum Ziel. Wie Sie Businessproblemen in der Praxis visuell begegnen, erfahren Sie in diesem Interview.

Visuelles Denken kann Unternehmen helfen, neue Lösungswege zu finden.
Visuelles Denken kann Unternehmen helfen, neue Lösungswege zu finden.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Bilder sind für den Menschen einprägsamer als Worte und können vieles an Inhalt transportieren, was durch Sprache falsch interpretiert werden könnte. In einem Gespräch mit marconomy.de erklärt Marko Hamel, warum es für B2B-Unternehmen Sinn macht, Businessproblemen visuell zu begegnen.

In Teil eins der Artikelserie „Businessprobleme visuell analysieren und lösen“ haben Sie erfahren, wie Sie mit Hilfe von Visualisierungstechniken rasante Entwicklungen einfach und effektiv analysieren, präsentieren und lösen, um Veränderungsprozesse erfolgreich gestalten zu können.

Mit der Visualisierung können Unternehmen Probleme erkennen und darstellen – und gestalten somit neue Wege zum Ziel.
Mit der Visualisierung können Unternehmen Probleme erkennen und darstellen – und gestalten somit neue Wege zum Ziel.
(Bild: MM-PR GmbH)

Herr Hamel, wie werden Businessprobleme bisher im Allgemeinen gehandhabt?

Marko Hamel: Die meisten Probleme werden am Schreibtisch gelöst. Zumindest wird es versucht. Entweder einer brütet alleine vor sich hin oder mehrere treffen sich in einem Meeting – und wie wenig produktiv diese sind, wissen wir wohl alle – und überlegen, was helfen könnte. Geht intern gar nichts vorwärts, wird ein externer Berater geholt, der dann oftmals ein Standardkonzept präsentiert, das dem Unternehmen in Best-Practice-Manier übergestülpt wird. Das wirkliche Problem wird damit weder sicht- noch lösbar.

Es gibt also unerkannte Probleme?

Ja, nehmen wir beispielsweise das Thema Digitalisierung. Diese wird meist rein technisch gesehen. Neue Systeme und Geschäftsprozesse werden aufgebaut. Doch das reicht nicht, weil ein Wandel des gesamten Arbeitens damit verbunden ist. Der Umgang miteinander, untereinander verändert sich. Genau das wird aber in der herkömmlichen Herangehensweise – beispielsweise durch rein lineares Denken – nicht betrachtet.

Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Wirklich erstaunlich ist, dass das Wissen, sprich Antworten auf die wichtigsten Fragen beziehungsweise die Lösung für bestimmte Probleme, bereits in den Unternehmen steckt. Trotzdem können die aktuellen Businessprobleme nicht gelöst werden, weil nicht oder eher schädigend darüber kommuniziert wird. Entweder es findet überhaupt kein Dialog statt oder nur auf einer bestimmten Ebene. Eine wirklich interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Lösungsansatz aus verschiedenen Perspektiven fehlt meist komplett. Eine Herausforderung gerade für Führungskräfte besteht außerdem darin, innovative Ideen und Strategien intern und extern so zu „verkaufen“, dass alle Beteiligten engagiert und ohne die ansonsten üblichen Ängste vor Veränderungen an der Umsetzung mitwirken.

Ohne Verinnerlichung ist ein Rückfall auf Sprache und Geschriebenes vorprogrammiert, der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier – und Wissen ist nicht gleich Können.
Ohne Verinnerlichung ist ein Rückfall auf Sprache und Geschriebenes vorprogrammiert, der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier – und Wissen ist nicht gleich Können.
(Bild: MM-PR GmbH)

Wie unterstützt die Visualisierung einen solchen Prozess?

In einem Workshop arbeiten unterschiedliche Menschen zusammen. Jeder zeigt aber nur sein eigenes Bild. Introvertierte geben kaum etwas preis, so dass ihre wertvolle Meinung nicht zur Geltung kommt. Bei einer gut moderierten Visualisierung können im Dialogmodell Ideen zusammengeführt werden. Jeder sieht die unterschiedlichen Bilder der Teilnehmer von ein und derselben Sache. Erst wenn bekannt ist, was alles in den Köpfen drin ist, lässt sich die Ausgangslage formulieren und festhalten.

Wird die Visualisierung tatsächlich in den Alltag übernommen?

Ohne Verinnerlichung ist ein Rückfall auf Sprache und Geschriebenes vorprogrammiert, der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier – und Wissen ist nicht gleich Können. Bei einer gemeinsamen Erarbeitung besteht diese Gefahr kaum. Meist kommen Unternehmen mit einem Thema in den Workshop. Sobald es die Teilnehmer aufzeichnen, wird klar, dass eine ganze Themenwelt dahinter steckt. So aufgedeckte Randthemen und –gebiete werden fast automatisch ebenfalls visualisiert und behandelt.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Durch die Visualisierung verschiedener Inhalte kann eine Brücke zwischen Mensch, Technologie und Problemlösung gebaut – und so neue Wege zum Ziel gestaltet werden.
Durch die Visualisierung verschiedener Inhalte kann eine Brücke zwischen Mensch, Technologie und Problemlösung gebaut – und so neue Wege zum Ziel gestaltet werden.
(Bild: MM-PR GmbH)

Gerne! Bei einem Strategie-Workshop in einem IT-Unternehmen, das sich neu positioniert hat, wurden extrem gute Resultate erzielt. Zunächst wurden die anzusprechenden Kunden lokalisiert. Der Technologiebereich wird ja von sehr guten Technikern dominiert. Aber die denken und handeln nicht so wie ihre Kunden. Die interessiert Digitalisierung, weil sie wissen, dass sie notwendig ist, um vorne zu bleiben. Sie fragen: Was bringt sie mir? Was ist der Nutzen? Im Workshop konnten wir genau diese Kundenperspektive einnehmen: Den Nutzen, den die Technologie den Menschen bringt und nicht die Technologie für sich selbst. Sie ist nur ein Mittel. Im Fokus stehen sollte der Mensch. Mit der Visualisierung bedeutsamer Bilder konnten wir eine Brücke bauen zwischen Mensch, Technologie und Problemlösung – und so neue Wege zum Ziel gestalten.

Herr Hamel, vielen Dank für das nette Gespräch!

Miriam und Marko Hamel sind Gründer und Geschäftsführer von Visual Selling - Die Strategieberatung für visuelle Kommunikation im Business.
Miriam und Marko Hamel sind Gründer und Geschäftsführer von Visual Selling - Die Strategieberatung für visuelle Kommunikation im Business.
(Bild: MM-PR GmbH)

Über den Interviewpartner

Marko Hamel ist gemeinsam mit Miriam Hamel Gründer und Geschäftsführer von Visual Selling – Die Strategieberatung für visuelle Kommunikation im Business. Sie unterstützen Organisationen, Businessprobleme zu analysieren, im Team co-kreativ zu lösen sowie komplexe Produkte, Dienstleistungen und Ideen neu zu denken und verständlich visuell darzustellen.

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