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Nachhaltigkeit Neo-Ökologie – Ist Nachhaltigkeit noch ein Alleinstellungsmerkmal?

| Autor / Redakteur: Manuel Elsen / Julia Krause

Die Ära der Neo-Ökologie fängt gerade erst an und das Thema hat sich zu einem echten Trend entwickelt. Die neue Nachhaltigkeit hat mittlerweile in allen Schritten der Wertschöpfungskette Einzug gehalten und verändert auch das Marketing im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig.

Nachhaltigkeit alleine reicht mittlerweile als Alleinstellungsmerkmal nicht mehr aus.
Nachhaltigkeit alleine reicht mittlerweile als Alleinstellungsmerkmal nicht mehr aus.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Was also verbirgt sich hinter dem Begriff der Neo-Ökologie und welche Relevanz hat sie für das Marketing der Zukunft? Solche und viele weitere Fragen tauchen in diesem Zuge immer häufiger auf und dementsprechend ist es an der Zeit, diese einmal im Detail zu beantworten:

Definition und Hintergründe der „Neo-Ökologie“

Wörtlich übersetzt, beschreibt die Neo-Ökologie eine neue Form der Nachhaltigkeit beziehungsweise Umweltfreundlichkeit. Es geht darum, schonend mit Ressourcen umzugehen, das Klima zu schützen und ebenfalls Pflanzen sowie Tiere. Auf die Gesamtheit bezogen, bezeichnet die Neo-Ökologie eine flächendeckende Neuausrichtung der Werte in der Gesellschaft – in Deutschland, aber auch vielen anderen Ländern der Welt. Dementsprechend wird das Thema auch aus unternehmerischer Sicht zunehmend zu einem relevanten Wettbewerbsfaktor. Doch dazu später mehr.

Erst einmal lohnt sich ein Blick auf die Hintergründe, weshalb die Neo-Ökologie derzeit einen solchen Aufschwung erlebt. In erster Linie steckt natürlich der Klimawandel hinter dieser Entwicklung, schließlich stellt er aktuell ein allgegenwärtiges Thema in den öffentlichen Medien dar. Zwar ist das Problem der Klimaerwärmung bereits seit Längerem bekannt, doch erst jetzt scheint eine Art Panik in der Bevölkerung auszubrechen – was an den „Fridays for Future“ oder aktuellen Studienergebnissen mit erschreckenden Zukunftsszenarien liegen mag. Ein weiterer Grund liegt darin, dass die Folgen des Klimawandels erstmals für die Bevölkerung spürbar werden. Hitzerekorde im Sommer oder die Verbreitung von Tropenkrankheiten in Europa sind dafür nur zwei von vielen Beispielen. Plötzlich sind die ökologischen Veränderungen real und können nicht länger verleugnet werden.

Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor

Dass die industrielle Produktion mitverantwortlich für den Klimawandel ist, ist bei den Verbrauchern allseits bekannt. Ebenso wissen viele, dass sie einen Teil beitragen müssen, wenn sie den Planeten Erde auch in Zukunft lebenswert erhalten wollen. Sie beginnen also damit, kleine Veränderungen in ihrem Alltag vorzunehmen. Das betrifft auch die Auswahl der Produkte und Dienstleistungen, welche sie kaufen beziehungsweise in Anspruch nehmen. Immer mehr Menschen achten darauf, dass es sich um ökologische Angebote handelt, welche sie sozusagen mit einem guten Gewissen gegenüber der Umwelt konsumieren können. Somit ist die Nachhaltigkeit plötzlich ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.

Sich als nachhaltiges Unternehmen zu präsentieren, ist daher schon seit mehreren Jahren für viele Unternehmen ein essentieller Bestandteil ihres Corporate Brandings. Allerdings reicht es längst nicht mehr aus, nur ein „grünes“ Image zu haben. Stattdessen kommt an dieser Stelle die Neo-Ökologie ins Spiel und diese geht weit über die reine Kommunikation hinaus…

Neo-Ökologie muss ganzheitlich gedacht werden

Der Unterschied zwischen einem nachhaltigen und einem neo-ökologischen Unternehmen besteht also darin, dass die Neo-Ökologie ein ganzheitliches Konzept ist, welches zwar auch das Marketing betrifft, aber eben nicht nur. Stattdessen bedeutet sie zusätzlich ein verantwortungsbewusstes Handeln auf allen Ebenen. Die Nachhaltigkeit muss somit von allen Beteiligten, in sämtlichen Geschäftsbereichen, bei jedem Prozess und jederzeit umgesetzt werden. Es gilt, die gesamte Unternehmensstrategie und -kultur auf die Nachhaltigkeit auszurichten. Nur so kann die Neo-Ökologie authentisch gelebt werden und dadurch als Alleinstellungsmerkmal dienen. Die Grundsätze lauten:

  • Umwelt- und Klimaschutz, beispielsweise durch die Auswahl von regionalen Lieferanten oder die Reduktion von Emissionen und Plastikverpackungen.
  • Schonung von Ressourcen durch das Einsparen von Energie, zum Beispiel durch den Einsatz von Leistungsmessern, wie sie von großen Gewerbekunden angebracht werden können oder auf Netzebene 5 notwendig sind. Aber auch das Sparen von Wasser oder die Umrüstung auf eine umweltschonende(re) Heizung sind zwei von vielen weiteren Möglichkeiten.
  • Effizienz in allen Bereichen, was auch den Umgang mit Ressourcen betrifft, aber ebenso die die Wertschöpfungsprozesse, die Finanzen sowie die Arbeitskraft der Mitarbeiter.
  • Schutz von Tieren und Pflanzen, was beispielsweise den Verzicht auf eine Abholzung des Regenwalds bedeutet – auch bei sämtlichen Lieferanten – oder auf Tierversuche. Empfehlenswert ist für mehr Transparenz aus Verbrauchersicht der Einsatz von entsprechenden Siegeln wie beispielsweise der „Hase mit der schützenden Hand“.

Das „grüne“ Image oder die umweltfreundliche Verpackung von Produkten sind dabei also nicht der erste, sondern einige der letzten Schritte. Erst einmal muss bei den grundlegenden Faktoren wie dem Leitbild, der Kultur, den Werten und den Zielen des Unternehmens angesetzt werden. Kein Wunder, dass Neo-Ökologie mittlerweile den Rang als Schlüsselfaktor für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen innehat.

Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal?

Um zum Ausgangspunkt zurückzugehen, lässt sich also festhalten, dass Nachhaltigkeit alleine – wie sie bislang von vielen Unternehmen umgesetzt wurde – mittlerweile als Alleinstellungsmerkmal nicht mehr ausreicht. Stattdessen ist es an der Zeit, dieser weiter zu denken und ein Konzept der Neo-Ökologie zu implementieren. Diese hat also tatsächlich (noch) das Zeug zum USP, wird aber zunehmend von den Verbrauchern auch schlichtweg vorausgesetzt.

Vorteile der Neo-Ökologie aus wirtschaftlicher Sicht

Die Vorteile für die Umwelt, welche die flächendeckende Umstellung auf den neo-ökologischen Ansatz nach sich zieht, liegen auf der Hand. Doch aus ökonomischer Perspektive bringt sie ebenfalls zahlreiche positive Effekte mit:

  • Verbraucher sind bereit, für nachhaltige Produkte auch mehr Geld auszugeben. Für ihr gutes Gewissen gegenüber Natur, Pflanzen und Tieren greifen sie also tiefer in den Geldbeutel. Somit wird die Umstellung auf die Neo-Ökologie zu einer Investition, welche sich bestenfalls durch einen höheren Wert der Produkte oder Dienstleistungen aus Verbrauchersicht zeitnah amortisiert.
  • Natürlich kann und sollte die Neo-Ökologie auch aktiv für das Marketing eingesetzt werden. Doch das Image des Unternehmens profitiert davon zusätzlich – quasi vollautomatisch. Das gilt sowohl intern und im Sinne des Employer Brandings, aber auch in der externen Kommunikation wird sie zum Wettbewerbsvorteil, was wiederum der Kundengewinnung sowie -bindung dient.
  • Zugleich stellt das Unternehmen die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft. Die Ausrichtung auf (mehr) Nachhaltigkeit verhindert somit zukünftige Probleme, welche mit großer Wahrscheinlichkeit kommen würden…denn auch die Politik zieht nach und bringt immer mehr sowie strengere Regulierungen hinsichtlich des Umweltschutzes hervor.

Die Liste der Vorteile könnte noch lange weitergeführt werden. Doch die Frage lautet an dieser Stelle nicht, ob die Neo-Ökologie umgesetzt werden sollte – schließlich ist die Antwort eindeutig. Interessant ist stattdessen, wie sie für das Marketing genutzt werden kann?

So lässt sich Neo-Ökologie im Marketing umsetzen

Der erste Schritt besteht natürlich darin, die Neo-Ökologie überhaupt zu implementieren. Schließlich reicht ein oberflächliches „Greenwashing“ an dieser Stelle nicht aus und wird von den Verbrauchern schnell durchschaut, wodurch genau der gegenteilige zum gewünschte Effekt eintritt. Erst im zweiten Schritt kann die neue Fahrtrichtung des Unternehmens schließlich für sein Corporate Branding genutzt werden – und das sollte es auch. Der Kreativität sind dabei prinzipiell keine Grenzen gesetzt. Folgende Maßnahmen sind aber in jedem Fall sinnvoll:

  • Interne PR für ein nachhaltiges Denken und Handeln bei allen Mitarbeitern. Ziel sind engagierte Mitarbeiter, welche die (neuen) Unternehmenswerte im Sinne der Neo-Ökologie aktiv mittragen und verbreiten.
  • Interne sowie externe Aktionen zu nachhaltigen Themen, welche Aufmerksamkeit für die neuen Grundsätze generieren und einen direkten Mehrwert bieten. Der Bonus für das Image kommt in diesem Zuge quasi automatisch als „Nebenprodukt“.
  • Übernehmen sozialer Verantwortung in der Region – sowohl online als auch offline. Dabei können finanzielle Maßnahmen wie Spenden ebenfalls sinnvoll sein, allerdings geht es vor allem um den aktiven Umweltschutz, der wirksam sowie sichtbar umgesetzt wird.
  • „Tue Gutes und rede darüber“, heißt es. Anstatt also das bereits erwähnte Greenwashing zu betreiben – und quasi nur zu sprechen, nicht aber zu handeln – bedeutet Neo-Ökologie genau das Gegenteil. Erst kommen die Handlungen und dann sollten diese auch aktiv kommuniziert werden. Dabei gilt es, die Medien bestmöglich einzubeziehen.

Wer also authentisch ist, kann offen kommunizieren und wird durch seine guten Taten automatisch die gewünschte Aufmerksamkeit generieren. Zusätzlich sind natürlich die allgemeinen Grundsätze des Corporate Brandings zu berücksichtigen – beispielsweise eine einheitliche Sprache zu finden. Dann kann Neo-Ökologie tatsächlich zum Wettbewerbsvorteil werden und der Imagebildung dienen.

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