Expertenbeitrag

 Alicia Weigel

Alicia Weigel

Content Managerin bei marconomy, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG

Marken-Studie „Soziales Marketing“ ist Chance und Risiko zugleich

Redakteur: Alicia Weigel

Ob Fridays for Future oder #Metoo: Soziale Bewegungen werden immer größer. Dementsprechend fordern Kunden von ihren Marken auch klare Standpunkte. Doch die Marken sind bei sogenanntem „sozialem Marketing“ noch eher vorsichtig, wie eine aktuelle Studie verrät. Dabei können sich dadurch enorme Chancen ergeben.

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Soziale Bewegungen werden immer wichtiger. Durch „Soziales Marketing“ können sich Unternehmen dabei positionieren. Dies muss aber gut durchdacht werden.
Soziale Bewegungen werden immer wichtiger. Durch „Soziales Marketing“ können sich Unternehmen dabei positionieren. Dies muss aber gut durchdacht werden.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Marken haben großen Einfluss auf die Denkweisen und Einstellungen der Kunden. Was Kunden aber auch immer mehr fordern, ist, dass Marken Position bei sozialen Bewegungen einnehmen. #Metoo und Black Lives Matter haben gezeigt, dass soziale Bewegungen immer wichtiger werden. Verschiedenste Studie haben hier bereits dargelegt, dass (potenzielle) Kunden Marken wählen, wechseln oder auch meiden, je nachdem wie diese zu politischen oder sozialen Themen stehen. Damit kann sich auch eine Marke solcher Themen nicht entziehen.

Doch wie gehen Marken nun damit um? Sortlist hat dazu 800 Marketingmanager aus fünf Ländern befragt, um herauszufinden, wie Marketer mit diesen Veränderungen umgehen und wie sie zu sozialen Themen stehen. „Soziales Marketing“ sehen viele dabei als Chance, sich bei ihren Kunden zu positionieren, da unter anderem die Glaubwürdigkeit stark ansteigt. Allerdings sind viele bei der Umsetzung noch skeptisch und vorsichtig.

Marken beeinflussen Positionen

Marketer sind sich ihrer Macht durchaus bewusst: 85 Prozent der Befragten geben an, dass sie davon überzeugt sind, dass ihre Position zu sozialen Themen die Meinung beeinflussen kann. Sie gehen davon aus, dass sie Meinungen von Menschen ändern oder einer Sache mehr Sichtbarkeit geben können. Veränderungen werden dabei auch nicht durch den Einsatz von Geld herbeigeführt, sondern vielmehr durch das Aufzeigen von wichtigen Themen, Informationen und Aufklärung. Marken unterstützten in der Vergangenheit dabei meist durch Spenden. Heutzutage haben Marken das Gefühl, dass sie sich engagieren müssen, und die Verbraucher tun und wünschen das.

Genau das spiegelt sich auch in den Top-Gründen für „soziales Marketing“ wider, die Marketingverantwortliche in der Studie angegeben haben. Marketer wollen zunächst das Publikum zufriedenstellen. Erst danach folgt die Widerspiegelung in den eigenen Markenwerten und die Sichtbarkeit der Marke. Welche Themen sollen nun konkret thematisiert werden? Über 30 Prozent gaben hier an, dass es Aspekte sind, an die sie selbst glauben, oder die den Konsumenten wichtig sind.

„Soziales Marketing“ ist noch Neuland

Genau hierfür ist es aber wichtig, dass man vorher einen Schritt zurücktritt. 58 Prozent der Marken geben an, dass sie dafür erst ihre Marke ausrichten müssen, bevor sie „soziales Marketing“ betreiben. Ein Grund dafür: Fast gleich so viele Befragte haben noch nie eine Kampagne auf Basis einer sozialen Bewegung durchgeführt. Dies zeigt, wie brisant dies ist.

Denn: Heutzutage ist es für Marketingteams schwieriger, Kampagnen zu entwickeln. Sie müssen mehrfach überprüft werden, bevor sie veröffentlicht werden. Marken sind hierbei in Zeiten von digitalen Shitstorms generell vorsichtiger und skeptischer geworden. Ein schlechter Buzz kann sich in Social Media schnell verbreiten und schwerwiegende Folgen für das Unternehmen mit sich bringen. 39 Prozent der Marketer checken ihre Kampagne deshalb jetzt schon mehrmals.

Glaubwürdigkeit steigt an

Wenn Unternehmen dies aber wagen, werden sie von ihren Kunden meist belohnt. 37 Prozent der Befragten, die „soziales Marketing“ betrieben haben, konnten eine Steigerung ihrer Glaubwürdigkeit und der Loyalität ihrer Kunden feststellen. Selten gab es Gegenreaktionen. Somit ist der Wert von solchen Marketingkampagnen für das eigene Markenimage nicht zu vernachlässigen. Auch der Umsatz kann dadurch massiv ansteigen.

Fazit zum „sozialen Marketing“

„Soziales Marketing“ kann für viele Unternehmen, auch im B2B-Bereich, große Chancen bringen. Wichtig ist, dass dabei überdacht wird, dass Werte für Kunden eine wichtige Rolle spielen. Die sozialen Werte müssen mit den Unternehmenswerten übereinstimmen. Nur dann kann die Marke ein stimmiges Bild beim Kunden erzeugen. Auch B2B-Marketer dürfen das nicht vernachlässigen, denn hinter jedem Auftrag sitzt ein Mensch aus Fleisch und Blut, der Aufträge erteilt. Da viele Unternehmen im Bereich des „sozialen Marketings“ noch am Anfang stehen, besteht hier großes Potential. Insgesamt lässt sich dabei sagen, dass sich eine Stellungnahme, wenn sie sich konsistent in den Werten niederschlägt, positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt.

Über die Studie:

Sortlist hat im Zeitraum vom 27.09.2021 bis zum 01.10.2021 800 Marketingleiter in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien und Deutschland befragt.

*Quelle: Sortlist

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