10 Leitgedanken zur Digitalen Agenda – Teil 3

Technologien sind austauschbar – die Haltung nicht

| Autor / Redakteur: Jürgen Gietl / Georgina Bott

Deutsche Unternehmen sollten ihr Wissen über ihre Kunden als Chance zum Wachstum begreifen und ihren Traum nutzen, um Mitarbeiter, Kunden oder eine ganze Gesellschaft hinter sich zu vereinen und in Bewegung zu setzen.
Deutsche Unternehmen sollten ihr Wissen über ihre Kunden als Chance zum Wachstum begreifen und ihren Traum nutzen, um Mitarbeiter, Kunden oder eine ganze Gesellschaft hinter sich zu vereinen und in Bewegung zu setzen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

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Keiner kennt seine Kunden so gut, wie das Unternehmen selbst. Unternehmen sollten dieses Wissen als Chance zum Wachstum begreifen. Wenn sie außerdem verstehen, ihren Standpunkt zu vertreten und ihren Traum zu nutzen, können sie ihre Mitarbeiter, Kunden oder eine ganze Gesellschaft hinter sich vereinen und in Bewegung setzen.

Fünfzig Vordenker starteten auf dem „Giga Gipfel“ das „Digitale Manifest des 21. Jahrhunderts für Deutschland und Europa“. Jenseits von Geschäftsberichten und Digitalisierungs-Buzzwords wurde über eine digitale Agenda gesprochen. Zehn Leitgedanken dazu, lesen Sie in dieser Serie.

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28.05.18 - Fünfzig Vordenker starteten auf dem „Giga Gipfel“ das „Digitale Manifest des 21. Jahrhunderts für Deutschland und Europa“. Jenseits von Geschäftsberichten und Digitalisierungs-Buzzwords wurde über eine digitale Agenda gesprochen. Zehn Leitgedanken dazu, lesen Sie hier. lesen

3. Leitgedanke: Technologien sind austauschbar – die Haltung nicht

Unternehmen brauchen klare Prinzipien, mit denen sie sich deutlich vom Wettbewerb abgrenzen. Denn je digitalisierter, technologischer die Angebote werden, desto mehr sehnen sich Konsumenten nach Differenziertheit und Individualität.
Es ist kein Geheimnis, dass geistige Beweglichkeit die Voraussetzung für den digitalen Umbau ist. Und diese intellektuelle Flexibilität kann trainiert werden. Das wurde auf dem Giga-Gipfel sehr klar.

Als intellektuelles Warm-up luden Miriam Meckel, Herausgeberin der „Wirtschaftswoche", und Léa Steinacker, Chief Digital Officer der „Wirtschaftswoche" die Mitglieder zum Gehirnjogging ein. Sie durften sich an der Gestaltung leerer Kreise austoben.

Der Regelbruch – ein Erfolgsbaustein
Die Ergebnisse fielen höchst unterschiedlich aus. „Wir haben in der Regel die Angewohnheit, innerhalb des Kreises zu denken – lasst uns außerhalb von Kreisen denken", sagte Léa Steinacker. Es gehe um das Denken ohne vorgegebene Grenzen.

„Seien Sie offen, trauen Sie sich das Gegenteil von dem zu, was Sie derzeit denken. Haben Sie den Mut, auch zu zerstören", heißt deshalb eine der Regeln, die in das „digitale Manifest von Sölden" aufgenommen werden sollen.

Starke Marken verletzen häufig Regeln, sie brechen alte Denkmuster ihrer Branchen auf. Das macht sie in ihrer Überzeugung, Differenzierung und Leistungskraft noch stärker.

Resilienz statt Trägheit und Labilität
Grenzen überwinden: Das schaffen viele Menschen nur, wenn sie in sich gefestigt sind oder Halt bekommen. Sollten sie in unsicheren Zeiten – des Wandels, der Zerstörung oder des Neuen Denkens – keinen Halt haben, führen Veränderungen schnell zu Unsicherheit, Unklarheit und Unfreiheit.

Mut beweisen, offen sein für Neues, Gewohnheiten über Bord werfen – häufig wird ein solches Verhalten gleichgesetzt mit dem Verletzen von Prinzipien, Werten und Haltung. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wenn diese klar erkennbar sind und bewusst eingesetzt werden, wirken sie wie ein starker Anker, mit dem sie sich im Sturm flexibel bewegen und weiterentwickeln können.

Alissia Iljaitsch, Expertin für digitale Innovation, plädiert dafür, den digitalen Spielplatz mit Mut zum Experiment zu betreten – allerdings müssen auf diesem Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein: „Ein guter Spielplatz ist so gebaut, dass er auch einen sicheren Ort besitzt", sagte die Strategin.

Unsere BrandTrust-Studie zur Markenresilienz von Technologiemarken zeigt deutlich: Zukunftsfähig sind jene Unternehmen, die mit Hilfe ihrer Marke ihre Agilität erhöhen – aber gleichzeitig den Handlungsrahmen und die Überzeugungen nutzen, welche die Marke in sich trägt.

Vom Getriebenen zum Überzeugungstäter
Das Mantra des Giga-Gipfels gab Hannes Ametsreiter aus. Der Vorstandschef von Vodafone fordert, statt frustrierender Pilgerfahrten ins Silicon Valley zu Google und Apple, sich endlich auf die Stärken der Industrie Deutschlands – also auf sich selbst – zu besinnen und sie in die digitale Zukunft zu überführen.

„Gehe deinen eigenen Weg. Baue auf deine Stärken in Europa", fordert Ametsreiter. Es geht also nicht darum, nur neue Technologien und digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Es geht darum, sich bewusst zu machen ...

  • warum man das tut
  • ob man glaubwürdig auf seine Stärken und Charakteristika aufbaut
  • was man bezweckt
  • welchem Zukunftsbild all das folgt.

Erst danach gilt es, überlegene Angebote für die Kunden zu gestalten – mit neuen technologischen Möglichkeiten, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.

Haltung schafft die nötige Differenzierung
Je digitalisierter, je technologischer die Lösungen der Unternehmen werden, desto mehr sehnen sich Kunden nach Differenziertheit und Individualität. Diese Tendenz war bereits während der 3. Industriellen Revolution (mit den Möglichkeiten der Massenanfertigung in gleicher Qualität) zu erkennen. Je ähnlicher Produkte und Services wurden, desto stärker suchten Unternehmer und Kunden nach Möglichkeiten, sich von anderen abzugrenzen.

Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto gleicher werden digitale Produkte, Services und Prozesse – und desto intensiver werden Menschen nach den Unterschieden suchen. Wenn diese im Angebot selbst nicht zu erkennen sind, müssen umso mehr Haltung, Charakteristik und Ursache der jeweiligen Spitzenleistung erkennbar werden: mit Hilfe ihrer Marke.

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