B2B Social Media Viral war gestern: TikTok als strategischer Touchpoint

Ein Gastbeitrag von Stephan Pichlmeier* 5 min Lesedauer

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TikTok ist längst mehr als nur ein Kanal für virale Trends – es ist ein Spielfeld für Unternehmen, die authentische Verbindungen zu einer neuen Generation von Entscheidungsträgern aufbauen wollen. Wie Sie eine solche Verbindung aufbauen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

TikTok ist für Unternehmen längst mehr als nur ein Kanal zur Reichweitensteigerung.(Bild:  Unsplash)
TikTok ist für Unternehmen längst mehr als nur ein Kanal zur Reichweitensteigerung.
(Bild: Unsplash)

Besonders in Märkten mit längeren Entscheidungsprozessen und komplexen Produkten geht es nicht allein um Reichweite, sondern um Relevanz und Nähe. Wer sich auf TikTok behaupten will, braucht mehr als klassische Werbebotschaften – gefragt sind strategisches Storytelling, aktives Community-Management und der Aufbau nachhaltigen Markenvertrauens. Erfolgreiche Unternehmen nutzen TikTok nicht nur als Kommunikationskanal, sondern als strategisches Werkzeug, um sich langfristig als relevante Stimme ihrer Branche zu etablieren.

Relevante TikTok-Trends für das B2B Marketing

Die Dynamik der Plattform zeigt sich besonders in der Art und Weise, wie sich Informations- und Kaufverhalten verändern. Während klassische Werbekanäle oft auf Push-Kommunikation setzen, erwarten Nutzer heute einen echten Mehrwert – fundierte Inhalte, spannende Insights und den direkten Dialog mit Marken. Laut einer Studie von TikTok und Intermate haben 75 Prozent der Nutzer ihr Konsumverhalten angepasst, 40 Prozent meiden bewusst etablierte Namen. Was im B2C-Bereich längst Standard ist, gewinnt auch für Unternehmen mit komplexen Dienstleistungen oder technischen Produkten an Relevanz: Wer langfristig relevant bleiben will, muss mehr bieten als Produktwerbung – gefordert sind Know-how, Praxisbeispiele und authentische Interaktion.

Auch algorithmisch eröffnet TikTok neue Chancen. Eine Metricool-Analyse zeigt, dass Reichweite hier keine Frage der Followerzahl ist, sondern der Relevanz. Gerade für Unternehmen mit spitzeren Zielgruppen kann das von Vorteil sein: Auch kleinere Marken oder spezialisierte Dienstleister haben die Möglichkeit, mit klugem Storytelling in den Feeds relevanter Nutzer zu landen. Zudem zeigt sich, dass nicht nur ultrakurze Videos performen: Clips zwischen zwei und fünf Minuten erzielen oft besonders hohe Engagement-Raten, wenn sie relevante Einblicke oder Expertenwissen bieten.

Von Content zu Community: Strategische Ansätze für Marken

Wer die Mechaniken der Plattform für sich nutzen will, braucht mehr als Reichweite – Echtheit und Interaktion sind entscheidend. Gerade im professionellen Umfeld ist der Vertrauensaufbau essenziell: Unternehmen, die erklärungsbedürftige Lösungen anbieten, profitieren von strategischem Community-Building, das nicht nur Aufmerksamkeit generiert, sondern auch nachhaltig überzeugt. Die vier zentralen Erfolgsfaktoren sind:

  • 1. TikTok First-Content: Inhalte müssen speziell für TikTok produziert werden. Laut Intermate-Studie erzielen maßgeschneiderte Videos eine 91 Prozent höhere 5-Sekunden-View-Through-Rate und 83 Prozent mehr Engagement als angepasste Clips. Nutzer bleiben im Schnitt drei Sekunden länger dran – ein klarer Vorteil für Marken, die echte Aufmerksamkeit wollen. Für Unternehmen mit komplexeren Themen bedeutet das: Wer relevante Fachthemen snackable aufbereitet, gewinnt an Sichtbarkeit.
  • 2. Längere Videos gezielt nutzen: Die durchschnittliche Videolänge auf TikTok stieg von 29 auf 44 Sekunden. Inhalte zwischen 50 und 60 Sekunden erzielen eine View-Follower-Ratio von bis zu 162 Prozent. TikTok belohnt also nicht nur kurze, sondern auch tiefgehende Inhalte – wenn sie spannend erzählt sind. Das bietet Spielraum für tiefergehende Erklärvideos, Case Studies oder Branchen-Insights.
  • 3. Storytelling neu denken: Statt klassischer Erzählmuster funktionieren auf TikTok dynamische Spannungsbögen, die Nutzer fesseln und Interaktionen fördern. Überraschende Wendungen und kreative Schnitte halten die Aufmerksamkeit – Perfektion ist dabei zweitrangig, Authentizität zählt.
  • 4. Community aktiv einbinden: TikTok lebt von Interaktion. Inhalte mit hoher Engagement-Rate – Likes, Kommentare, Shares – erzielen nicht nur mehr Sichtbarkeit, sondern sorgen für langfristige Kundenbindung. Unternehmen können sich hier durch Dialog-Formate, Q&A-Sessions oder gezieltes Community-Management positionieren.

Eine durchdachte TikTok-Strategie bedeutet mehr als bloße Content-Produktion. Wer relevante Inhalte liefert, Interaktion fördert und den Plattform-Algorithmus versteht, kann sich als Stimme seiner Branche etablieren.

Performance & KPIs: TikTok als Teil des Social-Media-Funnels

Nach den bisherigen Insights drängt sich die Frage auf, wie sich der Erfolg auf TikTok eigentlich messen lässt. Hier hilft ein Blick auf den klassischen Social-Media-Funnel, der in drei zentrale Phasen unterteilt ist: Awareness, Engagement und Conversion. In der ersten Phase zählt vor allem die Reichweite – gemessen an Video-Views, Impressionen und erreichten Nutzern. Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht: Likes, Kommentare, Shares und Wiedergabedauer zeigen, ob Inhalte tatsächlich Resonanz erzeugen. Hohe Interaktionsraten bedeuten oft eine stärkere Markenbindung und steigern die Chance, als relevanter Akteur wahrgenommen zu werden.

Für Unternehmen wird TikTok besonders spannend, wenn es um den Schritt von Awareness zu konkreten Ergebnissen geht. KPIs wie Website-Klicks, Link-in-Bio-Aufrufe oder direkte Anfragen zeigen, ob Inhalte nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern auch Geschäftspotenzial haben.

Mit dem geplanten Ausbau des TikTok Shops in Deutschland entstehen zudem neue Möglichkeiten für Unternehmen, auch vertriebsorientierte Strategien auf der Plattform umzusetzen. Während TikTok aktuell vor allem in der Awareness- und Engagement-Phase wirkt, könnte die Plattform langfristig auch in der Lead Generierung und Conversion eine größere Rolle spielen.

B2B Best Practice in Deutschland: Continental auf TikTok

Ein Unternehmen, das TikTok erfolgreich für sich nutzt, ist Continental. Der Automobilzulieferer zeigt, wie sich die Plattform im professionellen Umfeld nutzen lässt – mit einem gezielten Mix aus humorvollen Kurzclips, Storytelling-Videos und exklusiven Einblicken hinter die Kulissen. Der Schlüssel zum Erfolg: Kein wahlloses Content-Stretching, sondern plattformspezifische Inhalte mit strategischem Mehrwert.

Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist ein Storytelling-Video auf @continental, das mit 2,3 Millionen Aufrufen zu den meistgesehenen Beiträgen gehört. In dem Clip wird die technologische Ausrichtung des Unternehmens beleuchtet, mit einem Fokus auf softwaredefinierte Fahrzeugtechnologien. Das Video setzt auf ein ausbalanciertes Format – mit 1:09 Minuten ist es länger als der Plattformdurchschnitt, um verschiedene Aspekte des Themas abzudecken und eine tiefere Storyline zu ermöglichen.

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Auch im Community-Management setzt Continental Maßstäbe: Das Unternehmen interagiert aktiv mit Kommentaren, trifft den richtigen Ton für seine Zielgruppe und überzeugt mit einem kreativen, interaktiven Dialogstil. Ein gutes Beispiel ist ein Video zum Reifenwechsel, das mit 2,5 Millionen Aufrufen eine Welle an Kommentaren auslöste. Statt standardisierter Antworten setzt Continental auf humorvolle, prägnante Reaktionen, die nicht nur Engagement fördern, sondern auch die Markenbindung stärken.

TikTok ist für Unternehmen längst mehr als nur ein Kanal zur Reichweitensteigerung. Wer die Plattformmechaniken versteht, relevante Inhalte liefert und echten Dialog fördert, kann eine loyale Community aufbauen – mit messbaren Erfolgen, die über Likes und Views hinausgehen.

*Stephan Pichlmeier ist Growth and Digital Marketing Specialist bei Metricool.

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