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Expertenbeitrag

 Ulrike Stahl

Ulrike Stahl

Professional Speaker, Beraterin und Kooperationsbotschafterin

Kooperation und Wertschöpfung Warum man in Kooperationen auch „rückwärts planen“ sollte

| Autor / Redakteur: Ulrike Stahl / Annika Lutz

Kooperationen leben von greifbaren Erfolgserlebnissen und Ergebnissen. Für eine gute Wertschöpfung ist aber nicht nur das Ziel ausschlaggebend. Genauso wichtig sind kontinuierliche Zwischenergebnisse und das Schaffen von Werten vor dem Endziel.

Firma zum Thema

Bei Kooperationen ist nicht immer nur das Ziel ausschlaggebend.
Bei Kooperationen ist nicht immer nur das Ziel ausschlaggebend.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Eine Kollegin und ich hatten die Idee, unsere Expertisen zusammenzubringen, daraus ein Konzept zu entwickeln und gemeinsam neuartige und zukunftsfähige Trainings zu halten. Wir entwickelten ein Geschäftskonzept und gründeten eine gemeinsame Firma. Wir arbeiteten am Seminardesign, an Übungen und an der Frage, wie wir unsere Teilnehmer über das Seminar hinaus mit einer Online-Plattform und Apps unterstützen konnten. Ein professionelles Fotoshooting lieferte die Bilder für die Webseite. Im Tagesgeschäft stark ausgelastet, dauerte es immer länger bis zum nächsten gemeinsamen Termin. Auch die Liste an Aufgaben und Investitionsentscheidungen wurde immer länger. Es verdichtete sich die Erkenntnis, dass es so nicht funktioniert. Zu lange hatten wir am Konzept gearbeitet, doch inzwischen hatte sich der Markt verändert. Andere hatten die Idee längst mit mehr Konsequenz aufgegriffen. Die Demotivation war spürbar. Wir hatten eine Firma, deren Existenz uns laufend Geld kostete und unsere Zeitkapazität ließ das Projekt in dieser Größenordnung gar nicht zu. Schließlich entschlossen wir uns dazu, die Firma aufzulösen.

Begeisterung ist noch keine Kooperation

Was hatten wir falsch gemacht? Gerade spontane und kreative Typen laufen Gefahr, mit Begeisterung in eine Kooperation zu springen und irgendwann mit Verlusten und enttäuscht wieder auszusteigen. Normalerweise planen wir vorwärts, zum Endergebnis hin. Jeder Schritt soll logisch dazu beitragen, dieses Ziel zum vorgesehenen Zeitpunkt zu erreichen. Viele Arbeiten für sich alleine liefern noch kein individuell nutzbares Ergebnis, sind aber im Hinblick auf das Gesamtziel absolut sinnvoll.

In logischen Schritten zum Endergebnis

Nehmen wir das Beispiel eines Hausbaus. Viele Arbeiten, vom Fundament betonieren, über Installationen einbauen bis hin zum Tapezieren sind notwendig. Sie werden so geplant, dass die einzelnen Gewerke sinnvoll nacheinander ausgeführt werden. Irgendwann ist das Haus dann bezugsfertig – wenn nichts dazwischenkommt. Denn jede Abweichung vom Plan hat Auswirkungen auf die nachfolgenden Arbeiten und führt zu Verzögerungen. Wer hat nicht schon von Freunden gehört, denen Folgendes passiert ist?: Die bisherige Wohnung ist bereits gekündigt, der Termin des Auszugs steht vor der Tür, aber das neue Haus ist noch nicht bewohnbar.

Frühe Wertschöpfung planen

Was können wir tun, um eine kontinuierliche Wertschöpfung und die damit verbundenen Erfolgserlebnisse zu schaffen? Bleiben wir beim Hausbau. Man kann bereits darin wohnen, wenn noch nicht alle Räume fertig sind und der Außenputz fehlt. Es wurde ein Wert geschaffen, obwohl das Endziel noch nicht erreicht ist. Um eine kontinuierliche Wertschöpfung zu schaffen, planen wir vom Endergebnis wieder rückwärts. Mit dem Ziel und der Vision haben wir definiert, welcher Wert am Ende geschaffen werden soll. Jetzt lautet die Frage, welche Zwischenschritte einen Teil dieses Werts bereits früher liefern können.

Zwischenschritte sind wichtig für den Erfolg von Kooperationen.
Zwischenschritte sind wichtig für den Erfolg von Kooperationen.
(Bild: Ulrike Stahl)

Meine Kollegin und ich erhofften uns von unserem gemeinsamen Trainingsprojekt neben dem finanziellen Ertrag vor allem den Erfahrungsaustausch, mehr Sichtbarkeit nach außen und Kosteneinsparungen. Statt bei der Fotosession nur gemeinsame Bilder für das neue Konzept aufnehmen zu lassen, hätten wir auch individuelle Bilder zum sofortigen Nutzen machen lassen können. Statt uns nur außerhalb der Arbeit zu treffen und zu planen, hätten wir gegenseitig unsere Seminare besuchen, voneinander lernen und uns Feedback geben können. Anstatt viele große Schritte für das hochwertige Endergebnis zu planen, hätten wir ein erstes einfaches Produkt, wie zum Beispiel ein Webinar, quasi als Testprojekt, entwickeln können.

Kooperative Zusammenarbeit braucht Erfolgserlebnisse in Form von greifbaren Ergebnissen – und zwar frühzeitig und kontinuierlich. So, dass wir sagen können: Es hat sich doch gelohnt, auch wenn wir das Ziel nicht erreichen.

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